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CD-Besprechung

Ignacy Paderewski • Zygmunt Stojowski

Violin Sonatas

cpo 555 324-2

1 CD • 70min • 2020

04.10.2021

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 10
Klangqualität:
Klangqualität: 10
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 10

Klassik Heute
Empfehlung

Das vorliegende Album des Geigers Piotr Plawner und des Pianisten Piotr Sałajczyk eignet sich wunderbar dazu, das lange kursierende, in letzter Zeit aber immer mehr verstummende Gerücht, es habe zwischen Chopin und Szymanowski keine polnischen Komponisten von Rang gegeben, als Gerede schlecht informierter Leute zu entlarven, denn sowohl die 1882 entstandene einzige Violinsonate Ignacy Jan Paderewskis, als auch die beiden Gattungsbeiträge Zygmunt Stojowskis aus den Jahren 1893 und 1911 sind Zeugnisse der reich quellenden Phantasie und starken künstlerischen Gestaltungskraft ihrer Verfasser – mithin Belege des hohen Niveaus polnischer Musik im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert.

Zwei ungleiche Freunde

Der 1860 geborene Paderewski und der rund ein Jahrzehnt jüngere Stojowski waren seit ihrer Jugend miteinander befreundet. Zwar lebten beide bis in die 1940er Jahre hinein, doch schrieben sie die weitaus meisten ihrer Werke in der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg: Stojowski, da ihm, 1905 nach New York übergesiedelt, seine Verpflichtungen als gefragter Kompositionslehrer an der Juilliard School zum Komponieren nur noch wenig Zeit ließen; Paderewski, da er sich zunehmend der Politik widmete – er gehörte zu den maßgeblichen Architekten des 1919 wiedererrichteten polnischen Staates und amtierte als dessen erster Ministerpräsident.

In ihren Violinsonaten zeigen sich die beiden Freunde als Künstler sehr unterschiedlichen Temperaments. Mit dem biographischen Wissen im Hinterkopf, könnte man wohl versucht sein, Paderewskis Sonate als Charakterbild eines leidenschaftlichen Patrioten aufzufassen, die Werke Stojowskis hingegen als Äußerungen eines großen Gelehrten, der in olympischer Gelassenheit aus der Fülle profunden Wissens schafft.

Paderewskis Sonate schlägt gleich zu Beginn einen unmissverständlich slawischen Ton an. Elegische Gesänge und tänzerische Rhythmen beherrschen das Stück, das mit unmittelbar fesselnden Melodien nicht spart. Besondere Begabung zeigt Paderewski für Klangfarben und nutzt die verschiedenen Register der Instrumente so geschickt aus, dass man meint, ein kleinstbesetztes Kammerorchester zu hören. Die folkloristischen Einflüsse und das farbensatte Klangbild lassen die Sonate als ein polnisches Gegenstück zu den Violinsonaten Edvard Griegs erscheinen.

Malt Paderewski durchweg mit breitem Pinselstrich, so ist Stojowski ein ausgesprochener Filigranarbeiter, der sich in der Polyphonie wie ein Fisch im Wasser fühlt und es liebt, mittels kontrapunktierender Gegenstimmen seine Themen neu zu beleuchten. Bei Paderewski wirkt das Wandern eines Themas zwischen den Instrumenten durchaus wie ein Wechsel zwischen Orchestergruppen, Stojowski gestaltet das Miteinander von Violine und Klavier als beständigen Dialog von Stimmen. Da er reichlich Gebrauch von chromatischen Schritten macht, kommt es oft innerhalb kurzer Zeit zu zahlreichen Harmoniewechseln, die er sehr geschmeidig ausführt. Obwohl weniger folkloristisch angehaucht als sein Jugendfreund, gibt es auch in Stojowskis Sonaten Abschnitte, die unmissverständlich auf die polnische Herkunft ihres Schöpfers hinweisen: so den Schlussteil des in Variationsform gehaltenen Finalsatzes der Ersten Sonate und das Intermezzo der Zweiten.

Kompetente Darbietung

Mit Piotr Plawner und Piotr Sałajczyk haben sich dieser drei Werke zwei sehr kompetente Musiker angenommen, die sowohl den pathetisch-folkloristischen Stil Paderewskis, als auch die feinsinnigen Instrumentaldialoge Stojowskis trefflich zur Geltung bringen. Namentlich in letzteren zeigt sich, wie gut Plawner und Sałajczyk miteinander harmonieren: Sie sind beide ausgezeichnete Begleiter, die eine Nebenstimme zur Geltung bringen können, ohne dass die vom Partner gespielte Hauptstimme als solche in Frage gestellt würde. Das gleiche Geschick legen sie bei der Gestaltung der Übergänge zwischen den einzelnen Abschnitten an den Tag. Alles befindet sich in angenehmem Fluss.

Übrigens verzichten die Musiker durchweg auf die Wiederholung der Exposition in den Kopfsätzen. In der Paderewski- und der Zweiten Stojowski-Sonate fällt das kaum ins Gewicht. Die Erste Sonate Stojowskis hätte durch die Ausführung der Wiederholung aber an Übersichtlichkeit gewonnen.

Norbert Florian Schuck [04.10.2021]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Ignaz Jan Paderewski
1Sonate a-Moll op. 13 für Violine und Klavier 00:20:49
Zygmunt Stojowski
4Sonate Nr. 1 G-Dur op. 13 für Violine und Klavier 00:21:43
7Sonate Nr. 2 E-Dur op. 37 für Violine und Klavier 00:27:33

Interpreten der Einspielung

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