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CD-Besprechung

Jakov Gotovac

Ero s onoga svijeta (Ero the Joker)

cpo 555 080-2

2 CD • 1h 52min • 2019

18.03.2020

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 9
Klangqualität:
Klangqualität: 8
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 9

In älteren deutschen Opernführern ist die Volksoper Ero der Schelm von Jakov Gotovac (1895-1982) noch anzutreffen. In den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts entstanden und 1935 im Zagreber Nationaltheater uraufgeführt, erlebte sie dort seither über 700 Aufführungen, in immer wieder neuen Inszenierungen, die sich jedoch einander sehr ähneln und besonderen Wert auf die Verwendung der historischen Volkstrachten legen. Die jüngste Produktion war unlängst auf „Opera Vision“ einige Monate im Internet zu bewundern. Auch in Deutschland erfreute sich Ero nach der Premiere in Karlsruhe (1938) und einer Inszenierung am Münchner Nationaltheater (1942, mit Julius Patzak und Trude Eipperle) lange Zeit - auch nach dem Kriege noch - großer Beliebtheit. Hier sah man das Stück als ein kroatisches Pendant zu Bedřich Smetanas 70 Jahre vorher entstandener Oper Die verkaufte Braut. Es handelt sich in beiden Fällen um ein heiteres Sujet aus dem bäuerlichen Leben: Ein junger Mann führt mit List und Tücke ein ganzes Dorf an der Nase herum und bekommt am Ende die Frau, die er liebt. Bei Gotovac gibt sich Mića, Sohn eines reichen Gutsbesitzers, als der vom Himmel gefallene Ero aus, grüßt alle von ihren verstorbenen Angehörigen und entführt die unter ihrer bösen Stiefmutter leidende Đula mit dem gestohlenen Roß ihres Vaters.

Eindrucksvolle Klangfarben

Gotovac, in Wien ein Schüler des konservativen, in der spätromantischen Tradition des 19. Jahrhunderts verwurzelten Joseph Marx, setzt in Ero ganz auf die Kraft der einheimischen Folklore, ihre zündenden Rhythmen und ihre sanft-melancholischen Melodien. Die Moderne seiner Zeit bleibt außen vor, allenfalls in den Orchesterüberleitungen und im häufig expressiven Gebrauch des Schlagwerks wird erkennbar, dass die Oper nicht zur Zeit Smetanas komponiert worden ist. Doch ungeachtet des retrospektiven Stils, der dem Sujet angemessen ist, überzeugt die Partitur durch die phantasievolle Instrumentierung, die sowohl für das Rattern der Mühle im 2. wie dem wilden Jahrmarktstreiben im 3. Akt eindrucksvolle Klangfarben findet. Anders als bei Smetana gibt es in dieser Oper keine Ouvertüre und keine volkstümlichen Tanzeinlagen. Erst im Kolo, der das Happy End feiert, kommt der Tanz als solcher zu seinem Recht, doch tänzerische Rhythmen bestimmen von Anfang an vor allem die chorischen Gesänge.

Musikantischer Überschwang

Ob die Oper heute außerhalb Kroatiens auf der Bühne noch echte Chancen hätte, sei dahingestellt. Die konzertante Aufführung im Münchner Prinzregententheater war jedoch ein uneingeschränkter Erfolg, und der deutsche Hörer kann für diese CD-Veröffentlichung dankbar sein. Für Ivan Repušić, den kroatischen Chefdirigenten des Münchner Rundfunkorchesters, ist Ero offenbar eine Herzensangelegenheit, der er sich mit Liebe und Leidenschaft hingibt; er lässt das Orchester gewaltig aufdrehen und die Musiker folgen seinem Überschwang mit Laune und Klangpracht. Die durchweg kroatischen Solisten (und der Chor) sorgen für eine authentische Interpretation. Sie alle sind mit anderem Repertoire schon lange auf internationalen Bühnen tätig und zeigen ausgereifte, aber noch unverbrauchte Stimmen, voran der Tenor Tomislav Mužek und die Sopranistin Valentina Fijačko Kobić als Liebespaar. Aber auch die Bassgewalt von Ivica Čikeš als rauhbeiniger Bauer Marko und der virile Baritonglanz von Ljubomir Puškarić als Müller hinterlassen einen starken Eindruck. Und die Mezzosopranistin Jelena Kordić macht das Beste aus der undankbaren Partie der keifenden Stiefmutter.

Ekkehard Pluta [18.03.2020]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Jakov Gotovac
1Ero s onogoa svijeta (Komische Oper in drei Akten) 01:52:00

Interpreten der Einspielung

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