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CD-Besprechung

Didone abbandonata

Cantatas & Arias

cpo 555 243-2

1 CD • 59min • 2018

24.02.2020

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 10
Klangqualität:
Klangqualität: 10
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 10

Klassik Heute
Empfehlung

Die vom trojanischen Feldherrn Aeneas gleichsam auf der Durchreise eroberte und dann dringender Geschäfte wegen verlassene karthagische Königin Dido, von der Vergil im 4. Gesang seiner „Aeneis“ berichtet, hat von Francesco Cavalli (1639) bis Hector Berlioz (1863) Generationen von Musikern inspiriert. Im Opernrepertoire gehalten hat sich vor allem die britische Variante, Dido and Aeneas von Henry Purcell (1689), besonders das Lamento „When I am laid in earth“, das auch in Recitals der Mezzosopranistinnen einen festen Platz hat. Das Album, das die koreanische Sopranistin Sunhae Im mit dem Instrumentalensemble Teatro del Mondo unter Andreas Küppers jetzt bei cpo vorlegt, zeigt eindrucksvoll, dass diese große Liebende weit mehr drauf hatte als nur zu lamentieren. Eine reiche Palette an Emotionen wird in den Kompositionen teilweise vergessener Meister der Barockoper vorgeführt.

Heldin für viele Komponisten

Zu Beginn des Settecento erlebte der Stoff auf der italienischen Opernbühne einen regelrechten Boom. Auslöser und Grundlage war das Libretto Didone abbandonata von Pietro Metastasio, das von mehreren Komponisten in relativ kurzer Abfolge vertont wurde. Den Anfang machte Domenico Sarro mit seiner für Neapel geschriebenen Fassung (1724), in der er die Gefühlsextreme ausreizt, vom Meeresstürme heraufbeschwörenden Furioso („Già si la tempesta“) bis zum ersterbenden Abschiedsgesang („Vado, ma dove“). Hoffnungsvolle, tröstende Töne schlägt dagegen Leonardo Vinci in seiner römischen Fassung von 1726 an („Prende ardire“), die es auch an Koloraturen nicht fehlen lässt und Georg Friedrich Händel zur Bearbeitung (und zu Aneignungen!) veranlasst hat. Der Venezianer Girolamo Venier wiederum stellt die stolze Herrscherin in den Focus („Son regina“), die kämpferisch das Heiratsangebot eines ungeliebten Gegners abweist. Das musikalisch vielschichtigste und emotional tiefste Beispiel ist die für eine Aufführung in Schloß Hubertusburg 1742 nachkomponierte Arie von Johann Adolph Hasse, in der sich Dido an ihren ersten verstorbenen Gatten erinnert, dem sie Treue auch nach dem Tode gelobt hatte. Vier Kantaten von Giovanni Alberto Ristori, Michelangelo Faggioli, Niccolò Jommelli und Nicola Antonio Porpora, in denen dramatische Rezitative mit Arien wechseln, zeigen zusätzliche Facetten von Didos Charakter und ihren seelischen Zuständen, wobei bei Jommelli durch einen Erzähler Distanz zur Protagonistin geschaffen wird. Versöhnlich endet das Recital mit dem 2., vom Schicksal Didos inspirierten Satz (Largo andante) aus Giuseppe Tartinis Violinkonzert A-Dur.

Ein Glücksfall

Die Wiedergabe durch die Sängerin und ihre Kombattanten ist begeisternd und beglückend. Wer sich fragt, warum sich ein Instrumentalensemble „Teatro del mondo“ nennt, bekommt hier die Antwort. Das ist in der Tat großes Welttheater, was da zum Klingen gebracht wird und gleichsam vor den Augen des Hörers entsteht. Andreas Küppers entfesselt mit seinen vierzehn Musikern ein dramatisches Feuerwerk und leuchtet zugleich mit subtilen Klangmitteln in die Psyche der verlassenen Frau hinein. Und Sunhae Im, durch ihre zahlreichen Aufnahmen (vor allem unter René Jacobs) als eine berufene Interpretin von Barock-Opern ausgewiesen, zeigt sich in den verschiedenen Dido-Rollen nicht nur als begnadete cantatrice (Sängerin), sondern darüberhinaus als berückende incantatrice (Zauberin), die nicht nur über eine lyrische Ausnahmestimme von seltener Schönheit verfügt, sondern zugleich über die starken Seelentöne, die man auf der heutigen Opernszene selbst bei namhaften Sängerinnen so oft vermisst. Ein Glücksfall einer Vergegenwärtigung alter, großenteils unbekannter Musik.

Ekkehard Pluta [24.02.2020]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Johann Adolf Hasse
1Ombra sacra (Arie - aus: Didone abbandonata) 00:09:07
Domenico Natale Sarro
2Già si la tempesta (Arie - aus: Didone abbandonata) 00:02:29
Giovanni Alberto Ristori
3Quante volte (Arie - aus: Didone, Componimento drammatico) 00:06:08
Michelangelo Faggioli
4Didone (Kantate) 00:08:19
Leonardo Vinci
5Prende ardire (Arie - aus: Didone abbandonata) 00:03:09
Niccolò Jommelli
6Didone abbandonata (Kantate) 00:09:51
Girolamo Venier
7Son Regina (Arie) 00:04:06
Nicola Antonio Porpora
8Abbandonata e sola (Kantate) 00:09:59
Domenico Natale Sarro
9Vado, ma dove (Arie - aus: Didone abbandonata) 00:02:24
Giuseppe Tartini
10Violinkonzert A major D 96 00:03:30

Interpreten der Einspielung

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