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CD/SACD stereo-Besprechung

W.A. Mozart

Divertimenti KV 439b (Vol. 2)

MDG 903 2144-6

1 CD/SACD stereo • 61min • 2019

26.03.2020

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 9
Klangqualität:
Klangqualität: 10
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 9

Eine außergewöhnliche CD: Zuerst meint man, Mozart in dieser Besetzung bräuchte es nicht – dann ist man begeistert. Wieder ist dem Label MDG eine Großtat gelungen.

Musik für Rohrblattinstrumente

Natürlich gab es im Bereich der beliebten Bläserkammermusik schon immer Oktette und Quintette, aber es gibt seit der Zeit zwischen den Weltkriegen das Trio d’anches, das bedeutet etwa „Rohrblatt-Trio“, weil die beteiligten Instrumente, nämlich Klarinette, Oboe und Fagott, alle mit einem Mundstück aus Schilfrohr angeblasen werden. Und weil alle drei Instrumente sich klanglich der menschlichen Stimme annähern, ist diese Besetzung, vor allem in Frankreich, sehr beliebt gewesen. Diese Tradition hat das Trio Roseau aufgenommen und die Musik von Mozart dafür eingerichtet, die vorliegende CD ist schon die zweite dieser Art.

Perfekte Geschlossenheit

Mozarts Divertimenti KV 439b, 25 an der Zahl, sind ursprünglich für ein Trio aus Bassetthörnern komponiert worden, für deren „dunkel-melancholisches Timbre“ (so Andreas M. Tarkmann im kundigen Booklet) Mozart eine große Vorliebe hatte. Ulf-Guido Schäfer, der Klarinettist des Trio Roseau, hat diese Divertimenti für ihre Besetzung arrangiert, und dies durchweg mit Erfolg. So reizend der Originalklang der drei Bassetthörner auch ist: Das Trio Roseau schafft es, den doch ähnlichen Klang der Rohrblattinstrumente aufzufächern, zu differenzieren und zu detaillieren – und doch klanglich kompakt zu bleiben. Die perfekte Geschlossenheit des Zusammenklangs, der Agogik und der Gestaltung beschwingt beim Hören, ja lässt innerlich Flügel fliegen. Den Musikern gelingt das Kunststück, auch in dieser Minimalbesetzung den so fragilen wie phantasiereich-lebendigen Serenadencharakter der Mozart’schen Musik erklingen zu lassen und die Komplexität in der scheinbaren Einfachheit zu zeigen. Dazu gehört das sichere Einfühlen in die Rhythmik, welche die Musik zum Schwingen und zum natürlichen Pulsieren bringt. Innig singt so das Adagio aus dem Divertimento Nr. 3, auch die Menuette atmen Heiterkeit sowie heimliche Melancholie in den Moll-Teilen, humorvoll ausgekostet wird der zögernde Beginn des Schluss-Rondos, wenn das Fagott anfängt und dann zu fragen scheint: Bin ich schon dran? Geht’s jetzt wirklich los? Und irgendwann vergisst man, dass hier nur drei Instrumente spielen, so tiefschichtig, so einfallsreich und so vielfältig ist die gespielte Musik.

„Schwesterliche Terzen“

Vorsichtig nähert man sich dem minimierten Arrangement der Oper Cosi fan tutte – und siehe da, es funktioniert auch hier: Sowohl die dramaturgische Quirligkeit als auch die tiefschürfende Psychologie der Figuren sind hörbar. Da bewährt sich die Ähnlichkeit der Blasinstrumente mit der menschlichen Stimme, die ja auch mit Luft arbeitet: Die Duette mit Klarinette und Oboe demonstrieren die Parallelität und doch in ihrer Parallelität verschieden gearteten Charaktere und Gefühle der Schwestern Fiordiligi und Dirabella in den „schwesterlichen Terzen“, wie Walter Dirks einmal so schön formuliert hat und wie es Joachim Kaiser wieder aufgreift in seinem Buch „Who‘s who in Mozarts Meisteropern“.

Ausgerechnet die berühmte Tenor-Arie Un‘ aurora amorosa lässt stark die Sehnsucht nach der ursprünglichen Singstimme aufkommen, da hätten die Musiker noch ausdrucksstärker und ausführlich-kantabler agieren können.

Ausgezeichnet ist der Klang eingefangen: Natürlichkeit und Tiefenstaffelung triumphieren und produzieren ein vollkommen natürliches schlackenloses Klangbild.

Rainer W. Janka [26.03.2020]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Wolfgang Amadeus Mozart
1Così fan tutte KV 588 00:28:19
12Divertimento KV 439b Nr. 4 00:13:00
17Divertimento B-Dur KV 439b Nr. 3 00:20:01

Interpreten der Einspielung

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