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CD/SACD stereo/surround-Besprechung

Ewald Straesser

Sonata op. 32 • Suite • 3 Reigen op. 25

MDG 903 2228-6

1 CD/SACD stereo/surround • 64min • 2021

29.12.2021

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 8
Klangqualität:
Klangqualität: 10
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 9

Gerade erst vor ein paar Monaten ist bei MDG die erste CD mit Kammermusik des rheinischen Spätromantikers Ewald Straesser (eigentlich Sträßer; 1867–1933) erschienen, die einen ausgesprochen positiven Eindruck hinterließ. So ist es sehr zu begrüßen, dass nun nach nur kurzer Zeit bereits die nächste Veröffentlichung erfolgt. Stand beim Erstling überwiegend die Klarinette im Vordergrund, so werden diesmal Werke für Violine und Klavier (bzw. Solovioline) präsentiert, interpretiert von der Geigerin Gudrun Höbold und der Pianistin Eri Uchino.

Ein kleines kammermusikalisches Juwel

Das zentrale Werk auf dieser CD ist Straessers dreisätzige Violinsonate D-Dur op. 32 aus dem Jahre 1914. Mit etwa einer halben Stunde Spieldauer recht umfangreich angelegt, bestätigt die Sonate viele der Eindrücke, die man bereits auf Basis der ersten CD gewinnen konnte. Straesser galt zu Lebzeiten als Brahms-Nachfolger, und sicherlich kann man im ersten Satz den Einfluss von Brahms’ Violinsonate Nr. 1 feststellen, und die Struktur des zweiten Satzes ist derjenigen des langsamen Satzes von Brahms’ Violinsonate Nr. 2 nachempfunden. Darauf sollte man Straessers Musik jedoch nicht reduzieren, denn tatsächlich ist ihm mit dieser Sonate ein ungemein reiz- und charaktervolles Werk gelungen. Ihr Grundtonfall hat etwas Idyllisch-Pastorales, bereits im von einem fallenden Motiv wesentlich geprägten ersten Satz deutlich vernehmbar, noch mehr aber im langsamen Satz, einem traumverlorenen, eher sparsam gesetzten Adagio in Fis-Dur, das zweimal von einem Scherzoabschnitt unterbrochen wird, der etwa den Elfentanz aus dem ersten Band von Griegs Lyrischen Stücken in Erinnerung ruft und ganz am Ende im Klavier choralartig verklärt wird, kontrastiert von Reminiszenzen an die Tanzatmosphäre in der Violine. Überhaupt ist Grieg angesichts der Bildhaftigkeit, der Suggestivkraft und dem in gewisser Hinsicht auch leicht nordisch angehauchten Tonfall dieser Sonate ein naheliegender Vergleich. Eine sehr aparte, lohnenswerte Entdeckung, auf ihre Weise ein kleines kammermusikalisches Juwel.

Hausmusik von sanfter Melancholie

Die übrigen Stücke auf der CD sind geringer im Umfang und im Charakter eher hausmusikalisch. Das hübsche Arioso op. 13a, eine Art spätromantische Barock-Reminiszenz, währt nur rund zwei Minuten; ausgedehnter sind da schon die Drei Reigen op. 25, die verschiedene Tänze (Ländler, Spanischer Tanz und Mazurka) stilisieren, gut gearbeitete, unterhaltsame Musik mit einem Hauch von sanfter Melancholie, wobei die abschließende Mazurka vielleicht etwas lang geraten ist. Das letzte Werk auf der CD (nicht gemäß der Reihenfolge der Tracks) ist eine Suite für Violine solo e-moll, die 1926 als Weihnachtsgeschenk für einen Freund Straessers, den Kulturwissenschaftler Paul Luchtenberg, entstand (und von der es auch eine Version für Cello gibt, die Dietmar Berger eingespielt hat). Genre und Besetzung legen den Einfluss Bachs nahe, und mindestens die ersten beiden Sätze (Präludium und Fuge) sind fraglos diesem Vorbild nachempfunden. Der langsame dritte Satz ist dagegen freier (auch in seiner tonalen Grundierung), improvisatorisch anmutend, eine Art Charakterstück für Solovioline, bevor eine Gigue (nun in G-Dur) das Werk zu einem gut gelaunten Abschluss bringt. Ein sicherlich anlassgebundenes Werk (ohne Opuszahl), aber als solches durchaus anspruchsvoll. Obendrein bestätigt die Suite die bereits in der Klarinettensonate festzustellende Tendenz Straessers, in seinen späteren Werken punktuell zu eigenen, zeitgenössischen Varianten seiner spätromantischen Wurzeln zu gelangen.

Eine Produktion, die Freude macht

Straessers Werke sind bei Gudrun Höbold und Eri Uchino in ungemein kompetenten, einfühlsamen Händen. Höbolds Lesart betont den kammermusikalisch-intimen Charakter der Musik, was besonders zu den kleinen Stücken sehr gut passt. In der Sonate würden die Höhepunkte (immerhin bis zum dreifachen Forte) stärkeres Forcieren zulassen, und die Artikulation ist nicht immer völlig konsequent (etwa an einigen Stellen im ersten Satz, an denen eigentlich Staccato vorgeschrieben ist – wie übrigens auch z.T. im zweiten Satz, aber mindestens hier erscheint die Entscheidung, darauf zu verzichten, als durchaus nachvollziehbar). Insgesamt aber sind die beiden Musikerinnen engagierte Anwälte für die Musik Straessers. Die Tonqualität ist auf dem üblichen exzellenten MDG-Niveau, und das Beiheft informiert gründlich über Straessers Leben und Musik (insbesondere auch mit präzisen Entstehungsjahren für die einzelnen Werke, was bei solchen Raritäten keine Selbstverständlichkeit ist). Also erneut eine Produktion, die Freude macht.

Holger Sambale [29.12.2021]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Ewald Sträßer
1Sonate D-Dur op. 32 für Violine und Klavier 00:30:23
4Arioso op. 13a 00:02:21
5Suite für Violine allein e-Moll 00:14:57
9Ländler op. 25 Nr. 1 (aus Drei Reigen für Violine und Klavier) 00:04:53
10Spanischer Tanz op. 25 Nr. 2 (aus Drei Reigen für Violine und Klavier) 00:04:41
11Mazurka op. 25 Nr. 3 (aus Drei Reigen für Violine und Klavier) 00:07:01

Interpreten der Einspielung

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