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CD/SACD stereo-Besprechung

Clarinet Quintets

Hindemith • Reger
Vladimir Soltan

MDG 903 2198-6

1 CD/SACD stereo • 57min • 2020

07.01.2021

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 9
Klangqualität:
Klangqualität: 8
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 9

Kann man sich zwei unterschiedlichere Klarinettenquintette vorstellen, als die im Abstand von nur sieben Jahren entstandenen Kompositionen von Max Reger und Paul Hindemith? Reger war mittlerweile milder geworden und zu einem gebändigteren, abgeklärterem Spätstil gekommen – wenn man von einem solchen bei einem mit 43 Jahren Verstorbenen überhaupt reden kann. Er orientierte sich in Tonart und spätsommerlich-inniger Stimmung am Werk Mozarts für dieselbe Besetzung, in demselben milden A-Dur, das auch dem Siciliano-Thema seiner Mozart-Variationen zugrunde liegt. Dies jedoch weniger konzertant, sondern als Quintett fünf gleichberechtigter Partner, zu dem die A-Klarinette ihr wohlig-dunkles Timbre als 1. Alt besteuern sollte. Er plante sogar eine Version mit zweiter Viola als reines Streichquintett.

Bürgerschreck und Kontrapunkt

Das Quintett Hindemiths entstand 1923 in dessen „wildester“ Schaffensphase, der auch die Suite 1922 entstammt, die für den Ragtime mit der Gebrauchsanweisung „Nimm keine Rücksicht darauf, was Du in der Klavierstunde gelernt hast“ aufwartet. Die axialsymmetrische Form des fünfsätzigenWerks für B-Klarinette ist ausgesprochen originell:

Das Zentrum bildet ein schneller Ländler in C, der sich gegen Ende zu einem Prestissimo-Taumel steigert. Um diesen herum finden sich zwei langsame Sätze, ein kontrapunktisch dichtes in D stehendes „Ruhig“, mit kunstvollen Kanons in der großen Septime – dadurch dissonant und freitonal wirkend – und eine bitonal unbestimmte, portamentogesättigte Elegie für die solistisch geführte Violine. Kopfsatz und Schlusssatz sind vom Material identisch, jedoch lässt das Finale den Beginn von hinten nach vorn im Krebsgang ablaufen. Man beachte, dass das zu Beginn erklingende Motto in Form einer verfremdeten Kadenz (d-d-es-as-d-d) symmetrisch um eine Mittelachse konstruiert ist. Ein spannendes, hochinteressantes Werk, dessen Crux darin besteht, dass für den zentralen Ländler, mit angedeuteten Zitaten aus Hindemiths Kurorchesterzeit, eine Sopranino-Klarinette in Es vorgeschrieben ist. Dieses Instrument ist intonatorisch außerordentlich heikel und normalerweise kein Wechselinstrument für die Soloklarinettisten, sondern eher für das 3. und 4. Pult oder Spezialisten. Besonders kompliziert wird es natürlich, wenn ein während der ersten beiden Sätze abgekühltes Instrument im Konzert dann auf einmal „stimmen“ soll.

Klarinette im Vordergrund

Vladimir Soltan ist ein exzellenter Klarinettist, der die enormen technischen Anforderungen im Hindemith-Quintett souverän und – selbst auf der schrillen Es-Klarinette – sehr tonschön meistert. Das Utrecht String Quartet ist hier ein kongenialer Partner, der den vertrackten Streicherfiguren – Hindemith war ein ausgezeichneter Geiger und Bratscher – nichts schuldig bleibt. Hier ist gegen eine relative Dominanz der Klarinette auch nichts einzuwenden. Etwas anders schaut es beim Reger-Quintett aus. Dort gerät die Balance gelegentlich dadurch in Schieflage, da das Piano der Klarinette wesentlich mehr Volumen als dasjenige einer mindestens ebenso wichtigen Streicherstimme entfaltet. Daran kranken jedoch die meisten Interpretationen.

Klangtechnisch ist die Klarinette im Reger-Quintett – zumindest in der Stereo-Abmischung – zu präsent, was im Hindemith jedoch genau richtig ist. Der Booklet-Text von Detmar Huchting bietet alle wesentlichen Informationen in konziser Form.

Fazit: Die Aufnahme lohnt vor allem wegen des selten zu hörenden hochinteressanten Hindemith-Quintetts. Diejenigen, die etwas mit Strawinskijs Geschichte vom Soldaten anfangen können, sollten hier unbedingt zugreifen. Klarinettisten ebenfalls, um zu erfahren, wie elegant die kleine Es-Klarinette klingen kann.

Thomas Baack [07.01.2021]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Max Reger
1Klarinettenquintett A-Dur op. 146 00:36:13
Paul Hindemith
1Quintett op. 30 für Klarinette und Streichquartett (2. Fssg. 1955) 00:20:49

Interpreten der Einspielung

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