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CD-Besprechung

The Secret Faurée II

Orchestral and Concertante Music

Sony Classical 19075936402

1 CD • 67min • 2017, 2018

02.07.2019

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 9
Klangqualität:
Klangqualität: 9
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 9

Gabriel Faurés Kompositionen verströmen vor allem in ihren Versionen für ein „Soloinstrument“ und Klavier die berühmte Aura einer zeitlosen Intimität. Da wollen lange, einfühlsame Melodien eine imaginäre Geschichte erzählen und versetzen in eine andere Welt. Faurés Erfindungskraft hat so manchem Stück sogar einen echten Ohrwurmcharakter beschert, ohne dabei zu pathetisch zu werden. Gerade in dieser Ausbalancierung liegt hier die hohe Kunst. Jetzt legt eine neue kritische Gesamtausgabe des Bärenreiter-Verlages neue Perspektiven auf Faurés Kompositionen frei.

Dass dies auch mit frischen Hör-Erfahrungen einhergeht, dafür sorgt ein CD-Projekt mit dem Sinfonieorchester-Basel, dessen Volume 2 aktuell vorliegt. „Fin de Siecle“ – dieser Begriff schießt auf Anhieb ins Bewusstsein, wenn man in die von Ivor Boltons Dirigat fein dosierte Klangwelt eintaucht. Einfühlsam, aber mit ausgeprägtem Hang zur leuchtenden Brillanz tragen die Schweizer Sinfoniker Farben auf, die aus der heutigen Zeit gefallen scheinen. Es darf geschwelgt werden, wo die instrumentalen Stimmen des Orchesters eine berührende Kantabilität entfalten, als würde hier noch einmal Zuflucht vor den Turbulenzen der Moderne gewährt. Damit webt der Klangkörper alle nur denkbaren roten Teppiche, auf denen sich die Soloinstrumente in Faurés Charakterstücken prächtig entfalten: Als da wären etwa der Geiger Axel Schacher, der in der Berceuse und Romance einen glutvollen, schwelgerischen Ton aufbaut, wo das Vibrato blüht und Musik alles an Sehnsucht und nur keine Sachlichkeit transportieren soll. Das wirkt zugegebenermaßen manchmal etwas aus der Zeit gefallen, fügt sich aber hier zum plausiblen Ganzen. Diesen Weg setzt der Cellist Antoine Lederlin mit zupackend emphatischem Spiel bezwingend forgt. So bekommt die Elégie ihren heißen Atem, wo sich die aufbegehrenden melancholischen Seufzer überschlagen. Wer so spielen kann, der wird Faurés Tonsprache völlig gerecht: Fauré schrieb lange Melodienbögen, denen – vor allem in dieser Lesart - durchaus wagnerische Züge anhaften.

Aber Faurés Musik offenbart auch ganz andere Aspekte und diese enthält dieser Tonträger ebenso wenig vor: Denn der 1924 in Paris verstorbene Komponist, blickte hellwach über Epochengrenzen hinaus. So arbeitet sich seine Orchestersuite Masques et Bergamasques an barocken und frühklassischen Formen hellsichtig ab und nimmt damit den französischen Neoklassizismus gewissermaßen vorweg: Mit pointierter Anmut stürzen sich die Schweizer Musiker in die tänzerischen Aspekte seiner Orchestersuite Masques et Bergamasques. Vor allem ein Menuett, das aus dem Rokoko stammen könnte, entfaltet einen wunderbar vitalen Schwung. Ja, einst haben Menschen zu dieser musikalischen Form getanzt - und diese Erkenntnis klingt und sprüht aus dem Spiel des Baseler Sinfonieorchesters!

Eine traumwandlerisch-entschleunigte Pavane zeugt einmal mehr von der Gabe dieses Orchesters zur Versenkung. Auf beseelte Holzbläser und seidig schimmernde Streicher ist hier Verlass. Auch das weit verästelte sinfonische Format, durchaus den deutschen Spätromantikern nicht unähnlich, ist Sache des Gabriel Fauré: Wie souverän der Komponist auch diese Großform beherrschte, demonstriert seine Symphonie en Fa mit dessen Allegrosatz am Ende dieser Tonträger eine weitere Lücke füllt.

Stefan Pieper [02.07.2019]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Gabriel Fauré
1Berceuse op. 16 for Violin and Piano 00:04:16
2Romance B flat major op. 28 for Violin and Piano 00:06:45
3Ballade fis-Moll op. 19 00:14:21
4Elégie c minor op. 24 for Violoncello and Piano 00:07:09
5Masques et Bergamasques op. 112 (Suite für Orchester) 00:13:40
9Pavane f sharp minor op. 50 for Viola and Harp 00:06:50
10Symphony F major op. 20 00:13:06

Interpreten der Einspielung

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