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CD-Besprechung

Kaija Saariaho

True Fire • Trans • Ciel d'hiver

Kaija Saariaho

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 9

Klangqualität:
Klangqualität: 9

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 9

Besprechung: 08.06.19

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Ondine ODE 1309-2

1 CD • 61min • 2017

Der alte Antagonismus „Prima la musica, poi le parole“ erreicht in Kaija Saariahos Zyklus True Fire für Bariton und Orchester eine neue Dimension, denn die Komponistin hatte erst die Musik im Kopf und suchte danach nach geeigneten Texten, die sich dieser Musik einpassen ließen. Diese Auftragskomposition sollte zugleich dem bedeutenden kanadischen Bariton Gerald Finley die Möglichkeit geben, seine weite vokale Ausdruckspalette zu zeigen. Die Texte sind von unterschiedlicher stilistischer Art. Drei Zitate aus einem unvollendeten Essay des amerikanischen Philosophen Ralph Waldo Emerson sind verbunden mit Gedichten von Seamus Heaney und Marmoud Darwish und einem „Lullaby“ der indianischen Ureinwohner New Mexicos. Die Texte fügten sich für die Komponistin im Nachhinein zu einem zusammenhängenden Ganzen. Der gemeinsame Nenner: Der Mensch, von Natur umgeben und in Relation zu ihr. Musikalisch drückt sich das so aus, dass die menschliche Stimme in einen gewaltigen orchestralen Klangstrom eingebettet ist, gegen den sie sich behaupten muß. Es bedarf schon eines Sängers von Finleys stimmlicher und gestalterischer Kraft, in diesem Strom nicht unterzugehen. Er sang den für ihn geschriebenen Zyklus bereits bei der Uraufführung 2015 in Los Angeles unter Gustavo Dudamel.

Auch in Trans, einem dreisätzigen Harfenkonzert, das 2016 in Tokyo von Xavier de Maistre erstmals gespielt wurde, spielt der Solist nicht die zentrale Rolle, sondern steht im ständigen Dialog mit dem (wegen der Transparenz in der Besetzung reduzierten) Orchester, worauf schon der Titel anspielt. In der Oper und im sinfonischen Bereich wird die Harfe meist zur Erzeugung übersinnlicher, gar himmlischer Klänge eingesetzt. Saariaho reizt die Möglichkeiten des Instrumentes aus, das hier gelegentlich auch sehr charaktervolle, fast aggressive Seiten zeigt. Der Virtuose Xavier De Maistre erweist sich dabei als ein überaus eloquenter Anwalt der Musik und seines Instruments.

Zwischen den Orchesterliedern und dem Harfenkonzert steht mit Ciel d’hiver (2013) ein reines Orchesterwerk, bei dem es sich um den überarbeiteten, im Orchesterapparat wesentlich reduzierten 2. Teil des Triptychons Orion (2002) handelt: Eine atmosphärische Tondichtung, die nicht weniger als das Weltall zum Klanginhalt hat. Die Musiker des Finnish Radio Symphony Orchestra unter Hannu Lintu erweisen sich in allen drei Fällen als die berufenen Interpreten, dem Hörer den Klangkosmos Kaija Saariahos zu erschließen.

Ekkehard Pluta [08.06.2019]

Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 K. Saariaho True Fire für Bariton und Orchester 00:27:14
7 Ciel d'hiver 00:09:43
8 Trans für Harfe und Orchester 00:23:13

Interpreten der Einspielung

Interpret(en)Besetzung
Gerald Finley Bariton
Xavier de Maistre Harfe
Finnish Radio Symphony Orchestra Orchester
Hannu Lintu Dirigent
 
ODE 1309-2;0761195130926

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