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CD-Besprechung

Bohemian Rhapsodies

Smetana • Dvořák
Oliver Schnyder Trio

Prospero PROSP 0033

1 CD • 60min • 2020

17.11.2022

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 10
Klangqualität:
Klangqualität: 9
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 10

Klassik Heute
Empfehlung

Man könnte annehmen, dass es sich bei der Gattung des Klaviertrios um eine recht ‚klassische‘ handelt: Haydn hat für sie geschrieben, ebenso wie auch Mozart und Beethoven, von den Komponisten nachfolgender Generationen einmal ganz abgesehen. Und doch gelingt es dem Oliver Schnyder Trio bei seiner neuen Einspielung, der Gattung einen anderen Anstrich zu geben. Wie sehr das auch in der Absicht des Trios liegt, merkt man spätestens beim Einstieg in den wunderbaren Booklet-Text von Eva Gesine Baur, die hier einsteigt über den Titel „Bohemian Rhapsodies“ und den riesigen Erfolg Freddy Mercurys mit seiner „Bohemian Rhapsody“. Tatsächlich gelingt es ihr, Parallelen zwischen seiner Musik und den beiden Klaviertrios von Bedrich Smetana und Antonin Dvořák herzustellen. Dies gelingt ihr über den Begriff der „Bohème“, der von den Roma geprägt wurde und neben einem Verweis auf die Herkunft aus Böhmen auch einen Hinweis auf eine gesellschaftliche Zugehörigkeit – siehe auch La Bohème – gibt.

Mit dem Komponisten Bedrich Smetana hat man es auf jeden Fall schon einmal mit einem böhmischen Komponisten zu tun. Hinzu kommt, dass er sich für die Volksmusik seines Landes sehr interessierte und diese dann gerne in seine ‚klassischen‘ Werke einbaute. Bei der Uraufführung seines Klaviertrios g-Moll op. 15 spaltete sich die Presse – während man einerseits die ungewöhnliche Struktur und ungewohnten Melodien kritisierte, wurde auf der anderen Seite genau das gelobt. Auf ihrer Aufnahme gelingt es Andreas Janke (Violine), Benjamin Nyffenegger (Violoncello) und Oliver Schnyder (Klavier) in ihrem Spiel auf besondere Weise, das Werk natürlich umzusetzen wie niedergeschrieben, dem Ganzen aber durch zupackendes Spiel eine Facette zu geben, die durchaus zur Intention des Komponisten passen könnte, in seinem Werk klassische und volkstümliche Elemente zu verbinden.

Smetana und Dvořák als Bohemians

Auch Antonin Dvořák war Böhme und ließ das Kolorit seiner Herkunft in seine Musik einfließen. Damit feierte er große Erfolge, wobei den Rezensenten scheinbar egal war, was genau an nationalen Elementen oder Ideen er eingebaut hat. 1891 wurde sein Klaviertrio Nr. 4 op. 90 in Prag zur Uraufführung gebracht – und im Gegensatz zu Smetanas Werk auf Anhieb bejubelt. Alleine schon die Form war für die damalige Zeit sehr ungewöhnlich: Statt beispielsweise wie bei Smetana ein dreisätziges Werk zu schreiben, komponierte Dvořák sechs „Dumky“, was in der Übersetzung aus dem Ukrainischen so viel heißt wie „Gedanke“ oder auch „Nachsinnen“. Damit machte sich Dvořák auch unabhängig von ‚typischen‘ Charakterzügen verschiedener Sätze und wurde frei in Tempo und Metrum – eben wie bei einer Rhapsodie. Das passte auch zu seinem Anliegen, jeden Satz zugleich fröhlich und traurig zu machen. Ist schon Smetanas Trio dem Oliver Schnyder Trio ausgesprochen gut gelungen, so setzen die drei Musiker in Dvořák Werk noch einmal eins drauf. Es wird mit viel Schmelz, Kraft und Energie musiziert, wobei keine Wünsche offen bleiben. Gerade die Kontraste zwischen den Stimmungen gelingen dem Trio hervorragend. Dass dabei auch technisch und im Zusammenspiel der Musiker alles funktioniert, muss kaum erwähnt werden. Mit seinem zupackenden Spiel macht das Oliver Schnyder Trio diese CD besonders.

Verena Düren [17.11.2022]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Bedřich Smetana
1Klaviertrio g-Moll op. 15 JB 1:64 00:28:20
Antonín Dvořák
4Klaviertrio Nr. 4 e-Moll op. 90 (Dumky) 00:32:38

Interpreten der Einspielung

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