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CD-Besprechung

Trio Karénine

Chostakovitch | Dvořák | Weinberg

Mirare 3760127224730

1 CD • 69min • 2019

28.11.2019

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 10
Klangqualität:
Klangqualität: 10
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 10

Klassik Heute
Empfehlung

Das in Frankreich beheimatete Trio Karénine wurde in Deutschland vor allem durch einen zweiten Preis beim ARD-Musikwettbewerb 2013 – ein erster wurde damals nicht vergeben – bekannt und hat bereits mehrere hochrangige CDs veröffentlicht. Die ganz aktuelle Scheibe kombiniert Dvoráks Dumky-Trio mit dem selten gespielten 1. Klaviertrio von Schostakowitsch und dem einzigen Gattungsbeitrag seines Freundes Mieczyslaw Weinberg. Das Ergebnis kann man nicht anders als fulminant bezeichnen.

Schostakowitschs erstes Klaviertrio entstand schon 1923-25, wurde aber erst posthum von dessen Schüler Boris Tischtschenko teilweise rekonstruiert und veröffentlicht. Natürlich ist das nicht der einzige Grund, warum es im Gegensatz zum 2. Klaviertrio recht unbekannt geblieben ist. Zum einen ist es mit einem einzigen durchgehenden Satz von knapp 13 Minuten deutlich knapper gehalten, aber hat auch bei weitem nicht den Tiefgang des Nachfolgers. Trotzdem lässt die Musik aufhorchen – wie auch die erste, ebenso wenig beachtete Klaviersonate. Die große Bogenform wirkt zwar insgesamt etwas zerrissen, aber die stark kontrastierenden Abschnitte kommen mit überzeugender Charakterisierung daher und verlangen von ihren Interpreten einen auf den Punkt gebrachten, schnörkellosen Ausdruck. Schon hier zeigt sich, dass das Trio Karénine nicht nur über makellose Technik verfügt und perfektes Zusammenspiel beherrscht, sondern auch zu beherztem Zugriff in der Lage ist. Besonders die Pianistin Paloma Kouider gefällt mit heller, differenzierter Tongebung, Durchsichtigkeit und optimal angepasster Dynamik. Auch aufnahmetechnisch bleiben hier kaum Wünsche offen: das Trio wird räumlich ausgezeichnet abgebildet, lediglich die Höhen erscheinen ganz unwesentlich gedämpft.

Die Virtuosität der drei Musiker wird dann beim Dumky-Trio noch einmal mehr deutlich. So elegant, quirlig, aber auch nachdenklich hat man dieses Werk ganz selten gehört. Gerade bei den volkstümlichen Passagen scheut man sich nicht vor direkter Derbheit, die aber nie übertrieben daherkommt. Die ernsteren Passagen der vielschichtigen Dumkys werden mit umso stärkerer Subtilität dargeboten. Hier langweilt man sich keine Sekunde.

Zum Höhepunkt der CD gerät dann jedoch Weinbergs 1945, kurz nach Schostakowitschs zweitem Trio komponiertes Stück. Der verinnerlichte Schmerz, das stetige Wechselbad zwischen Sarkasmus und Hoffnung gelingt den Musikern dermaßen eindringlich, dass der Rezensent dieses zum Glück mittlerweile ins Repertoire übergehende Trio gleich zweimal hintereinander anhören musste. So hinreißend gespielt, beweist Weinbergs Musik erneut ihre ganz eigenständige Ausdruckskraft, auch wenn Schostakowitsch als Vorbild immer präsent zu sein scheint – wirklich großartig!

Martin Blaumeiser [28.11.2019]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Dimitri Schostakowitsch
1Trio Nr. 1 c-Moll op. 8 für Violine, Violoncello und Klavier 00:12:49
Antonín Dvořák
2Klaviertrio Nr. 4 e-Moll op. 90 (Dumky) 00:29:00
Mieczyslaw Weinberg
8Klaviertrio op. 24 00:27:33

Interpreten der Einspielung

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