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CD-Besprechung

Conlon Nancarrow

Complete Studies for Player Piano

MDG 645 2272-2

5 CD • 5h 19min • 2005

25.09.2022

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 10
Klangqualität:
Klangqualität: 10
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 10

Klassik Heute
Empfehlung

Musikproduktion Dabringhaus & Grimm hat jetzt die gesamten Studies for Player Piano des amerikanischen Komponisten Conlon Nancarrow (1912-1997), die zwischen 2006 und 2009 zunächst auf fünf Einzel-CDs innerhalb der Reihe „Player Piano“ veröffentlicht worden waren, in einer preiswerten Box zusammengefasst. Eine gute Gelegenheit, sich diese Schätze nochmals anzuhören. Der Begriff der Etüde – also eines Übungsstückes zur Erarbeitung und Konsolidierung technisch-musikalischer Fähigkeiten – scheint zunächst einmal in Verbindung mit Selbstspielklavieren paradox, passt jedoch im Fall von Nancarrows Studies (ca. 1949-1987) durchaus. Ziel des Komponisten war die Erforschung von Möglichkeiten struktureller und klanglicher Natur auf dem Klavier, die so für menschliche Spieler aufgrund ihrer manuellen Begrenztheit schlicht unrealisierbar wären.

Musik für Selbstspielklaviere in mühevoller Handarbeit

Dabei geht es nicht in erster Linie um Hochgeschwindigkeit – auch die gibt es natürlich, etwa in den Studies Nos. 21 u. 25 mit bis zu 200 Anschlägen pro Sekunde (!) – oder Klangmassierung, sondern zumeist um rhythmische Komplexität bzw. Stimmen, die in unterschiedlichen Geschwindigkeiten ablaufen, zum Teil mit gegenläufigen Tempoänderungen. So stehen bei den meisten der gut fünfzig Stücke Proportionskanons im Mittelpunkt, bis hin zu irrationalen Verhältnissen und 12 Stimmen (No. 37). Nancarrow hat diese Musik nicht auf Klavierrollen – wie man es von historischen Welte-Mignon Aufnahmen her kennt – „eingespielt“ (etwa in Zeitlupe), sondern diese Rollen für die Ampico Selbstspieleinrichtung direkt quasi händisch gestanzt, in jahrzehntelanger, präziser Kleinarbeit.

Absurde, aber immer witzige Jazzadaptionen

Eigentlich wirken fast alle Stücke jazzig. In den formal recht strengen Kanonstrukturen steckt jede Menge Blues, Boogie-Woogie usw., was trotz des mathematischen Hintergrunds einen enorm hohen Unterhaltungswert hat. Ungeachtet der absurden Polyrhythmik bleiben viele der Stücke freundlich, verständlich, sogar entspannt, obwohl der Zuhörer dabei immer wieder ins Staunen über deren Komplexität – und die Aufnahmefähigkeit des eigenen Gehörs – gerät. Bei manchen der Etüden fährt Nancarrow aber auch historische Vorbilder am Schluss bewusst und genüsslich regelrecht an die Wand (z.B. den Flamenco in No. 12). Selbstverständlich spürt man, dass hier nur ein Automat spielt. Dennoch ist Nancarrows Musik derart spannend und abwechslungsreich, mit ständig neuen „unerhörten“ Ideen, dass nie Langeweile aufkommt.

Warum gerade diese Aufnahmen?

Bereits 1977 – damals waren erst 41 Studies vollendet – und 1988 hatten die Schallplattenfirmen Arch Records bzw. Wergo die Werke in Nancarrows Studio in Mexico City aufgenommen. Bei der Wergo-Aufnahme war jedoch bereits eines seiner beiden Ampico-Klaviere – keine Flügel! – mit unterschiedlich präparierten Hammerköpfen nicht mehr funktionstüchtig, so dass diese Einspielung nicht den Intentionen des Komponisten entspricht, zu hart und allzu sehr nach Honky-Tonk klingt. Der Sammler und Experte für mechanische Instrumente Jürgen Hocker hat Ende der 1980er einen Ampico-Bösendorfer-Flügel von 1927 restauriert und später damit gemeinsam mit dem Komponisten dessen Klangvorstellungen in idealer Weise für den Konzertgebrauch realisiert. Auch die Tempi wurden so genau festgelegt. Die vorliegenden Aufnahmen entstanden schließlich 2005 in der Immanuelskirche in Wuppertal, sind akustisch ein absoluter Genuss. Auf der fünften CD gibt es noch einige interessante Ergänzungen. Das 64-seitige Booklet von Hocker bietet zudem umfassende Informationen zu jedem einzelnen Werk. Diese maßstabsetzende Produktion bleibt ein Muss für jeden ernsthaften Klaviermusiksammler!

Vergleichsaufnahmen: Arch Records (Wiederveröffentlichung: Other Minds OM 1012/15-2, 1977), Wergo (WER 6907-2, 1988)

Künstlerische Qualität: 10 Klangqualität: 10 Gesamteindruck: 10

Martin Blaumeiser [25.09.2022]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Conlon Nancarrow
1Study Nr. 1 für Player Piano 00:02:15
2Study Nr. 2a für Player Piano 00:02:10
3Study Nr. 2b für Player Piano 00:02:09
4Study Nr. 2c für Player Piano 00:02:09
5Study Nr. 2d für Player Piano 00:02:10
6Study Nr. 2B für Player Piano 00:01:10
7Study Nr. 3a für Player Piano 00:03:06
8Study Nr. 3b für Player Piano 00:05:10
9Study Nr. 3c für Player Piano 00:02:43
10Study Nr. 3d für Player Piano 00:02:26
11Study Nr. 3e für Player Piano 00:02:00
12Study Nr. 4 für Player Piano 00:03:05
13Study Nr. 5 für Player Piano 00:02:20
14Study Nr. 6 für Player Piano 00:03:00
15Study Nr. 7 für Player Piano 00:06:37
16Study Nr. 8 für Player Piano 00:03:53
17Study Nr. 9 für Player Piano 00:04:15
18Study Nr. 10 für Player Piano 00:03:17
19Study Nr. 11 für Player Piano 00:03:45
20Study Nr. 12 für Player Piano 00:04:26
CD/SACD 2
1Study Nr. 13 für Player Piano 00:02:51
2Study Nr. 14 für Player Piano 00:01:32
3Study Nr. 15 für Player Piano 00:01:03
4Study Nr. 16 für Player Piano 00:03:29
5Study Nr. 17 für Player Piano 00:01:32
6Study Nr. 18 für Player Piano 00:02:23
7Study Nr. 19 für Player Piano 00:01:13
8Study Nr. 20 für Player Piano 00:05:23
9Study Nr. 21 für Player Piano 00:03:09
10Study Nr. 22 für Player Piano 00:04:07
11Study Nr. 23 für Player Piano 00:04:41
12Study Nr. 24 für Player Piano 00:04:22
13Study Nr. 25 für Player Piano 00:06:04
14Study Nr. 26 für Player Piano 00:04:44
15Study Nr. 27 für Player Piano 00:05:52
16Study Nr. 28 für Player Piano 00:03:21
17Study Nr. 29 für Player Piano 00:03:36
18Study Nr. 30 für Player Piano 00:03:26
19Study Nr. 31 für Player Piano 00:01:36
20Study Nr. 32 für Player Piano 00:02:28
CD/SACD 3
1Study Nr. 33 für Player Piano 00:05:46
2Study Nr. 34 für Player Piano 00:04:28
3Study Nr. 35 für Player Piano 00:07:18
4Study Nr. 36 für Player Piano 00:03:41
5Study Nr. 37 für Player Piano 00:12:17
6Study Nr. 40a für Player Piano 00:04:23
7Study Nr. 40b für Player Piano 00:04:23
8Study Nr. 41a für Player Piano 00:07:38
9Study Nr. 41b für Player Piano 00:06:11
10Study Nr. 41c für Player Piano 00:07:39
CD/SACD 4
1Study Nr. 42 für Player Piano 00:07:22
2Study Nr. 43 für Player Piano 00:06:24
3Study Nr. 44a für Player Piano 00:07:19
4Study Nr. 44b für Player Piano 00:07:20
5Study Nr. 45a für Player Piano 00:03:55
6Study Nr. 45b für Player Piano 00:03:55
7Study Nr. 45c für Player Piano 00:07:02
8Study Nr. 46 für Player Piano 00:03:59
9Study Nr. 47 für Player Piano 00:05:46
10Study Nr. 48a für Player Piano 00:06:20
11Study Nr. 48b für Player Piano 00:06:09
12Study Nr. 48c für Player Piano 00:06:22
CD/SACD 5
1Study Nr. 49a für Player Piano 00:01:55
2Study Nr. 49b für Player Piano 00:02:42
3Study Nr. 49c für Player Piano 00:03:46
4Para Yoko 00:01:14
5For Ligeti 00:05:34
6Study Nr. 1 (Unpublished) 00:01:47
7Study Nr. 4 (Unpublished) 00:01:40
8Study Nr. 5 (Unpublished) 00:01:36
9Study Nr. 45 (discard) 00:04:28
10Prelude (Allegro molto) 00:01:09
11Sonatina für Klavier 00:04:13
14Tango? 00:02:48
15Canon for Ursula A (5/7) 00:05:20
16Canon for Ursula B (6/9/10/15) 00:04:11
17Canon for Ursula C (2/3) 00:05:16
18Toccata für Violine und Player Piano (Molto presto) 00:01:32

Interpreten der Einspielung

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