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CD-Besprechung

Grand Nonetto

Meisterwerke von Johannes Brahms und Louis Spohr
Ensemble Obligat

Genuin GEN 21759

1 CD • 79min • 2021

20.11.2021

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 10
Klangqualität:
Klangqualität: 10
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 9

Louis Spohr auf dem Weg von der Klassik in die Romantik, Johannes Brahms auf dem Weg vom Divertimento zur Sinfonie: Welch spannende Gegenüberstellung! Vor allem dank der rekonstruierten Urfassung für Nonett von Brahms‘ erster Orchesterserenade ergibt sich in Ergänzung mit Spohrs Nonett eine hochinteressante musikalische Zeitreise. Musikgeschichte nicht erklärt sondern erhört.

Brahms auf dem Weg zur Sinfonie

Die Anregung zu seinen beiden Orchesterserenaden D-Dur op. 11 und A-Dur op. 16 erhielt Brahms während seiner Detmolder Jahre (1857-60) vermutlich durch dortige Aufführungen Mozartscher Bläserserenaden und Divertimenti.

Mit der ersten Serenade beginnt Brahms 1857. Von der am 28. März 1859 in Hamburg erstaufgeführten Fassung für Nonett sind weder das Stimmenmaterial noch die Partitur erhalten. Aus dem Briefwechsel mit dem Geiger Joseph Joachim wissen wir jedoch, dass Brahms sich im Vorfeld schon mit dem Gedanken trug, das Stück für Orchester zu setzen, was er noch im gleichen Jahr in die Tat umsetzt. Joachim erhält im Dezember 1859 die Partitur für großes Orchester und ist nach seinen Worten begeistert von der „Sinfonie-Serenade“, die er unter seiner Leitung am 3. März 1860 in Hannover zur Uraufführung bringt.

Wie die Nonettfassung wirklich geklungen hat, wissen wir nicht. 1987 unternimmt der Dirigent Jorge Rotter den Versuch, die Erstfassung zu rekonstruieren. Diese zweifellos geglückte Rekonstruktion liegt der vorliegenden Einspielung zugrunde, was der Begleittext allerdings verschweigt. Aus der Reduktion der Besetzung auf Flöte, zwei Klarinetten, Horn, Fagott, Violine Violoncello und Kontrabass ergeben sich bezüglich der Balance zwischen Bläsern und Streichern hochinteressante neue Aspekte, die jedoch auch erahnen lassen, wie es letztendlich zur großorchestralen Lösung kam.

Skurriler „Werksvertrag“ für Spohr

Das Nonett für vier Streicher und fünf Bläser schreibt Spohr im Herbst 1813, als er für zwei Jahre als Kapellmeister am Theater an der Wien wirkt. Anlass für die Komposition ist ein skurriler Vertrag mit dem musikbegeisterten Tuchhändler Johann Tost. Spohr verpflichtet sich in diesem Dokument, Tost alle in Wien komponierten Kammermusikwerke für ein ansehnliches Honorar auf drei Jahre exklusiv zu überlassen. Spohr schreibt in jener Zeit neben dem farbenfrohen Nonett noch fünf Streichquartette, die beiden Streichquintette op. 33 und das Oktett op. 32. Besonders Nonett und Oktett werden vom Wiener Publikum freundlich aufgenommen, sind sie doch im Sinne von Beethovens erfolgreichem Septett op. 20 der Form nach klassisch konzipiert, im Ausdruck jedoch frühromantische Meisterwerke.

Musikalischer Ernst und opulenter Ensembleklang

Das 1995 gegründete Ensemble Obligat Hamburg widmet sich den Stücken mit musikalischem Ernst und zelebriert einen opulenten dunkel gefärbten Gesamtklang. Das betont die sinfonisch-orchestral Elemente mehr als die serenadenhafte Leichtigkeit, wirkt in seiner homogenen Ausgewogenheit aber in origineller Art und Weise überzeugend.

Die hervorragende Aufnahmetechnik bildet das Ganze in transparenter Tiefenstaffelung und Räumlichkeit in all seiner Klangpracht wunderbar ab.

Mit fast 80 Minuten Spielzeit macht diese höchst empfehlenswerte Compact Disc ihrem Namen alle Ehre!

Holger Arnold [20.11.2021]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Johannes Brahms
1Serenade Nr. 1 D-Dur op. 11 00:43:26
Louis Spohr
7Gran Nonett F-Dur op. 31 00:35:24

Interpreten der Einspielung

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