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CD-Besprechung

préludes debussy encke aprèsludes

Julia Bartha

préludes debussy encke aprèsludes

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 9

Klangqualität:
Klangqualität: 10

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 9

Besprechung: 20.06.18

Coviello Classics COV 91805

1 CD • 63min • 2017, 2018

Im 19. Jahrhundert etablierten Chopins Préludes die Gattung innerhalb der französischen Klaviermusik und legten damit auch den Grund für Debussys Werke. Seine beiden Hefte mit jeweils zwölf Préludes erschienen 1910 und 1913 und leiten über zu seiner späteren Kompositionsphase. Die jeweils am Ende der kurzen Stücke vermerkten Titel sind Gedichten und Romanen entnommen, sollen aber nur eine Impression bewirken, um nicht die Musik in ihrer Aussage zu überlagern. Ganz wie die Maler-Impressionisten entnahm Debussy seine in Notizen überlieferte Inspiration häufig der Natur. An die Préludes, Französisch für Präludien oder Vorspiele, schließen auf der vorliegenden CD die Aprèsludes (après frz. nach) von Thorsten Encke an. Der Begriff Aprèslude ist dabei keine Wortschöpfung des Komponisten, sondern leiht sich den Titel ebenso von einer literarischen Quelle. Für beide Komponisten gilt, dass die Titel lediglich assoziativ intendiert sind und keine Programmmusik ankündigen wollen.

Julia Bartha befindet sich mit ihrer Interpretation der Préludes von Claude Debussy in bester Gesellschaft. Unzählige Einspielungen junger und erfahrener Pianisten existieren auf dem Markt. Debussys neuartige Klang- und Zeitstrukturen in den Préludes hatten starken Einfluss auf die Klavierwerke des 20. Jahrhunderts und gehören auch deshalb zu den wichtigsten Beispielen für Hörer wie für Pianisten. Statt die Préludes aber, wie viele ihrer Kollegen, mit derer direkter Nachfolger wie Chopin oder Fauré zu kombinieren, stellt sie das Standardrepertoire vor eine zeitgenössische Hommage. Ihre neue CD ist also eine Gegenüberstellung der ersten zwölf Préludes von Claude Debussy mit Thorsten Enckes sechs „Aprèsludes“. Die Hommage an einen solchen „Klassiker“ verführt stets auch zum Vergleich und ist angesichts der langen Werktradition gewagt. Enckes Aprèsludes täuschen an wenigen Stellen ein tonales Zentrum vor, wechseln rasant die Stimmung und stellen hohe Anforderungen an die Pianistin und die Hörer. Doch die jungen Kompositionen werden geschickt in einen musikgeschichtlichen Kontext gestellt, der bei zeitgenössischen Kompositionen wichtige Hilfe und Orientierung bietet. Die perfekte Menge an Hintergrundinformationen zu Debussys Préludes schenkt uns das Booklet: Kennerwissen wird in wenigen Zeilen aufgefrischt und unerfahrene Hörer, an die unbedingt zu denken ist, werden nicht mit Informationen überladen.

Der Übergang zu Enckes Aprèsludes verläuft fließend und die 100 Jahre Abstand werden erst nach einigen Takten hörbar. Das Klavier bietet dabei dieselben Klangmöglichkeiten wie zu Debussys Zeit. Direkten musikalischen Bezug auf Debussy nimmt Encke in den beiden Aprèsludes Un beau brin de fille und Monsieur Croche – Double Croche mit Zitaten aus den Originalen. Aufgenommen wurde die CD in der 2016 wieder eröffneten Alten Mensa der Universität Göttingen, in der Geburtsstadt Enckes. Hier fand auch die Uraufführung der neuen Kompositionen anlässlich des 100. Todestages von Claude Debussy statt. Für die Werke beider Komponisten, besonders dem Klang der moderaten, bereitet die Alte Mensa einen wirkungsstarken Raum.

Sanna Hahn [20.06.2018]

 
COV 91805;4039956918059

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