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CD-Besprechung

Franz Schubert

Violin & Piano

CAvi-music 8553027

1 CD • 72min • 2019

06.01.2022

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 10
Klangqualität:
Klangqualität: 10
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 10

Klassik Heute
Empfehlung

Mihaela Martin und Elena Bashkirova wählten für ihre erste gemeinsame CD die drei gemeinhin als „Sonatinen“ bezeichneten „mozartisierenden“ Violinsonaten aus dem Jahre 1816 von Franz Schubert sowie dessen zehn Jahre später entstandenes Rondo brillant op. 70. Es gelang ihnen eine farblich reiche, lyrisch-gesangliche, anrührende und – wo erforderlich – temperamentvolle Interpretation. Schubert war bereits mehrfach mit großangelegten Klaviersonaten gescheitert und hatte diese unvollendet zur Seite gelegt, als er sich entschloss, drei Duo-Sonaten mit geringeren technischen Anforderungen in der Nachfolge Mozarts und Haydns zu komponieren. Offensichtlich fehlte dem Liedmeister, der bereits ein Jahr zuvor mit Wanderers Nachtlied, Rastlose Liebe und Erkönig Kernrepertoire geschaffen hatte, bei der Komposition „absoluter Musik“ der zündende poetische Funke.

Schuberts erste vollendete Sonaten

Der Kopfsatz der Sonate in D-Dur D 384 ist quasi eine Dur-Variante von Mozarts Sonate e-moll KV 304. Das Andante spielt mit dem Beginn des Liedes An Chloé. Die a-Moll-Sonate D 385 verweist mehrfach zurück auf den „Galanten Stil“. Bereits das melancholische Eingangsthema lässt ein wenig an den Duktus der „Berliner Schule“ denken; die ausgiebige Verwendung von standardisierten Partimento-Elementen in den Durchführungsteilen des Finales inklusive Quintfallmodulationen lässt Rückschlüsse auf die im Kompositionsunterricht bei Antonio Salieri erarbeiteten Muster zu. Das Finale der g-moll Sonate nimmt den ungarischen Duktus Haydns auf. Dies bildet einen idealen Übergang zum ebenfalls slawisch-ungarisch inspirierten virtuosen Rondo brillant, das für den „zweiten Paganini“ – so Chopin – Josef Slavik entstand. Das Werk selbst ist ein virtuoses Duo. Der Klaviersatz ist quasi orchestral gedacht und böte die Möglichkeit einer Instrumentierung als Konzertstück. Er ist in den technischen Anforderungen durchaus mit der Wanderer-Fantasie zu vergleichen. Die lyrischen Episoden verströmen den Klangzauber der Impromptus (mit direkten Anklängen an dasjenige in Ges-Dur).

Eine zweite Referenz

Vor einem Jahr hatte ich die Einspielung von Ariadne Daskalakis und Paolo Giacometti als Referenz benannt. Jetzt existiert eine zweite ebenso wohlgelungene Einspielung dieser Werke. Denn Mihaela Martin und Elena Bashkirova gehen mit vergleichbarer Inspiration ans Werk. Ihr Spiel ist ebenfalls reaktionsschnell und äußerst fein in den Details aufeinander abgestimmt. Ihr Interpretationsansatz betont das Lyrisch-Liedhafte, spannt Bögen, singt und schafft damit eine Selbstverständlichkeit, wie sie nur Könnern gelingen kann. In den dramatischen Momenten können sie zupacken, ohne dass Klangqualität verloren ginge. Sie atmen miteinander und verfügen so in ihren Rubati über ein nachtwandlerisch sicheres Timing. Ganz große Gestaltungskultur! Aufnahmetechnisch gelang die Einspielung vorbildlich, auch das Booklet ist informativ.

Fazit: Zweite Referenzaufnahme dieser liebenswerten Werke binnen eines Jahres. Den Komponisten dürfte es im Himmelpfortgrund freuen. Ideal für diejenigen, die mit historisch informierter Aufführungspraxis immer noch etwas fremdeln, da hier ein eleganter Kompromiss auf „modernem“ Instrumentarium gefunden wurde. Klare Empfehlung!

Thomas Baack [06.01.2022]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Franz Schubert
1Sonatine D-Dur op. 137 Nr. 1 D 384 00:13:29
4Sonatine a-Moll op. 137 Nr. 2 D 385 00:23:19
8Sonatine g-Moll op. 137 Nr. 3 D 408 00:19:20
12Rondo Brillant h-Moll op. 70 D 895 00:15:24

Interpreten der Einspielung

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