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CD-Besprechung

Giovanni Alberto Ristori

Missa • Litaniae • Miserere

cpo 555 200-2

1 CD • 64min • 2017

28.01.2019

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 9
Klangqualität:
Klangqualität: 8
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 9

Giovanni Alberto Ristoris (1692-1753) wichtigste Wirkungsstätte war Dresden. Dort war sein Vater Tomaso am Hof des Kurfürsten von Sachsen und polnischen Königs, August des Starken, als Chef einer Opern- und Theatertruppe tätig. 1717 wurde Ristori junior am Dresdner italienischen Hofschauspiel als Komponist angestellt, zugleich leitete er die im selben Jahr gegründete „polnische Capelle“, die August den Starken bei seinen Besuchen in seinem Königreich begleitete. 1731/32 hielt er sich mit der Truppe seines Vaters zum einem Gastspiel am Hof der Zarin Anna in Moskau und St. Petersburg auf, nach Abschluss der Tournee wurde er aus dem Hofdienst entlassen, fand aber schon im folgenden Jahr wieder Anstellung als Hoforganist.

Jan Dismas Zelenka, sein 13 Jahre älterer Kollege im Dienst der Hofkirchenmusik, war kränklich, und so fielen Ristori immer wieder Aufgaben für die katholische Kirchenmusik des sächsisch-polnischen Hofes zu: August der Starke war 1697 zur Erlangung der polnischen Königskrone zum Katholizismus konvertiert. Seine Gemahlin Christiane Eberhardine hingegen, aus dem Haus Brandenburg-Bayreuth gebürtig, wollte ihrem Gatten in dieser Entscheidung nicht folgen, sie blieb ihrem evangelischen Glauben bis zu ihrem Lebensende 1727 treu. In einer Mischung aus Respekt und Spott gab man ihr im Volk den Titel „die Betsäule Sachsens“, blieb doch auch das Kurfürstentum Sachsen als Stammland der lutherischen Reformation protestantisch: Am Dresdner Hof existierte neben der katholischen Hofkirchenmusik bis zum Ende der Monarchie 1918 auch eine evangelische Kirchenmusik, die seit 1737 in der Sophienkirche beheimatet war. Als katholische Hofkirche diente zunächst das umgebaute ehemalige Opernhaus am Taschenberg, bis die neue Hofkirche 1751 geweiht wurde.

Ristori hinterließ ein reiches Werk weltlicher wie auch geistlicher Musik. Nach Zelenkas Tod 1746 war er zum Kirchenkomponisten des Hofes ernannt worden, 1750 wurde er Vizekapellmeister unter Johann Adolph Hasse. Große Teile seines Werkes wurden nach seinem Tod vom Hof aufgekauft. Während des 2. Weltkriegs als Kulturgut ausgelagert, gelangte es nach 1945 überwiegend nicht wieder nach Dresden zurück, so dass auch dieser Einspielung zunächst eine detektivische Arbeit zur Beschaffung des musikalischen Materials vorausgehen musste.

Matthias Jung präsentiert hier – abseits der repräsentativen Musik für die großen Kirchenfeste – geistliche Werke Ristoris für den täglichen Gottesdienst, die den hohen Rang der Kirchenmusik für die kurfürstlich/königliche Residenz auch im Alltag zeigen. Es erklingen eine Messe sowie eine Litanei zum heiligen Franz-Xaver, dem Lieblingsheiligen Maria Josephas von Österreich, der Ehefrau von Kurfürst Friedrich August II. (König August III. von Polen und Sohn Augusts des Starken), und ein Miserere in c-Moll. Im Unterschied zu den Kompositionen von Jan Dismas Zelenka, die bei aller Eigenständigkeit den deutlichen Einfluss des österreichischen Kontrapunktikers Johann Joseph Fux (1660-1741) widerspiegeln, kam mit Ristori ein frischer, italienischer Wind in die Dresdner Kirchenmusik, das zeigen die drei Werke dieser Einspielung deutlich.

Ein vorzüglich aufeinander abgestimmtes Solistenquartett, das Sächsische Vokalensemble sowie die auf historischem Instrumentarium musizierende Batzdorfer Hofkapelle (ihr erster Auftritt im nahe Dresden gelegenen Batzdorfer Schloss verlieh dem Ensemble seinen Namen) werden von Matthias Jung zu ebenso innigem wie temperamentvollem Musizieren angeleitet, das alles Raffinement und die vielfältigen Affekte dieser Musik ins rechte Licht setzt. Offensichtlich hatte sich Ristori für die Kirchenmusik normaler Sonntage, an denen kein kirchliches Hochfest begangen wurde, an einen begrenzten zeitlichen Rahmen zu halten; dennoch liefert er in keinem Satz dieser drei Kirchenmusiken Fließbandware: Stets begegnet der Zuhörer musikalischen Einfällen, die Ristoris Erfahrung in der Komposition dramatischer wie repräsentativer Musik zeigen. So liefert diese CD in einer rundum gelungenen Interpretation die Visitenkarte eines Komponisten ab, dessen Erfindungsreichtum man auch heute noch gerne lauscht.

Detmar Huchting [28.01.2019]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Giovanni Alberto Ristori
1Missa C-Dur 00:24:04
7Litaniae de Sancto Xaverio 00:25:10
12Miserere c-Moll 00:14:49

Interpreten der Einspielung

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