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CD-Besprechung

History of the Russian Piano Trio • 4

Arensky • Taneyev
The Brahms Trio

Naxos 8.574115

1 CD • 69min • 2017

29.06.2021

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 9
Klangqualität:
Klangqualität: 9
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 9

Für die vierte Folge seiner Tour d´Horizon durch die Russische Klaviertrio-Tradition wählte das Brahms Trio Werke vom Anton Arensky und Sergej Taneyev, die hierzulande weniger bekannt sind, dafür aber zu den zentralen Figuren des russischen Musiklebens zwischen 1880 und 1910 gehören. Beide unterrichteten am Moskauer Konservatorium, Arensky vorwiegend Komposition, Taneyev vorwiegend Kontrapunkt und Fuge, aber auch Klavier und Komposition. Beide waren exzellente Pianisten. Taneyev war eng mit seinem Lehrer Tschaikowsky befreundet, spielte die Moskauer Erstaufführung von dessen b-Moll-Konzert sowie die Uraufführung von dessen Klaviertrio und war der Einzige, der seinen Lehrer scharf kritisieren durfte. So fragte er Tschaikowsky, wieso dessen 4. Sinfonie in jedem Satz Musik enthalte, die „nach Ballett klingt“.

Blühende Melodik und kompositorische Eleganz

Das Trio Nr. 1 op. 32 von Anton Arensky schwelgt in blühender, einprägsamer Melodik. Man kann beim ersten Hören durchaus auf die Idee kommen, das Stück wäre das neuentdeckte Werk eines jungen, stark von Schumann beeinflussten Johannes Brahms. Die Außensätze sind auf schwungvolle Virtuosität hin angelegt, das Scherzo prickelt. Der langsame, als „Elegie“ bezeichnete Satz ist ein Epitaph auf den Tod des befreundeten Cellisten Karl Davydov. Die Hauptthemen von Elegie und Kopfsatz werden im Finale weitergesponnen, so dass hier die typisch russische Tradition der zyklischen Anlage von Trios fortgesetzt wird.

Ganz anders das großdimensionierte Trio Sergej Taneyevs, das, thematisch schlichter gehalten, eine enorme kompositorische und auch kontrapunktische Kunstfertigkeit demonstriert. Hier trifft die virtuose Beherrschung der klassischen Kompositionstechnik auf ein lebenslanges Interesse für die nach mathematischen Proportionen gestalteten Mensurkanons der Renaissance. Frappierend auch die Leichtigkeit, mit der Taneyev es versteht, ohne willkürlich wildaufgesetzte Dramatik blitzschnell in die entferntesten Tonarten zu modulieren. Eine besondere Originalität zeigt sich auch in den Satzformen: Die Reprise des Kopfsatzes ist spiegelbildlich angelegt. Das Scherzo, dessen Taktwechsel bereits den Feuervogel Strawinskys ahnen lassen, umhüllt eine Reihe von 11 Variationen über ein volkstümliches Thema als Trio. Als Überleitung zwischen Andante und Finale steht eine Solo-Kadenz der Violine.

Während Arensky bereits beim reinen Hören zu begeistern vermag, sollte man bei Taneyev die Noten mitlesen, damit einem kein Detail entgeht.

Zuviel Ehrfurcht vor Taneyev?

Dem Brahms Trio gelingt in beiden Werken eine intelligente, spieltechnisch makellose Interpretation, der man die sorgfältige Analyse der Werke anhört. Während der Arensky spontan durch seine Leidenschaft und das farbige, dabei immer geschmackvolle Spiel des Ensembles begeistert, war man bei Taneyev vielleicht ein wenig zu zurückhaltend. Da die Themen hier wegen ihres Potentials zur kunstvollen Verarbeitung eher neutral sein mussten, vertrügen sie vielleicht ein wenig mehr „Marketing“ in Form größerer Spannungsbögen.Die Aufnahmetechnik geht bis auf gelegentliche minimale Verzerrungen im Klavierklang in Ordnung. Der englische Booklet-Text ist knapp, bietet jedoch die wichtigsten Informationen.

Fazit: Sehr beeindruckende Aufnahme des Arensky-Trios. Den Taneyev haben Pletnëv, Repin und Harrell überzeugender eingespielt.

Vergleichsaufnahme: Michail Pletnëv, Vadim Repin, Lynn Harrell (DG).

Thomas Baack [29.06.2021]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Anton Arensky
1Trio Nr. 1 d-Moll op. 32 für Klavier, Violine und Violoncello (A la mémoire de Charles Davidoff) 00:28:37
Sergej Tanejew
5Trio D-Dur op. 22 für Violine, Violoncello und Klavier 00:40:13

Interpreten der Einspielung

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