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CD-Besprechung

»Passion«

Atilla Aldemir • Itamar Golan

GWK Records GWK 145

2 CD • 1h 41min • 2015, 2018

10.12.2019

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 10
Klangqualität:
Klangqualität: 9
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 10

Der Bratschist Atilla Aldemir hat seine neueste Platte, die bei gwk erschienen ist, "Passion" genannt und in der Tat hätte der Titel kaum besser gewählt sein können. Die Leidenschaft Aldemirs für sein Instrument und die von ihm gewählten Werke wird auf dieser Doppel-CD in jeder Minute deutlich. Und in der Tat braucht man für das Leben als Bratschist eine tiefe Überzeugung und ein dickes Fell – immer noch ist das Mittelinstrument zwischen Violine und Violoncello verrufen in der Musikwelt und im Orchestergraben. Völlig zu Unrecht! Doch auch Aldemir hat seine Karriere – wie so viele – zunächst auf der Violine begonnen und war damit ausgesprochen erfolgreich: Seine Studien in Istanbul, Detmold und Essen wurden gekrönt von zahlreichen Auszeichnungen bei nationalen und internationalen Violin-Wettbewerben, unter anderem erhielt er 2006 einen Sonderpreis beim 25. Internationalen Rodolfo Lipizer Preis für seine „Leidenschaft für die Musik“ und sein „starkes künstlerisches Talent.“

Parallel zu seinen Geigenstudien begann seine Beschäftigung mit der Bratsche, die er seit 2017 auch als Solobratschist im MDR-Sinfonieorchester in Leipzig spielt. Hört man seine neue Aufnahme, so ist man versucht, zu sagen, dass diesem Instrument sein Herz gehört – so entschied er sich auch, eine Einspielung der Sonate f-Moll op. 120, 1 von Johannes Brahms und César Francks Violinsonate A-Dur auf der Viola vorzunehmen: „Die Bratsche ist wie geschaffen dafür, all meine Gefühle auszudrücken, und mich fasziniert ihr feines hohes genauso wie ihr dunkel-leidenschaftliches tiefes Register“, so schreibt er in seiner Werkeinführung im Booklet. Während es sich bei diesen um Bearbeitungen – wenn auch sehr verbreitete – für die Bratsche handelt, ergänzt Aldemir diese um eine der tiefgreifendsten Original-Sonaten für Viola und Klavier, das letzte vollendete Werk von Dmitri Schostakowitsch, seine Violasonate op. 147. Für die drei Sonaten des späten 19. Jahrhunderts und frühen 20. Jahrhunderts hat Aldemir sich das passende Instrument ausgewählt, eine Pellegrino Zanetti von 1560. Bereits von den ersten Takten der Brahms-Sonate an gelingt es Aldemir, den Hörer mit seinem leidenschaftlichen Spiel, aber auch mit dem warmen Timbre dieses Instruments in seinen Bann zu ziehen. Der volle und warme Klang leidet auch nicht in den eher virtuosen Sätzen wie beispielsweise dem Allegro der Franck-Sonate oder dem Allegretto von Schostakowitschs Werk. Gerade wenn man Francks Original-Version mit Violine im Ohr hat, so wird deutlich, wie sehr das Werk durch die Verwendung der Bratsche klanglich und an Intensität gewinnt. Durchgehend schlicht brillant gespielt ist Schostakowitschs Werk, das er noch auf dem Sterbebett vollendete.

Für die Duo-Werke der Aufnahme hat sich Aldemir als musikalischen Partner den Pianisten Itamar Golan ausgesucht. Die beiden Musiker kennen sich seit einem Treffen in Israel und dass die Chemie zwischen ihnen stimmt, ist unschwer zu erkennen. Golan gelingt der Balanceakt, Aldemir musikalisch auf Händen zu tragen, ohne selbst an Strahlkraft und Brillanz zu verlieren oder gar zu verschwinden. Ergänzt werden die drei beeindruckenden Duo-Werke um drei Solo-Werke, von denen das Capriccio von Necil Kazim Akses und das dem Musiker gewidmete Troja von Halit Turgay Ersteinspielungen sind. Hier bekennt sich Aldemir zur Extreme und greift zu einer ganz neuen Viola, einem Instrument von Alexandre Breton von 2017, seinem „Rennwagen“. Ist der Klang des jüngeren Instruments zwar schärfer als der der Zanetti, so passt dies hervorragend zu den neueren Klängen. Sein im wahrsten Sinne des Wortes leidenschaftliches Doppel-Album beschließt Atilla Aldemir mit einer Liebeserklärung an das Werk, das ihn zur Bratsche gebracht hat, das innig und hochvirtuos gespielte Capriccio Hommage à Paganini von Henri Vieuxtemps, über das der Solist sagt: „Die seltene Vermählung von Virtuosität, die singt, mit wehmütigen Schmerz und dem Ausdruck seelischer Größe machen es einzigartig und heben es weit über das seichte Genre des Salon-Showstücks hinaus.“ Ein tolles Finale und ein ausgesprochen intensives.

Verena Düren [10.12.2019]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Johannes Brahms
1Klarinettensonate f-Moll op. 120 Nr. 1 00:23:45
César Franck
5Sonate A-Dur für Viola und Klavier 00:27:57
CD/SACD 2
Dimitri Schostakowitsch
1Sonate C-Dur op. 147 für Viola und Klavier 00:34:37
Necil Kazim Akses
4Capriccio für Viola solo 00:06:00
Halit Turgay
5Troja für Viola solo (Atilla Aldemir gewidmet) 00:05:09
Henri Vieuxtemps
6Capriccio pour Alto seul c-Moll op. 55 (Hommage à Paganini) 00:03:03

Interpreten der Einspielung

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