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CD-Besprechung

Elgar • Bridge

Cello Concertos

Naxos 8.574320

1 CD • 56min • 2020

25.12.2021

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 10
Klangqualität:
Klangqualität: 7
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 9

Der 1988 in Berlin geborene Gabriel Schwabe ist von der Nachwuchshoffnung längst zu künstlerischer Reife gewachsen, wie vor allem seine Naxos-Einspielungen der Cellokonzerte von Saint-Saëns und des Doppelkonzerts von Brahms beweisen. Gerade dabei hatte er – zusammen mit Tianwa Yang – eine musikalische Frische an den Tag gelegt, die dem meist als akademisch-grüblerisch eingeordneten Werk teils ungewohnte Facetten abgewinnen konnte. Nun hat sich Schwabe mit zwei englischen Konzerten beschäftigt, die rein äußerlich kaum gegensätzlicher auf die Erfahrung des Ersten Weltkriegs reagieren könnten, bei genauerem Hinhören aber die gesangliche Ausdrucksfähigkeit des Cellos mit gleicher Intensität und Strahlkraft sprechen lassen.

Elgars Erfolgsstück in gediegener Schönheit

Elgars 1919 entstandener Gattungsbeitrag steht mittlerweile auf der Liste der beliebtesten Cellokonzerte der Romantik ganz weit oben. Das Stück ist nur bei oberflächlicher Betrachtung stilistisch rückwärtsgewandt. Innerhalb der ungewohnten, viersätzigen Form mit einem ganz zu Beginn vorgestelltem „Motto“ und zahlreichen, eher ruhigen Abschnitten, dominiert eine herbstlich-melancholische Stimmung, recht nahe an Trauer oder gar Depression – ein Porträt der mehr zerbrechlichen Seite Elgars. Der Perpetuum-mobile-Charakter der Scherzo-Sechzehntel scheint da kurz auszubrechen – dort haben einige weibliche Cello-Virtuosinnen (Jaqueline du Pre oder Alisa Weilerstein) dann auch leichte Anflüge von Koketterie entdeckt. Auf diese Art von Gelöstheit verzichten Schwabe und der Dirigent Christopher Ward – mittlerweile Musikdirektor in Aachen –, behalten den elegischen Tonfall über das ganze Werk bei, mit durchaus leidenschaftlichem Ausdruck. Schwabes Cellospiel ist fantastisch, der Ton groß, differenziert und von ansprechender Wärme; so gelingt alles, was dieses streckenweise versonnene Stück so populär gemacht hat. Ward ist ein präziser Begleiter, der die Farbpalette des großen, hier jedoch meist kammermusikalisch geforderten ORF Radio-Symphonieorchesters Wien gekonnt einsetzt. Leider nivelliert die Aufnahmetechnik das an sich äußerst hohe Niveau dieser Darbietung: Der Cellist ist allzu sehr im Vordergrund, das Klangbild des Orchesters hat keinerlei räumliche Tiefe; alles ist merklich bassbetont, die oberen Mitten wirken unangenehm gepresst und der höchste Frequenzbereich gedeckelt.

Enorme Intensität bei Frank Bridge

Frank Bridge (1879-1941) gehört zu den wohl am meisten unterschätzten britischen Komponisten. Man kennt ihn fast nur als Lehrer Benjamin Brittens, aber die gute Handvoll echter Meisterwerke aus seiner Feder hört man viel zu selten: Zumindest das 2. Klaviertrio, die große Klaviersonate und das Cellokonzert Oration (Concerto elegiaco) – alle aus den 1920ern – sind den allerbesten Werken dieser Epoche absolut ebenbürtig. Wie schon bei der Sonate, hallt die Trauer des überzeugten Pazifisten um die Opfer des Krieges in dieser halbstündigen, energiegeladenen Grabrede nach. Das Stück besteht aus einer großen, einsätzigen Bogenform, wo das Cello – technisch wie musikalisch extrem anspruchsvoll – sich bestens präsentieren kann, dem Orchester aber eine weitaus gewichtigere Rolle zufällt als bei Elgar. Der junge Bridge war noch Spätromantiker, der darüber hinaus bereits über die Farbigkeit des Impressionismus verfügte; hier erweist er sich als wahrer Zeitgenosse, auch harmonisch elaboriert und mit ganz individuellem Können der Orchestrierung. Emotional ist Oration viel spannender und in seiner direkten Ansprache sicher intensiver als Elgar; die gleichzeitig immer spürbare Sprödigkeit verlangt vom Hörer jedoch, sich bedingungslos auf dieses Werk einzulassen, das nun wirklich ins Repertoire gehörte. Schwabe ist ein perfekter Anwalt für Bridges Vielschichtigkeit, seine empathische Klangrede nimmt stets gefangen; das Orchester ist ebenso hochengagiert. Musikalisch kann sich die Neueinspielung fraglos mit Alban Gerhardt unter Richard Hickox messen; Höchstnoten verhindert lediglich die mäßige Aufnahmequalität.

Vergleichseinspielungen: [Elgar] Alisa Weilerstein, Staatskapelle Berlin, Daniel Barenboim (Decca 478 2735, 2012); [Bridge] Alban Gerhardt, BBC National Orchestra of Wales, Richard Hickox (Chandos CHAN 10188, 2003).

Martin Blaumeiser [25.12.2021]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Edward Elgar
1Violoncellokonzert e-Moll op. 85 00:26:20
Frank Bridge
5Oration (Concerto Elegiaco) 00:29:46

Interpreten der Einspielung

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