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CD-Besprechung

Feininger Trio

Brahms • Zemlinsky
Piano Trios

CAvi-music 855489

1 CD • 48min • 2018

25.08.2021

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 8
Klangqualität:
Klangqualität: 9
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 8

Das Feininger Trio kombiniert das dritte Klaviertrio c-moll op. 101 von Johannes Brahms geschickt mit dem exakt zehn Jahre später entstandenen „brahminischen“ Trio in d-moll op. 3 von Alexander Zemlinsky. Das Trio von Zemlinsky war ursprünglich für die klassische Besetzung (Violine, Cello, Klavier) konzipiert, wurde jedoch für einen Kammermusikwettbewerb des „Wiener Tonkünstlervereins“ (Präsident: Johannes Brahms), der die Verwendung eines Blasinstruments vorschrieb, in einer Adaption für Klarinette anstatt Violine eingereicht und errang den 3. Preis. Brahms war von diesem Pendant zu seinem op. 114, das die zigeunerisch-böhmische Idiomatik seines Quintetts op. 115 aufgreift, sehr angetan und empfahl es seinem Verleger Simrock.

Auf der Suche nach dem finalen Text

Simrock stellte den Notenstich auf der Basis einer relativ schlampigen Kopistenabschrift her. Diese war für den Wettbewerb vorgeschrieben, damit der Komponist – wie bei einer Blindbewerbung – anonym bleiben und somit sich nicht durch seine Handschrift verraten konnte. Sie wies zusätzlich Eintragungen der Musiker der Uraufführung als Notizen auf. Zemlinsky war ein notorisch schlechter Korrekturleser, weshalb Schreibfehler und Ungenauigkeiten Eingang in die Druckfassung fanden. Da das Autograph verschollen ist, sind moderne Herausgeber und Interpreten in diesem Fall auf „educated guesses“ angewiesen. Von der Faktur bietet das dreisätzige Werk eine melodisch höchst attraktive Mischung aus Hyper-Brahms und Dvořák. Hörer, denen das Werk unbekannt ist, werden somit bezüglich der Zuweisung wunderbar in der Schwebe gelassen.

Das Feininger-Trio rückt die Komposition eher in die Richtung des vermeintlich norddeutsch-kühlen Übervaters, betont eher Struktur als Farben und Temperament. Somit eine durchaus vertretbare klassizistische und überzeugende Lesart, wenngleich ein wenig mehr Paprika und Knoblauch nicht geschadet hätten.

Brahms ein wenig zu gemütlich

Das Trio op. 101 ist eines der kürzesten und rhythmisch komplexesten Werke im Schaffen des Komponisten. Dies beginnt gleich mit dem Initium Halbe+Achteltriole+Halbe+Achteltriole des Kopfsatzes. Bis auf das Trio Ex Aequo dehnen alle zum Vergleich herangezogenen Trios die Triole – leider auch die Feiningers –, so dass aus einem ¾-Takt in mäßiger Glockenschlagbewegung Zwischenergebnisse vom punktierten Viertel + 3 Achtel bis zum 4/4 mit Halber+Vierteltriole gespielt werden. Hätte Brahms diese weniger aggressiv-pathetische Lesart gewollt, hätte er die Triolenachtel mit Akzenten oder mindestens mit einer Portato-Artikulation versehen. Genauso halten lediglich Tetzlaff, Tetzlaff, Vogt im Finale die über Bindebögen realisierte Tripelpunktierung im Seitenthema exakt aus. Auch muss jeder gesetzte Bogen im Notentext dahingehend überprüft werden, ob er nur die Länge einer Phrase – der Höhepunkt wäre dann immer noch zu bestimmen – oder eine wirklich dichte Artikulation anzeigen soll. Das ist mir in dieser Aufnahme zu einheitlich entschieden worden. Den Feinigers entgeht zudem, dass häufig ähnliche Phrasen aufeinander aufbauen, um eine Steigerung zu erzielen. Kurzum, es fehlt häufig – so schön und seelenvoll die einzelnen Phrasen auch liebkost werden – am architektonischen Zug. Das ist durchaus wohlklingend, jedoch zu spannungsarm. Brahms hat das Werk 1886 selbst mit Jenö Hubay und David Popper uraufgeführt. Tondokumente sind uns ausschließlich von Hubay überliefert, der eher sparsam vibrierte, jedoch relativ prononcierte Portamenti beim Lagenwechsel einsetzte. Die Feiningers vibrieren durchgehend in einem mittleren Bereich und portamentieren seltener, was den Komponisten wahrscheinlich nicht extrem erfreut hätte.

Das Textheft bietet eine instruktive Gegenüberstellung der Werke. Die Aufnahmetechnik sorgte für ein eher warmes, angenehmes Klangbild.

Fazit: Genussvolles Schwelgen in schönen Klängen macht das Zemlinsky-Trio der Feiningers durchaus attraktiv. Der Brahms geriet ein wenig zu gemütlich, in einzelne wunderschöne Elemente zerfallend. Hier bleiben das Trio Ex Aequo und Tetzlaff, Tetzlaff, Vogt – diese zumal auch wegen ihres feindosierten Vibratos der Streicher und der immer zielgerichteten Phrasierung – im Gesamtkontext die erste Wahl.

Vergleichsaufnahmen: Trio Ex Aequo (Genuin), Christian Tetzlaff, Tanja Tetzlaff, Lars Vogt (Ondine) Jenö Hubay (Biddulph).

Thomas Baack [25.08.2021]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Johannes Brahms
1Klaviertrio Nr. 3 c-Moll op. 101 00:20:34
Alexander Zemlinsky
5Klaviertrio d-Moll op. 3 00:27:10

Interpreten der Einspielung

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