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CD-Besprechung

Les Délices du Piano

Peter Aronsky

Les Délices du Piano

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 6

Klangqualität:
Klangqualität: 8

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 6

Besprechung: 27.12.18

Tudor 1690

3 CD • 3h 39min • 2016, 2017

Wer als Pianist für eine umfängliche Anthologie bekannte, vielfach eingespielte Werke des Repertoires wählt, sollte entweder zu den obersten fünf Prozent seines Faches gehören, oder gegen den Vorwurf der Selbstüberschätzung mit einem ans Narzistische grenzenden Ego gewappnet sein. Peter Aronsky gehört vermutlich zur zweiten Kategorie.

Da jede der 3 CDs eine bunte, nicht unbedingt schlüssige Mischung enthält, sei hier in historisch aufsteigender Reihenfolge vorgegangen.

Mozarts vermeintlich leichte, jedoch außerordentlich empfindliche C-Dur Sonate KV 545 wird sauber und durchaus ansprechend, wenngleich weniger duftig als von Maria João Pires, dargeboten. Wohl kaum ein „Klaviergott“ hat es sich nehmen lassen, die drei großen Namenssonaten in Moll opp. 13, 27/2 & 57 von Beethoven – womöglich mehrfach – auf Tonträger zu verewigen. Aronsky wirkt hier wie ein ambitionierter Amateur, der in den schnellen Ecksätzen das Tempo reduzieren muss. Diese kommen alle um ein Einiges zu gemütlich daher. Frappierend, dass er hier die Spannung bis zum Ende durchhält, so dass der Satz trotz des langsamen Tempos nicht auseinanderfällt und dieser deshalb zum Gelungensten der Edition zählen darf.

Richtig ärgerlich gerät Schuberts „kleine“ A-Dur-Sonate DV 662, weil Aronsky den Notentext ignoriert und das Werk dadurch sentimentalisiert. Es ist selbstverständlich einfacher, die Melodie des Andante hervorzuheben, wenn man die darunterliegenden Akkorde arpeggiert. Dies ist als gelegentliche Unterstreichung absolut legitim, sollte aber nie in gedankenloser Routine über einen längeren Zeitraum verwendet werden, nur weil es dann „einfach netter“ klingt. In Schuberts später B-Dur-Sonate D 960 ist Aronsky zugute zu halten, dass er zu den wenigen Pianisten gehört, die die Exposition des Kopfsatzes wiederholen. Trotzdem lassen der wenig cantable, perkussive Anschlag und die gering ausgeprägte Fähigkeit, die Riesenform zu gestalten, nur bedingt Freude aufkommen. Maßstab dürften nach wie vor der Ur-Schubertianer Alfred Brendel und besonders Marc André Hamelin sein, dem es in diesem Satz selbst im Konzertsaal gelingt, die Zeitdimension aufzuheben. Das Andante sostenuto ist in mittlerer Qualität und Güte für jeden Berufspianisten blattspielbar, erfordert aber, so man die einzelnen Klangebenen erfahrbar machen will, höchste Virtuosität in Anschlagsfarben und -dynamik, da der Satz eher für Streichsextett in der Besetzung Cb, Vc, 2 Va, 2Vl entworfen zu sein scheint. Somit muss die rechte Hand den ruhigen Gesang der in Terzen und Sexten und zuweilen akkordisch verlaufenden Melodiestimmen von Vla. 1 und Vl. 2 differenzieren, während die Linke das pizzicato von Kontrabass und Vl. 1 und die Legato-Oktavsprünge des Vc. übernehmen muss. Das ist annähernd so kompliziert, wie die 23 unterschiedlichen Anschlagsnuancen, die Alfred Cortot für Ravels „Galgen“ aus dem Gaspard fordert. Hier kehren nur die ganz Großen unbeschadet vom „Todtenacker“ zurück.

Robert Schumanns Kinderszenen sind als „mittelschwere Hausmusik“ Lieblingswerke fortgeschrittener Klavierschüler, denen es richtig Spaß macht, die Baß-Oktaven im Mittelteil der „Wichtigen Begebenheit“ lis(z)tig zu donnern. In diesem Fall gilt aber „quod licet bovi non licet jovi“. Auch sollte man, wenn man mit dem Klavierspiel sein Geld verdient, in der Lage sein, die drei Klangebenen der „Fremden Länder und Menschen“ säuberlich zu trennen und die heiklen Staccati des Fangen-Spiels trotz Pedalisierung funkeln zu lassen. Ebenso vertragen diese kleinen Szenen keine outrierten Rubati.

Frédéric Chopins 14 Walzer bedürfen für eine wirkungsvolle Wiedergabe eines erheblichen Maßes an rhythmischer Freiheit; vulgo: Rubato und Agogik. Hier dürfte Dinu Lipatti aufgrund seines perfekten Timings immer noch als maßstäblich gelten. Interessant, wie Schubert-nah manche Abschnitte bei ihm klingen. Wäre es somit nicht intelligenter gewesen, diese mit dem ebenfalls tänzerischen DV 620 anstatt mit der Appassionata zu koppeln? Aronsky bleibt auch in den Walzern bemüht, wenngleich ihm in op. 69/2 ein hinreißendes lang vermisstes „Jeu perlé“ gelingt. Die f-Moll-Fantasie op. 49 leidet wiederum unter sorglosem Umgang mit dem Notentext. Der Hauptteil ist mit „alla Marcia“ und nicht mit „alla Marcia funebre“ überschrieben. Aronskys Artikulation ist zu weich, die explizite Verwendung einer runden Klammer in den weitgriffigen Akkorden, die bedeutet, dass diese nicht zu brechen sind, (ein Vorausschlagen des Basstons bei zu geringer Spannweite dürfte legitim sein), ignoriert er geflissentlich. Hier empfiehlt sich Murray Perahia, der bei ähnlich ruhiger Herangehensweise über eine ungleich reichere Farbpalette und eine weitaus größere Kontrolle in den heiklen Doppeloktavpassagen verfügt. Bleibt abschließend die in ihren Anforderungen an die Anschlagsdelikatesse mit DV 960/2 vergleichbare Berceuse Des-Dur op. 57. Auch in diesem „Notturno sopra una ciaccona corta“, in dem romantischer Klangsinn mit barockem Ostinato-Denken eine höchst glückliche Verbindung eingeht, vermag Aronsky – auch wegen rhythmischer Ungenauigkeiten – die Aufnahmen eines Cortot, Rubinstein und Zimerman auch nicht annähernd zu erreichen.

Aufnahmetechnisch weist die Box gutes Mittelmaß mit adäquat eingefangenem Flügelklang auf. Bei der Nachbearbeitung der Aufnahmen wurde jedoch geschlampt. An mehreren Schlussstellen hört man das Auftreffen der Dämpfer nach Loslassen des Pedals. Einige „Pedalbumperer“ hätte ein professioneller Aufnahmeleiter im Studio ebenso auf die Korrekturliste setzen müssen.

Thomas Baack [27.12.2018]

Komponisten und Werke der Einspielung

CD 1
Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 R. Schumann Von fremden Ländern und Menschen op. 15 Nr. 1 (Kinderszenen op. 15) 00:01:25
2 Kuriose Geschichte op. 15 Nr. 2 00:01:19
3 Hasche-Mann op. 15 Nr. 3 00:00:30
4 Bittendes Kind op. 15 Nr. 4 00:00:45
5 Glückes genug op. 15 Nr. 5 00:00:36
6 Wichtige Begebenheit op. 15 Nr. 6 00:00:57
7 Träumerei op. 15 Nr. 7 00:02:43
8 Am Kamin op. 15 Nr. 8 00:01:02
9 Ritter vom Steckenpferd op. 15 Nr. 9 00:00:40
10 Fast zu ernst op. 15 Nr. 10 00:01:25
11 Fürchtenmachen op. 15 Nr. 11 00:01:43
12 Kind im Einschlummern op. 15 Nr. 12 00:02:23
13 Der Dichter spricht op. 15 Nr. 13 00:01:51
14 F. Schubert Klaviersonate Nr. 13 A-Dur D 664 op. posth. 120 00:25:19
17 L.v. Beethoven Klaviersonate Nr. 8 c-Moll op. 13 (Pathétique) 00:17:41
20 W.A. Mozart Klaviersonate Nr. 16 C-Dur KV 545 (Facile) 00:11:17
CD 2
Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 L.v. Beethoven Klaviersonate Nr. 14 cis-Moll op. 27 Nr. 2 00:14:26
4 F. Schubert Klaviersonate B-Dur D 960 op. posth. 00:41:04
8 F. Chopin Fantasie f-Moll op. 49 00:12:47
9 Berceuse Des-Dur op. 57 00:04:17
CD 3
Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 L.v. Beethoven Klaviersonate Nr. 23 f-Moll op. 57 (Appassionata) 00:26:29
4 F. Chopin Grande Valse brillante Es-Dur op. 18 00:05:49
5 Grande Valse Brillante As-Dur op. 34 Nr. 1 00:05:51
6 Grande Valse Brillante a-Moll op. 34 Nr. 2 00:05:10
7 Grande valse brillante F-Dur op. 34 Nr. 3 00:02:36
8 Grande Valse A-Dur op. 42 00:04:00
9 Walzer Des-Dur op. 64 Nr. 1 00:01:57
10 Walzer cis-Moll op. 64 Nr. 2 00:03:18
11 Walzer As-Dur op. 64 Nr. 3 00:04:34
12 Walzer As-Dur op. 69 Nr. 1 00:02:55
13 Walzer h-Moll op. 69 Nr. 2 00:02:47
14 Walzer Ges-Dur op. 70 Nr. 1 00:01:31
15 Walzer f-Moll op. 70 Nr. 2 00:01:32
16 Walzer Des-Dur op. 70 Nr. 3 00:02:53
17 Walzer e-Moll op. posth. 00:02:51

Interpreten der Einspielung

Interpret(en)Besetzung
Peter Aronsky Klavier
 
1690;0812973016908

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