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CD-Besprechung

Beethoven / Liszt

Symphonie No. 9

la dolce volta LDV 82

1 CD • 68min • 2020

06.01.2021

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 10
Klangqualität:
Klangqualität: 10
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 10

Klassik Heute
Empfehlung

Mit sehr anschaulichen Worten beschreibt der Schweizer Pianist Cédric Pescia die Arbeit mit Philippe Cassard an der gemeinsamen Aufnahme, die bei dem audiophilen Label La Dolce Volta erschienen ist: „Dann trafen wir uns unzählige Male. […] Danach waren wir wie ausgelaugt, hatten Arme aus Wackelpudding und den Rücken im selben Zustand.“ Für dieses Projekt haben sich die beiden Pianisten ein prachtvolles Werk ausgesucht, das im Normalfall zum Jahresende omnipräsent gewesen wäre: Beethovens Sinfonie Nr. 9. Die wohl bekannteste Sinfonie des Jubilars von 2020 – zumindest hinsichtlich des Finales – erklingt hier aber in einer ganz zauberhaften und viel zu selten zu hörenden Fassung, nämlich der für zwei Klaviere aus der Feder von niemand geringerem als Franz Liszt. Die Idee hierzu entstand – völlig unabhängig von Corona-Auflagen – bereits 2018, als die beiden Pianisten sich damit auseinandersetzten, wie man den Geburtstag des Komponisten als Pianist feiern und würdigen könne, ohne seine Klaviersonaten einzuspielen. Franz Liszt bearbeitete alle Sinfonien für sich selbst für Klavier zwischen 1837 und 1860. Bei der klanggewaltigen Neunten Sinfonie, die im Original Gesangssolisten und Chor beinhaltet, war jedoch auch dem virtuosen Pianisten und Komponisten klar, dass diese nur auf zwei Klavieren adäquat umzusetzen sei. Pescias anfangs zitierte Aussage zu den gemeinsamen Proben lässt erahnen, mit welch großem Kraftaufwand auch diese Interpretation verbunden ist.

Beethoven-Monument en miniature

So wundert es auch nicht, dass die Liszt’sche Fassung so gut wie nie im Konzert zu hören ist, was diese Aufnahme umso mehr zu einem raren Ohrenschmaus macht. Gerade den Beethoven-Fans, denen seine letzte Sinfonie tendenziell eher zu laut, zu gewaltig ist, kann man die Einspielung von Pescia und Cassard empfehlen. Den beiden Pianisten ist es hier dank der respektvollen Bearbeitung von Franz Liszt gelungen, das Werk wesentlich transparenter erklingen zu lassen, zugleich aber ohne etwas vermissen zu müssen. Faszinierend ist zudem die klangliche Vermischung der beiden Instrumente, was durch die Abnahme der Deckel bei den Aufnahmen im Teldex Studio zusätzlich befördert wurde. So konnten sich die Klänge auf eine Art verbinden, die in der Regel bei einem Live-Konzert nicht möglich ist. Pescia und Cassard zeigen sich als gleich starke Partner an ihrem Instrument und auf das Beste aufeinander eingestimmt. Die große Freude an diesem ungewöhnlichen Projekt ist ihnen anzuhören: So scheinen sie sich gerade im Finalsatz regelrecht die Seele aus dem Leib zu spielen, die beiden Klaviere geben hier alles an Klang, was machbar ist. Wer braucht da noch Gesangssolisten oder gar einen Chor, wenn auch die Fassung für zwei Klaviere nichts zu wünschen übrig lässt? Das Tüpfelchen auf dem „i‟ dieser Einspielung ist das umfangreiche Booklet, das nicht etwa aus einer reinen Werkbeschreibung und Kurzbiographien der Interpreten besteht, sondern primär aus einem Interview mit den beiden Pianisten. So erfährt man vor allem ihre Sicht auf dieses besondere Werk und die Arbeit daran – bis hin zum Wackelpudding in den Armen.

Verena Düren [06.01.2021]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Franz Liszt
1Sinfonie Nr. 9 d-Moll op. 125 für 2 Klaviere (Beethoven) 01:07:49

Interpreten der Einspielung

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