Anzeige

Teilen auf Facebook RSS-Feed Klassik Heute
Klassik Heute - Ihr Klassik-Portal im Internet

CD • SACD • DVD-Audio • DVD Video

CD-Besprechung

Michael G. Fischer

Piano Quartet op. 6, Sextet (Beethoven Pastoral)

MDG 603 2221-2

1 CD • 68min • 2021

23.10.2021

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 9
Klangqualität:
Klangqualität: 9
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 9

Michael Gotthard Fischer (1773-1829) dürfte heute zumeist nur noch Organisten bekannt sein und dies auch nur, wenn diese für Konzerte nach Stücken im Stil der Wiener Klassik oder der Frühromantik suchen. Dass dieser durch die Ausbildung bei J. C. Kittel ein Enkelschüler J. S. Bachs war und später als Kittels Sukzessor im Amt des Organisten der Erfurter Predigerkirche einer der Nachfolger von Bachs „Großvater-Lehrer“ Johann Pachelbel wurde, bei dem Bachs älterer Bruder Johann Christoph studiert hatte, schließt den Kreis auf wundersame Weise.

Frühromantische Lyrik

Fischers Klavierquartett F-Dur op. 6 aus dem Jahre 1804 ist ein schönes Beispiel dafür, dass die Frühromantik im „Sturm und Drang“ der Bach-Söhne wurzelt. Es ist von lyrisch-heiterem Charakter und wartet mit einigen harmonischen Überraschungen auf, die später in das Standardrepertoire romantischen Komponierens einflossen. Hierfür ist der langsame Mittelsatz das wohl schlagendste Beispiel: Zwar klassisch in fünfteiliger Liedform angelegt, weichen die Seitensätze des in B-Dur stehenden Stücks nach g-Moll und b-moll/Des-Dur aus. Der Hauptsatz wird bei seiner Wiederkehr jedes Mal anders variiert. Der Kopfsatz beginnt mit einer stimmungsvollen Largo-Introduktion, der ein quirliges Sonatenallegro folgt. Das Finale ist ein Sonatenrondo, welches mit dem von der Dominante in die Haupttonart versetzten ersten Couplet endet. Ein durchaus lohnendes Stück, das sich auch im Konzert als Alternative zu Mozart oder Beethoven bewähren dürfte.

Beethoven nackt

Arrangements sinfonischer Werke für Kammerensembles waren – in Ermangelung von Tonträgern – im 19. Jahrhundert übliche Praxis. Dabei dominieren Fassungen für Klavier zu 2 bis 8 Händen und Trio-Bearbeitungen (J. N. Hummel). Fischer richtete Beethovens Pastorale für Streichsextett ein. Ob er dem Werk damit einen Gefallen tat, möge jeder Hörer für sich beurteilen. Jedenfalls wird deutlich, dass Beethoven sich in diesem Werk, wenn seine geschickte Instrumentierung auf einen reinen Streichersatz reduziert wird, als „Meister der Wiederholung“ geriert und doch auf manchen Allerweltsmotiven arg herumreitet. In dieser Form wirkt die Komposition um einiges trivialer – was sicher auch zur ihrer Popularität beitrug – als in der Orchesterfassung. Dass den Organisten Fischer dieses Werk besonders reizte, verwundert indes nicht, da die Improvisation von konzertanten Orgelstücken mit dem Thema „Die durch das Donnerwetter unterbrochene Hirtenwonne“ von Abbé Vogler über J. H. Knecht bis zu den französischen Virtuosen ein gängiges Sujet darstellte.

Kongeniale Interpretationen

Dem Parnassus-Ensemble gelingt im Klavierquartett eine veritable Rettungstat. Das ist wundervolle Musik, die mit Wärme, Engagement und ohne Manierismen perfekt vorgetragen wird. Pianist Johann Blanchard verfügt über das hier geforderte schwärmerische Legato, aber auch über die Intelligenz, sich zurückzunehmen, wenn die Streicher thematisch Wichtigeres zu sagen haben. Die virtuosen Passagen werden elegant und ohne jegliches Auftrumpfen – quasi als Selbstverständlichkeit – in das Gesamtgeschehen integriert. Das Streicherspiel ist ebenfalls höchst differenziert und überzeugt durch seinen sehr runden und dennoch transparenten Zusammenklang. Dies gilt genauso für das Sextett, das mit feinen Farbdifferenzierungen aufwartet, die allerdings im 21. Jahrhundert den Orchesterklang nicht ganz vergessen machen können.

Die Aufnahmetechnik fängt das vom Ensemble angestrebte warm-transparente Klangbild optimal ein. Der Booklet-Text enthält alle wichtigen Informationen. Druckfehler: Beim Tracklisting im Booklet und auf der Rückseite fehlt dem Klavierquartett die Viola, so dass es optisch als Trio erscheint.

Fazit: Die Einspielung lohnt vor allem wegen des meisterhaft komponierten und interpretierten Klavierquartetts. Sie sei darum jedem, der in einer solchen Formation mitwirkt, dringend empfohlen. Die Sextett-Fassung der Pastorale könnte vor allem Beethoven-Verächter zu einem amüsierten Grinsen verleiten.

Thomas Baack [23.10.2021]

Anzeige

Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Michael Gotthard Fischer
1Quartett op. 6 für Violine, Viola, Violoncello und Klavier 00:26:54
4Sextett 1810 für 2 Violinen, 2 Violas, Violoncello und Klavier (Beethoven Pastorale) 00:40:43

Interpreten der Einspielung

Vorherige ⬌ nächste Rezension

00.00.00
»zur Besprechung«

Das könnte Sie auch interessieren

26.01.2020
»zur Besprechung«

Frédéric Chopin, Chamber Music / MDG
Frédéric Chopin, Chamber Music / MDG

10.01.2020
»zur Besprechung«

Bernhard Molique, Chamber Music Vol. 2 / MDG
Bernhard Molique, Chamber Music Vol. 2 / MDG

Anzeige

Klassik Heute - Ihr Klassik-Portal im Internet

Anzeige