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CD-Besprechung

Ludomir Różycki

Violin Concerto op. 70

cpo 555 421-2

1 CD • 50min • 2001, 2010

08.11.2021

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 8
Klangqualität:
Klangqualität: 9
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 9

Manchmal nimmt die Geschichte merkwürdige Wendungen. So fragt man sich in der Musikgeschichte häufig, warum bestimmte Werke und Komponisten nur wenig bekannt und in Vergessenheit geraten sind. Eine Wiederentdeckung in diesem Sinne ist der polnische Komponist Ludomir Rózycki (1883-1953). Dabei begann seine Karriere durchaus vielversprechend: Geboren als Sohn eines Professors des Warschauer Konservatoriums, ergab es sich fast schon wie von selbst, dass er dort am Klavier und in Komposition ausgebildet wurde. Bereits während seiner Studienzeit feierte er schon große Erfolge mit seinen Kompositionen und wurde für dafür ausgezeichnet.

Dozent, Dirigent und erfolgreicher Komponist

Rózycki erhielt aufgrund seiner Kompositionen eine Einladung an die Königliche Musikakademie in Berlin – von niemand geringerem als Engelbert Humperdinck. Nach dem Abschluss seiner weiteren Studien in Berlin erhielt er den Posten des Kapellmeisters in der Oper und einen Lehrstuhl für Klavier am Konservatorium in Lemberg. Dort machte er sich weiter auch durch seine Kompositionen einen Namen, unter anderem durch mehrere Opern, die in der damaligen Zeit sehr beliebt waren. Und dennoch: Als Rózycki 1953 starb, gerieten er und seine Werke fast vollkommen in Vergessenheit. Das Polish Radio Symphony Orchestra versucht, dies nun zu ändern und hat bei cpo sein Violinkonzert op. 70 sowie Werke für Violine und Klavier eingespielt. Das Violinkonzert entstand am Ende des Zweiten Weltkriegs, ein expressives zweiteiliges Werk, das der Pianist leider unvollendet hinterließ: Nur 90 Takte sind erhalten sowie der Klavierauszug. Erst 2000 unternahm Zygmunt Rychert den (gelungenen) Versuch, die Fragmente aufgrund der Autorenanmerkungen zu ergänzen und für ein Sinfonieorchester zu übertragen.

Wiederentdeckung

Als Solistin ist auf der neuen Aufnahme die junge polnische Geigerin Ewelina Nowicka zu hören, die den Violinpart mit viel Herzblut spielt. Dabei meistert sie auch den virtuosen Part im zweiten Satz gut, wenngleich an manchen Stellen hörbar mit ein wenig Mühe. Ergänzt ist das Violinkonzert auf der Aufnahme um die wenigen Werke des Komponisten für Violine und Klavier. Die Zwei Melodien op. 5 sowie Zwei Nocturnes op. 30 entstanden dabei während Rozyckis Studium in Berlin bei Humperdinck – die Einflüsse sind auch hörbar. Hier wird deutlich, wie sehr er sich auch dem Melodischen verpflichtet fühlte – und das in Zeiten, in denen anderorts das Melodische zunehmend dekonstruiert wurde. Den Abschluss dieser kleinen Wiederentdeckung bilden eigene Transkriptionen von Nowicka. Hierbei handelt es sich um Auszüge aus dem namhaften Ballett Pan Twardowski, das zu Lebzeiten Rózyckis Ruhm festigte. Somit erhält man auf der neuen CD auch einen Einblick in weitere seiner Werke, die ebenfalls nur wenig bekannt sind. Eine gelungene Auswahl und interessante Hörreise in (zu Unrecht) vergessenes Repertoire.

Verena Düren [08.11.2021]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Ludomir Różycki
1Violinkonzert op. 70 00:24:04
3Deux Mélodies op. 5 für Violine und Klavier 00:03:05
5Deux Nocturnes op. 30 für Violine und Klavier 00:08:28
7Transkriptionen aus dem Ballett Pan Twardowski op. 45 00:13:47

Interpreten der Einspielung

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