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CD-Besprechung

Gustav Holst • Edward Elgar

The Planets • Enigma Variations

Gustav Holst • Edward Elgar

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 9

Klangqualität:
Klangqualität: 10

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 9

Besprechung: 27.08.19

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BIS 2068

1 CD/SACD stereo/surround • 83min • 2013, 2017

Zwei Leuchttürme des englischen Orchesterrepertoires – dirigiert von Andrew Litton, der gerade auf dem Gebiet der Spätromantik und klassischen Moderne schon oft zu überzeugen wusste: Da sind große Hoffnungen berechtigt. Und in der Tat: In Elgars Enigma Variations wissen Litton und das Bergen Philharmonic Orchestra voll und ganz zu begeistern. Die einzelnen Variationen, in denen Personen aus Elgars Freundeskreis musikalisch porträtiert werden, sind durchweg sehr schön charakterisiert, ohne dass programmatische Elemente jemals über Gebühr Einzug halten. Im Herzstück der Variationen, dem Nimrod-Satz, entgeht Litton der Gefahr, die Musik durch ein zu breites Tempo zu sentimentalisieren. Hier hören wir ein schön und dezent ausgesungenes Adagio, innig und doch flüssig – mit Anklängen an Beethovens langsame Sätze, wie Elgar es im Sinn hatte. In ihrer berührenden Melancholie sehr überzeugend auch die vorletzte Variation Romanza, in der das langsame Knattern der mit Holzschlägel gespielten Pauken deutlich zu hören ist, ohne dass es das Bild dominiert. Ohnehin spiegelt das Klangbild der SACD, wie stets bei BIS, die Charakteristika der einzelnen Instrumentengruppen auf vorbildliche Weise. Ein temperamentvolles, vor Spielfreude sprühendes Finale setzt den Schlusspunkt unter eine Interpretation, die sich unter den besseren dieses Werks mühelos behaupten kann, ohne vielleicht die Tiefe eines Barbirolli zu erreichen.

Vorbildliche Staffelung der Klanggruppen und instrumentale Transparenz findet sich auch in Littons Interpretation der Planeten; lediglich die Orgel könnte (zum Beispiel im Uranus-Satz) etwas deutlicher abgebildet sein. Der Grund dafür, dass der Holst in Littons Deutung etwas weniger überzeugend geraten ist, liegt zwischen den Notenzeilen verborgen. Ungeachtet ihrer Entstehungszeit und ihrer gigantischen Besetzung handelt es sich bei dieser Partitur nicht um spätromantische Musik. Holsts Klangsprache eignet hier, dem Sujet dieser siebensätzigen Suite angemessen, etwas merkwürdig Statisches, im gewissen Sinne Überzeitliches, in dem herkömmliche „menschliche“ Emotionen im Grunde keinen Platz haben. Wichtig bei der Interpretation dieses Werks ist in erster Linie – neben der Abbildung seiner kaleidoskophaften Klanglichkeit – absolute rhythmische Präzision. Genau daran mangelt es Litton an einigen wenigen, aber umso entscheidenderen Stellen, wo Litton ein derart schnelles Tempo wählt, dass Holsts irreguläre Rhythmen nicht hinreichend zu vernehmen sind. Dabei ist Litton im Ganzen nicht schneller als etwa Adrian Boult in seiner letzten Aufnahme der Planeten. Boult – und, um eine digitale Aufnahme zu nennen, auch Gardiner – schaffen es, im einleitenden Mars mit einem etwas bedächtigeren Tempo, eine unterschwellig (und später auch konkret) bedrohliche Atmosphäre zu entwickeln. Litton hingegen gibt von Anfang an Vollgas, und nach dem etwas langsameren Mittelteil (der bei ihm im Vergleich zu den Eckteilen geradezu schleppend klingt), entfesselt er eine Weißglut, die zwar durchaus beeindrucken kann, aber eher den Eindruck eines verzweifelten Wutausbruchs hinterlässt als den einer unausweichlichen Katastrophe. Und ein kleines Detail noch am Schluss: Zwar ist das allmähliche „Fade Out“ der Frauenstimmen am Schluss von Neptun gut realisiert, doch einige Mitglieder der Soprangruppe verfügen über ein derart dominantes Vibrato, dass die totale Entmaterialisierung der Musik, die hier eigentlich stattfinden sollte, nicht vollständig gelingt. Gewiss sind dies nur Kleinigkeiten, doch angesichts einer größtenteils überzeugenden Interpretation fallen sie doch ins Gewicht.

Thomas Schulz [27.08.2019]

Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 E. Elgar Enigma-Variationen op. 36 für Orchester 00:32:17
16 G. Holst Die Planeten op. 32 00:49:38

Interpreten der Einspielung

Interpret(en)Besetzung
Bergen Philharmonic Orchestra Orchester
Andrew Litton Dirigent
 
2068;7318599920689

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