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CD-Besprechung

Branco Ravel Villa-Lobos

Violin Sonatas

Etcetera KTC 1750

1 CD • 69min • 2021

01.05.2022

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 6
Klangqualität:
Klangqualität: 7
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 7

Bruno Monteiro (Jg. 1977) ist heute einer der führenden Violinisten Portugals. Er studierte als Stipendiat der Gulbenkian Stiftung an der Manhattan School of Music, später bei Shmuel Ashkenasi in Chicago, nahm Meisterkurse u.a. bei Yehudi Menuhin. Schon lange konzertiert er zusammen mit dem Pianisten und Dirigenten João Paulo Santos, einem Schüler Aldo Ciccolinis. Besonders ihre Gesamtaufnahme der Musik für Violine und Klavier von Strawinsky erntete zuletzt international höchstes Lob.

Solide Ravel-Sonate – reicht das?

Wenn von der Ravel-Violinsonate die Rede ist, meint man eigentlich immer dessen zweite, die zwischen 1923 und 1927 entstand, und wegen des Blues als Mittelsatz schnell weltberühmt und populär wurde. Den Portugiesen gelingt eine technisch wie musikalisch solide Darbietung, die allerdings im Kopfsatz etwas eindimensional, im Perpetuum mobile des Finales eindeutig zu träge ist. Bei diesem viel gespielten Stück gibt es naturgemäß reichlich Konkurrenz, die mehr zündet. Absolut faszinierend ist zumindest der Blues; und hier darf Monteiro auch stilistisch passend seine Portamenti auskosten, die ihm leider bei Freitas Branco zur Manie geraten.

Mageres Plädoyer für einen portugiesischen Meister

Luís de Freitas Branco (1890-1955) gilt als der bedeutendste portugiesische Spätromantiker, historisch freilich ein Nachzügler. Vor allem als Symphoniker verdiente er in Deutschland trotzdem mehr Beachtung. Seine erste Violinsonate schrieb er bereits als 17-Jähriger, und sie führte sogleich zu Diskussionen. Für die eher konservativen Ohren Portugals war sie 1908 zu modern. Und weil sie sich dabei nicht nur in der zyklischen Gesamtform stark an der berühmten Sonate César Francks orientiert – schon das melodisch wie harmonisch stark verwandte Anfangsthema erinnert sofort daran –, warf man Freitas Branco Uneigenständigkeit vor. Das Plädoyer für ihren Landsmann geht hier allerdings ziemlich schief. Die ständigen Portamenti Monteiros – im ersten und dritten Satz fast unerträglich – erscheinen völlig unangemessen. Dazu lässt seine Intonation im ersten und vierten Satz – musikalisch der interessanteste – generell zu wünschen übrig. Da hilft die durchaus sensible Begleitung Santos‘ leider kaum: kein Vergleich zur brandneuen Aufnahme mit Alessio Bidoli und Altmeister Bruno Canino!

Vielschichtiger Villa-Lobos

Der Brasilianer Heitor Villa-Lobos (1887-1959) schrieb vier Violinsonaten, deren letzte wohl verschollen ist. Die zweite, Sonata fantasia (1914), besteht aus drei vollwertigen Sätzen und ist eine der frühesten Kompositionen, wo Villa-Lobos Elemente der indigenen (?) Volksmusik mit einfließen lässt. Höhepunkt ist der abwechslungsreiche, innige zweite Satz, der an impressionistische Stimmungen anknüpft. Die Interpretation des gerade auch im Klaviersatz elaborierten und dankbaren Werkes erweist sich bei Monteiro und Santos als emotional hochengagiert; der große Bogen bleibt immerhin spannungsreich. Dennoch: An die phänomenale, detailversessene Wiedergabe von Emmanuele Baldini und Pablo Rossi kommen die beiden längst nicht heran. Da zudem die Aufnahmetechnik – über Strecken ist die Violine viel zu präsent und klingt recht blechern – nicht wirklich überzeugt, fragt man sich, ob diese vom Repertoire her willkommene Veröffentlichung, zumal Monteiro gleichzeitig der Produzent ist, nicht ein wenig unbedacht auf den Markt geworfen wurde.

Vergleichsaufnahmen: [Freitas Branco]: Alessio Bidoli, Bruno Canino (Sony, UPC: 194399959923, 2021); [Villa-Lobos]: Emmanuele Baldini, Pablo Rossi (Naxos 8.574310, 2020).

Martin Blaumeiser [01.05.2022]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Luís de Freitas Branco
1Sonate Nr. 1 für Violine und Klavier 00:25:17
Maurice Ravel
5Sonate Nr. 2 G-Dur op. 7 für Violine und Klavier 00:19:02
Heitor Villa-Lobos
8Sonate Nr. 2 für Violine und Klavier (Fantasia) 00:24:33

Interpreten der Einspielung

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