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CD-Besprechung

Jaromír Weinberger

Piano Music
Gottlieb Wallisch

Grand Piano GP887

1 CD • 77min • 2021

01.12.2022

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 9
Klangqualität:
Klangqualität: 9
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 9

Das Schaffen des tschechischen Komponisten Jaromír Weinberger (1896-1967) wird bis heute praktisch auf ein einziges Werk reduziert: seine zweite Oper Schwanda, der Dudelsackpfeifer von 1927. In der deutschen Übersetzung Max Brods feierte sie einen ungeheuren Erfolg, der in den späten Zwanzigerjahren höchstens noch von Kreneks Johnny spielt auf übertroffen wurde. Schon mit 14 studierte Weinberger am Prager Konservatorium, ging anschließend zu Max Reger nach Leipzig. Trotz dessen frühen Todes ist der Einfluss auf die gekonnt polyphone Schreibweise des jungen Komponisten allerdings offensichtlich. Nach der Emigration, die Weinberger schließlich in die USA führte, wo er durch seine Reputation anfangs noch zahlreiche Aufträge bekam, wurde es bald stiller um den Tonkünstler, der den letzten Schritt in die Moderne nie vollzogen hatte. Angesichts eines unheilbaren Hirntumors wählte er am Ende den Freitod.

Interessante Frühwerke

Bereits in den Klaviersonaten Nr. 2 und Nr. 3 (beide von 1915) ist Weinbergers kompositorisch-technische Meisterschaft klar ausgeprägt – und die dramatische zweite, wohl mit autobiographischen Zügen, endet in einer grandiosen, ruhigen Fuge. Der Titel der dritten (Spinett-Sonate) ist missverständlich. Das Stück ist zwar auch ein Vorgriff etwa auf Busonis sich gerade anbahnende „Junge Klassizität“ – nicht zu verwechseln mit dem Neoklassizismus der 1920er Jahre. Vielmehr zeigt sich hier jedoch durch eine gewisse virtuose Verspieltheit die starke Identifikation mit dem französischen Impressionismus, vor allem im hinreißenden Final-Rondo. Noch augenfälliger wird dies freilich in den Valses nobles, der Sarabande sowie der Pavane pour Dulcinea de Tobroso: Ravel und Debussy lassen grüßen.

Fünf Präludien und Fugen von ganz eigenständiger Qualität

Anders als viele „gelehrsame“ Stücke Regers, insbesondere manches für ein oder zwei Streicher, sind Weinbergers Gravures – 5 Präludien & Fugen (1923) – deutlich weniger akademisch, greifen auf historische tschechische Gestalten zurück. Die meisterhafte Fugenbehandlung erscheint freier und eigenständiger. Die ersten vier Paare wirken dabei eher verhalten. Das fünfte hingegen ist ein absoluter Reißer, der auf einer Volksmelodie (Na tom našem dvořé) beruht, die später ebenso in Schwanda Verwendung findet – herrliche Musik! Leider hat der österreichische Pianist Gottlieb Wallisch als Abschluss des Albums nicht Weinbergers eigenes Arrangement der Polka und Fuge aus der Oper (für 2 Klaviere) gewählt, sondern die zeitgenössische Bearbeitung Gustav Blassers dreier Volkstänze daraus – inklusive vorgenannter Polka: einfache Hausmannskost. Wie in allen bisherigen Aufnahmen ist Wallischs Spiel charaktervoll, technisch untadelig und klanglich sehr farbig – gerade bei den impressionistischen Anklängen. Dennoch reicht das nicht, um den Hörer tatsächlich vom Hocker zu reißen, was aber gleichermaßen der Musik geschuldet ist, der das letzte Quäntchen an Inspiration dann doch fehlt. Aufnahmetechnik und Booklet bewegen sich auf gleichem, erfreulich hohen Niveau. Musik, deren Kennenlernen durchaus lohnt.

Martin Blaumeiser [01.12.2022]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Jaromír Weinberger
1Sarabande 00:06:30
2Klaviersonate Nr. 2 d-Moll op. 4 00:19:43
5Klaviersonate Nr. 3 (Spinet Sonata) 00:16:52
8Pavane pour Dulcinea de Toboso 00:03:40
9Valses nobles 00:03:44
10Gravures (Rytiny, Cinq préludes et fugues) 00:18:12
15Mi-La-Do 00:00:39
16Drei Stücke aus der Oper Schwanda, der Dudelsackpfeifer 00:07:03

Interpreten der Einspielung

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