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CD-Besprechung

Janitsch

Trio Sonatas

Brilliant Classics 95977

1 CD • 73min • 2019

05.01.2021

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 9
Klangqualität:
Klangqualität: 9
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 9

Um im 18. Jahrhundert in Deutschland Berufsmusiker zu werden, bestanden grundsätzlich zwei Ausbildungswege: 1. Eine meist dreijährige Lehre als Stadtpfeifer zum Multi-Instrumentalisten oder bei einem Organisten mit stärkerem Akzent auf Komposition und Improvisation. 2. Der Besuch einer Lateinschule mit guter Musikausbildung durch einen renommierten Kantor und nachfolgendes Studium von Juristerei oder Theologie nebst ausgiebiger Betätigung in studentischen Collegia musica zum musikalischen Netzwerken. Einzig letzterer ermöglichte den Aufstieg in höhere Positionen – die Kantoren hatten nebenher Unterricht in Latein und Rhetorik zu erteilen, wovor Telemann und Bach sich erfolgreich drückten – und war die Methode der Wahl für Mitglieder des Bürgerstandes. So kam es, dass Händel, Telemann, Christoph Graupner sowie die Bach-Söhne Wilhelm Friedemann und Carl Philipp Emanuel sowie eben auch Johann Gottlieb Janitsch sich zunächst für Jura an einer Universität einschrieben. Während der Studienzeit in Frankfurt/Oder leitete Janitsch das Collegium musicum der Universität. Sein direkter Nachfolger war C.P.E. Bach. Später wurden sie zu Kollegen in der Hofkapelle Friedrichs II., in der Janitsch als Kontrabassist fungierte.

Freitags-Akademien

Da der Zugang zu den Aufführungen der preußischen Hofkapelle nur wenigen Auserwählten gestattet war, begründete Janitsch in seinem Privathaus die „Freitags-Akademien“, auf denen Kompositionen der Hofmusiker einem weiteren Kreis von Interessierten zugänglich gemacht wurden. Für diese Akademien entstanden Quartette für drei Soloinstrumente und Basso Continuo und die bisher kaum auf Tonträger erhältlichen Trios. Diese orientieren sich an der Form der „Berliner Kammersonate“, die in dieser Form auch von Johann Joachim Quantz gepflegt wurde. Sie wird auch als „Stretta-Sonate“ bezeichnet, da sie die Standard-Satzfolge der Kammersonate (Schnell-Langsam-Schnell) zu „Langsam-Mäßig schnell-Sehr schnell“ modifiziert. Im Gegensatz zur klassischen italienischen Triosonate, in der der Bass ungefähr denselben Anteil am musikalischen Geschehen hat, setzt Janitsch zwei häufig dialogisierende, bewegte Oberstimmen über einen rein begleitenden Bass-Teppich. Dies könnte auf den Einfluss von Kammerkantaten für zwei Singstimmen, wie sie häufig von den italienischen Virtuosen der Hofoper musiziert wurden, zurückzuführen sein. Zudem begünstigte diese Setzweise Wettstreit der Solisten im Bereich extemporierter Ornamentik, der in Berlin um 1750 durchaus exzessiv geraten konnte.

Klangschön und stilsicher

Die sechs Musiker der Berlin Friday Academy Joseph Monticello (Traverso), Tim Willis (Violine), Leo Strecker (Viola), Adam Masters: (Oboe), Alexander Nicholls (Cello), Daniel Trumbull (Cembalo) musizieren die fünf Triosonaten außerordentlich klangschön und intonationsrein. Sie artikulieren und phrasieren dem jeweiligen Affekt angemessen höchst stilsicher. Sehr schön auch die improvisierten Kadenzen am Ende der langsamen Sätze. Da die Werke auf ein Konzertieren der beiden Oberstimmen angelegt sind, hätte insgesamt etwas überbordender verziert werden dürfen. Wie weit man dabei zu gehen pflegte, zeigen die „Sonaten mit veränderten Reprisen“ von C.P.E. Bach.

Der exzellente Booklet-Text von David Schulenberg, einem der besten Kenner der Materie überhaupt, verdiente ein extra Lob, läge er denn auch auf Deutsch vor und enthielte er Details zu Instrumenten und Stimmton. Aufnahmetechnisch wurde sehr sorgfältig gearbeitet, so dass ein farbiges transparentes Klangbild entstehen konnte.

Fazit: Ersteinspielung interessanter Trio-Sonaten der Berliner-Schule. Wer die Musik der Bach-Söhne schätzt, kommt voll auf seine Kosten.

Thomas Baack [05.01.2021]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Johann Gottlieb Janitsch
1Sonata da Camera in F 00:13:50
4Sonata à 3 e-Moll 00:16:20
7Trio Sonata in D 00:13:20
10Sonata da Camera g-Moll 00:14:23
13Sonata da Camera B-Dur 00:14:08

Interpreten der Einspielung

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