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CD-Besprechung

Haydn

The Complete Piano Concertos
Matthias Kirschnereit

Berlin Classics 0302297BC

2 CD • 2h 25min • 2021,2022

09.09.2022

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 9
Klangqualität:
Klangqualität: 8
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 9

Mit dieser Doppel-CD versucht Matthias Kirschnereit zusammen mit dem Württembergischen Kammerorchester Heilbronn nichts weniger als eine Ehrenrettung der Klavierkonzerte von Joseph Haydn, zumindest der neun gesichert von Haydn komponierten „Konzerte für Tasteninstrumente“. Ehrenrettung deshalb, weil diese Klavierkonzerte – bis auf das häufiger gespielte Konzert D-Dur Hob XVIII:11 – von der Musikwissenschaft und auch den Pianisten bisher eher vernachlässigt wurden. Zu Recht, muss man zum Beispiel bei dem schon allzu bekannten Konzert C-Dur Hob XVIII:10 sagen. Zu Unrecht, wenn man die langsamen zweiten Sätze hört. Alles in allem aber hat diese Doppel-CD einen sehr hohen Repertoire-Wert.

Tiefsinn der langsamen Sätze

Kirschnereit hat sich für einen modernen Steinway-Flügel entschieden. Ein Hammerklavier wäre vielleicht geeigneter gewesen, aber Kirschnereit erzielt auf dem Steinway einen lichten Klang mit federndem Rhythmus, was durchaus zu dem immer heiteren, aufgeräumten Charakter dieser Konzerte passt, die Kirschnereit mit dem ebenso „aufgeräumten Naturell“ (so schreibt er im Booklet) des Komponisten vergleicht. Er versucht die „sinistren Nebenpfade auszuleuchten, ihre doppelten Böden aufzudecken“ (so wiederum im Booklet) – falls es die wirklich gibt. Tiefsinn findet man eher nicht. Wenn, dann, wie gesagt, in den langsamen Sätzen. Da lässt Kirschnereit seinen Steinway sinnend und manchmal selbstvergessen rhapsodisch singen (CD 1, Track 2), produziert ein wohldurchfühltes Piano (CD 1, Track 5), schafft mit den nur wenigen Motiven eine zauberhafte, immer wieder mollverschattete Serenadenstimmung im längsten Satz (CD 1, Track 8) und eine Boccherini-Süße zu Streicher-Pizzicati (CD, Track 14) und hält immer die Spannung in der Langsamkeit im sacht swingenden Adagio in Track 8 (CD 2).

Spannung durch Temporückungen

Vergnügte Spritzigkeit, Haydnscher heiterer Esprit und pianistischer Witz mit eingefügten Fiorituren herrscht in den schnellen Sätzen, auch in den oft endlos auf- und niederrasenden Tonskalen und Akkordbrechungen. Kirschnereit versteht auch hier Spannung zu erzeugen mit winzigen Temporückungen, Tempovorhalten und Tempoverschärfungen. Der Pianist hat die Kadenzen selber komponiert: Da hätte er ruhig mehr vom pianistischen Leder ziehen dürfen und sich nicht so brav an den Haydn’schen Klang halten müssen.

Kirschnereit leitet selber das Württembergische Kammerorchester Heilbronn, das ihm begeistert folgt, mit federndem Orchesterklang, duftigen Piani und einem feinen beseelten, manchmal melancholisch verhangenen Streicherklang. Die selten eingesetzten Bläser sind dann immer perfekt eingebunden.

Doppelkonzert als besonderes Schmankerl

Ein besonderes Schmankerl ist das Doppelkonzert in F-Dur Hob XVIII:6 zusammen mit Lena Neudauer: Ganz kammermusikalisch fein (ver)folgen sich da Klavier und Violine, kontrastieren miteinander, umspielen sich oder spazieren melodisch nebeneinander: ein fantasievolles Werk geistvoll gespielt. Lena Neudauer verfügt hier über einen subtil-silberstrahligen, manchmal geradezu selig-lieblichen Geigenklang.

Aufgenommen sind die Konzerte in der Sulmtal-Halle in Erlenbach und in der Wilhelm-Frey-Halle in Widdern: Die klingen sehr neutral und etwas trocken. Auch wenn die Balance zwischen Orchester und Klavier gut ist – ein bisschen schlosssaal-ähnlicher kleiner Nachhall wäre wünschenswerter gewesen.

Rainer W. Janka [09.09.2022]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Joseph Haydn
1Klavierkonzert G-Dur Hob. XVIII:4 00:21:35
4Klavierkonzert C-Dur Hob. XVIII:8 00:11:17
7Klavierkonzert D-Dur Hob. XVIII:2 00:23:33
10Klavierkonzert C-Dur Hob. XVIII:5 00:11:34
13Klavierkonzert C-Dur Hob. XVIII:10 00:07:12
16Klaviertrio G-Dur Hob. XV:25 (Finale. Rondo all'ongarese. Presto) 00:03:24
CD/SACD 2
1Klavierkonzert C-Dur Hob. XVIII:1 00:18:06
4Klavierkonzert F-Dur Hob. XVIII:3 00:21:13
7Klavierkonzert D-Dur op. 21 Hob. XVIII:11 00:19:28
10Doppelkonzert F-Dur Hob. XVIII:6 00:17:12

Interpreten der Einspielung

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