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CD-Besprechung

Johann Matthias Sperger

Double Bass Concertos 2 & 15, Sinfonia No. 30

cpo 555 101-2

1 CD • 69min • 2017

11.06.2020

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 10
Klangqualität:
Klangqualität: 8
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 10

Denkt man an virtuose Werke für das unhandlichste aller Orchesterinstrumente, den Kontrabass, fallen einem vielleicht gerade noch die Namen Domenico Dragonetti und Giovanni Bottesini ein. Wer aber war Johann Matthias Sperger, der von 1750 bis 1812 lebte? Nun, schlichtweg der Vater des virtuosen Kontrabassspiels. Möglicherweise entstanden die Konzerte von Dittersdorf, Vanhal und Haydn (verschollen) für ihn, zumindest besaß er Abschriften dieser Stücke. Jedoch war er selbst ein überdurchschnittlich befähigter Tonsetzer, dessen Kompositionen den Werken aus Haydns mittlerer Schaffensperiode qualitätsmäßig keinesfalls nachstehen. So verwundert es auch nicht, dass Sperger neben 44 Sinfonien 18 Konzerte und vielerlei Kammermusik für sein Paradeinstrument schrieb.

Von der Schwierigkeit einer heutigen Aufführung

Dass diese Konzerte in Vergessenheit gerieten und erst seit ungefähr 20 Jahren größere Beachtung finden, liegt einerseits daran, dass Sperger ab 1789 Erster Kontrabassist und Kammermusiker der Hofkapelle des Herzogs von Mecklenburg-Schwerin im weitab von den Musikzentren gelegenen Ludwigslust war. Andererseits schrieb er – wie auch Mozart in seiner Konzertarie Per questa bella mano KV 612 – für den fünfsaitigen Wiener Kontrabass, dessen Saiten in gambenartiger Terz-Quart-Stimmung auf F, A, d, fis, a gestimmt waren. Dadurch werden Doppelgriffe und Flageolett-Töne möglich, die auf dem modernen Bass in Quartstimmung (E, A, d, g) extrem unbequem liegen, bzw. unausführbar sind. Deshalb drucken die Neuausgaben die Solostimme grundsätzlich im Original und mit einer Einrichtung für die heute üblichen Instrumente.

Wer jetzt auf sattes Bass-Grummeln setzt, wird womöglich enttäuscht. Sperger führt die Solostimme in einer eher bratschenmäßigen Lage und setzt in den langsamen Sätzen auf ausschwingende Kantilenen. In den schnellen Sätzen staunt man über virtuose Figurationen, die diejenigen vieler Violinkonzerte durchaus übertreffen. Die auf Abwechslung angelegten Episoden wirken jedoch niemals willkürlich, da sie durch formale Übersicht zusammengehalten werden, jedoch gelegentlich die Hörerwartung à la Haydn täuschen. Wer erwartet schon in einer divertimentoartig beginnenden G-Dur-Sinfonie einen Seitensatz in einem stürmischen Moll?

Roman Patkoló bleibt den teilweise halsbrecherischen Anforderungen der beiden Konzerte nichts schuldig. Er spielt mit präzisester Intonation, einem fein ziselierten, flexiblen Ton, artikuliert höchst locker und variabel und besitzt die Fähigkeit, Kantilenen (Adagio im Konzert Nr. 15!) die nötige Innenspannung und Rondo-Themen das benötigte humorvolle Timing zu geben. Damit lehrt er uns, dass diese Konzerte keine Kuriositäten sind, sondern vollgültige Kompositionen auf Augenhöhe etwa zu Haydns Cellokonzerten. Das Kurpfälzische Kammerorchester unter Johannes Schlaefli spricht die Musiksprache des späten 18. Jahrhunderts flüssig und akzentfrei. Vibrato als Ornament, delikate Bläsersoli, feine Artikulation, äußerste Transparenz; so muss es sein!

Leider wirkt die Aufnahme klangtechnisch etwas unterkühlt und zu direkt. Hier hätte etwas mehr Raumklang nicht geschadet. Mit der Verpflichtung von Klaus Trumpf, dem Wiederentdecker der Spergerschen Kompositionen, für den Booklet-Text macht man einen satten Stich.

Fazit: Eine hinreißend musizierte Aufnahme dreier Werke von hohem künstlerischen Wert. Wer Mozart oder Haydn mag, sollte sie sich nicht entgehen lassen. Ebensowenig derjenige, der den Kontrabass bisher nur als Cello-Verstärker im Orchester wahrgenommen hat. Klare Empfehlung!

Thomas Baack [11.06.2020]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Johann Matthias Sperger
1Konzert Nr. 2 für Kontrabass und Orchester 00:22:19
4Sinfonia Nr. 30 G-Dur 00:23:46
8Konzert Nr. 15 00:23:11

Interpreten der Einspielung

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