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CD-Besprechung

Concertos on Marimba

Vivaldi • Séjourné • Nobungaga

Concertos on Marimba

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 10

Klangqualität:
Klangqualität: 10

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 10

Besprechung: 28.02.19

Klassik Heute
Empfehlung

OehmsClassics OC 1891

1 CD • 63min • 2018

Der Klang des Marimbafons ist schon ein Wunder für sich: Fast metallisch mutet er an, weil hier die härtesten Hölzer zum Einsatz kommen, welche unser Planet hervorbringt. Von hell leuchtender Brillanz bis hin zu dunklem wuchtigen Bass ist alles möglich – vor allem, wenn ein so versierter Spieler wie der Japaner Fumito Nunoya dieses kulturgeschichtlich uralte Instrument auskostet, erforscht und für bis dahin ungeahnte musikalische Gefilde regelrecht emanzipiert.

Denn was sonst ist diese wohl weltweit erste Einspielung eines Flötenkonzerts von Antonio Vivaldi für dieses Perkussionsinstrument, das eben in Fumito Nunoyas Herangehensweise weit mehr ist als dies. Denn Nunoya hat sich der Herauslösung des Marimbafons aus üblichen Konnotationen mit Leib und Seele verschrieben – wenn er mit den vier Schlegeln zu neuen stilistischen Ufern aufbricht und vor allem – wie wohl kaum ein anderer! - mit diesem Perkussionsinstrument in die hohe Kunst der linearen, kantablen Spielweise eintaucht.

Zusammen mit einem hervorragend disponierten und wegen seiner schlanken Besetzung erfrischend aufgeräumt klingenden Kurpfälzischen Kammerorchester offenbart diese neue CD daher ein entsprechend neues, überaus dynamisch feinzeichnendes „Vivaldi-Erlebnis“. Nunoya lässt sich von der Spielfreude der von Johannes Schlaefli dirigierten Mannheimer Musiker hörbar inspirieren: Die transparenten instrumentalen Farben dieser Spieler stacheln Nunoyas spielerische Flexibilität in jedem Moment spürbar an. Im Falle Vivaldi bringt dies eine höchst artikulationssichere Einfühlung in die hohe Kunst barocker Affekte mit sich. Schindelerregend-souverän entfalten sich schnelle Tonrepetitionen, die wiederum, wenn gerade angezeigt, eine atmende melodische Linien formen. Die logische Konsequenz: Kompakt und intensiv strahlt und „swingt“ der erste Satz dieses Concertos und schöpft damit aus einem Meisterwerk der italienischen Barockmusik ein neues Hörabenteuer für die Gegenwart. Zärtlich-kantabel lässt daher auch der zweite Satz nichts in puncto musikalischem Atem vermissen, bevor schließlich ein beschwingtes Finale einmal mehr die Augenhöhe zwischen dem impulsiven Orchester und der anschlagsdynamischen Finesse unter den Händen dieses Solisten offenlegt.

Vivaldi ist aber nur eine Komponente in diesem Programm. In Teil zwei huldigt Nunoya einem Lieblings- und Bravourstück der Marimbaspieler-Zunft: Emmuanel Séjournes Concerto for Marimba and Strings überspannt einen romantischen, schwelgerischen Bogen und bringt – stets mit Nunoyas zupackender Schlegel-Artistik im Zentrum! - virtuose und lyrische Parts wie einem Stimmungskaleidoskop auf engem Raum zusammen. Da leben Spurenelemente aus der russischen Romantik, ebenso wie eine Prise Piazzolla die Mischung immer wieder anreichert und die Palette manchmal sogar bis zu asiatischen Elementen reicht. Vor allem die Solokadenzen zeigen, was Nunoya alles auf diesem Instrument zu sagen hat weit jenseits aller virtuosen Brillanz.

Der dritte Teil dieser dramaturgisch stimmigen Trilogie verpflichtet sich der musikalischen Gegenwart in Nunoyas Heimatland. Mehr noch: Der japanische Komponist Takatomi Nobunaga hat sein Marimba-Konzert Crosses Sonar of Dolphins diesem engagierten Spieler unmittelbar auf den Leib geschrieben. Auf Anhieb entfaltet sich hier ein lautmalerisch-anspielungsreiches, mit aufregenden Effekten nur so gesättigtes Hörkino, in dem Nunoya mit seiner wandelbaren Spiellust die Geschicke lenkt und ausgiebig mit den seidig schimmernden Klangteppichen der Streicher auf Tuchfühlung geht. Das ganze ist aber kein Selbstzweck, soll sich hier doch Musik der Gegenwart auch wieder in drängende Menschheitsfragen einmischen: Aktuell wird hier Delphinen und deren Lebensraum, also letztlich der Symbiose zwischen Mensch und Natur eine symbolische Lanze gebrochen.

Stefan Pieper [28.02.2019]

Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 A. Vivaldi Concerto C-Dur RV 443 für Blockflöte, Streicher und Basso continuo 00:10:45
4 Séjourné Konzert für Marimba 00:26:46
7 T. Nobunaga Konzert für Marimba (The Crossed Sonar of Dolphins) 00:24:49

Interpreten der Einspielung

Interpret(en)Besetzung
Fumito Nunoya Marimba
Benyamin Nuss Klavier
Kurpfälzisches Kammerorchester Orchester
Johannes Schlaefli Dirigent
 
OC 1891;4260330918918

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