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CD-Besprechung

J.S. Bach

Sonatas & Partitas

J.S. Bach

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 7

Klangqualität:
Klangqualität: 10

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 8

Besprechung: 02.08.18

RCA 19075836952

1 CD • 72min • 2017

Unter den akustisch idealen Bedingungen der Pollinger Klosterbibliothek hat sich Sebastian Bohren in die stattliche Reihe der Interpreten Bachscher Soloviolinmusik eingefügt und eine Einspielung der Partiten in d-Moll und E-Dur, sowie der Sonate in C-Dur vorgelegt. Zweifellos ist Bohren ein technisch souveräner Geiger. Die Aufnahmen strahlen durchweg den Eindruck aus, dass das, was erklingt, auch so gewollt ist. Niemals wirkt ein Effekt, als sei er zufällig unterlaufen.

Die Darbietung der Allemanda aus der d-Moll-Partita, mit der die CD eröffnet wird, lässt bereits wesentliche Merkmale der Interpretationsweise Bohrens erkennen: Grundlegend spielt er nonlegato und wählt einen Legatovortrag nur für die von Bach ausdrücklich mit Bindebögen versehenen Phrasen. Kontraste werden dezent gesetzt, unter Vermeidung auffälliger Dynamik- und Temposchwankungen, so dass die Musik sich unaufgeregt und stetig vorwärtsbewegt. In dieser gelassenen Lebhaftigkeit der raschen Sätze zeigt sich die Stärke Bohrens. So gelingt ihm das Präludium der E-Dur-Partita, in dem er auch die einkomponierten Echoeffekte nicht vernachlässigt, schlichtweg vortrefflich. Gleiches lässt sich vom Finale der C-Dur-Sonate sagen.

Deutlich weniger sicher wirkt der Geiger in den langsamen Sätzen. Der unablässige Zug, mit dem er in den genannten schnellen Stücken beeindruckt, bleibt hier weitgehend aus. Die Musik klingt zu oft nach einer bloßen Aufzählung ihrer einzelnen Abschnitte, da Bohren die Töne nach dem Anspielen kaum noch weiter modelliert und zu rasch loslässt, so dass wenig Abwechslung entsteht und die Phrasen nicht recht ineinandergreifen wollen.

Leider enttäuschen auch gerade die umfangreichsten Stücke der Einspielung, die Ciaccona der d-Moll-Partita und die Fuge der C-Dur-Sonate. So nachvollziehbar der Enthusiasmus ist, den Bohren diesen beiden Sätzen entgegenbringt, so wenig kann ich seiner im Beiheft geäußerten Selbsteinschätzung beipflichten, nach welcher seine Stärken in just denselben besonders zum Ausdruck kämen. In der Tat geraten ihm in der Chaconne die Variationen sehr gut, die viele kleine Noten enthalten. Am Ende des ersten und des Mittelteils entstehen so tatsächlich Steigerungsverläufe, die sich über mehrere Variationen hin entfalten. Die übrigen Partien des Satzes hingegen leiden unter zu kleinteiliger Phrasierung und kontrastarmem Vortrag. Die Musik tritt hier auf der Stelle. Auch die große C-Dur-Fuge zerfällt Bohren unter den Händen. Er kostet in den polyphonen Abschnitten des riesigen Satzes den Strich über mehrere Saiten bei nahezu jeder Gelegenheit intensiv aus, was aber für ein Übermaß an starken Akzenten sorgt und verhindert, dass die Musik große Bögen ausprägt. Die Abschnitte, in denen Bach das Thema in Achtelketten versteckt, wirken durch eine monotone Artikulation mechanisch und lassen kaum die langen Melodien durchscheinen, die ein abwechslungsreicher Vortrag aus ihnen herausholen kann. Insgesamt vermag Bohren die Fuge nicht in den Schwung zu versetzen, den es hier mehr braucht als in allen anderen Stücken der Bachschen Geigensolo-Sammlung. Auf mitreißende Weise hat das beispielsweise der im Beiheft als einer der Mentoren Bohrens erwähnte Hansheinz Schneeberger in seiner leider vergriffenen Einspielung vermocht.

Unter dem Strich lassen Bohrens Bach-Interpretationen, obwohl sie manches Fesselnde enthalten (und es sympathisch berührt, dass Bohren sämtliche vorgeschriebene Wiederholungen ausführt), zu viel zu wünschen übrig, als dass ich sie den großen Darbietungen dieser Musik hinzurechnen möchte.

Norbert Florian Schuck [02.08.2018]

Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 J.S. Bach Partita Nr. 2 d-Moll BWV 1004 für Violine solo 00:29:18
6 Sonate Nr. 3 C-Dur BWV 1005 für Violine solo 00:24:44
10 Partita Nr. 3 E-Dur BWV 1006 für Violine solo 00:18:09

Interpreten der Einspielung

Interpret(en)Besetzung
Sebastian Bohren Violine
 
19075836952;0190758369525

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