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CD-Besprechung

Henri Marteau

The Complete Works for String Quartet I

cpo 555 128-3

1 CD • 58min • 2016, 2017

18.06.2018

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 9
Klangqualität:
Klangqualität: 9
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 9

Henri Marteau, 1874 in Reims geboren und 1934 in Lichtenberg bei Hof im nordöstlichsten Bayern gestorben, mag einigen als Geiger und vielleicht auch als einstmals wichtiger Reger-Interpret bekannt sein. Noch kleiner ist vermutlich das Publikum, dem er als Komponist geläufig ist, auch wenn sein Klarinettenquintett es zu einer gewissen Bekanntheit gebracht hat. Das liegt nicht zuletzt daran, dass nur wenige seiner Werke zu Lebzeiten veröffentlicht wurden. Die cpo-Aufnahme von Marteaus Kammermusik schafft nun Abhilfe – und macht wohl den Anfang einer ganzen Reihe weiterer Publikationen.

Enthusiasten der Spätromantik dürfen sich schon mal die Hände reiben, und wenn es stimmt, dass sich gute Musik, mit welcher Verspätung auch immer, schließlich doch durchsetzt, dann sollte Marteau gute Chancen haben, ein Begriff zu werden. Denn die beiden hier vom Isasi Quartet (mit Unterstützung von Mezzosopranistin Karine Deshayes) eingespielten Werke machen Freude und wecken große Lust auf mehr.

Gleich zu Beginn des Zweiten Streichquartetts op. 9 (ca. 1905) wackeln die Ohren des modernen Hörers kurz: Spielt da das Cello – ein Zitieren kann es ja unmöglich sein – den ersten Takt von Irving Taylors 1947 geschriebenem und u. a. von Dean Martin popularisiertem „Everybody Loves Somebody Sometime“? Davon abgesehen hat man es mit einem chromatisch dichten Werk zu tun, das für die Entstehungszeit recht fortgeschritten erscheint, nicht zuletzt, wenn man es mit anderen spätromantischen Quartetten vergleicht – zum Beispiel mit dem wunderbaren 3. Streichquartett des leider auch in Vergessenheit geratenen Franz Mittler (cpo).

Als bestens vernetzter Franzose war Henri Marteau im Feindesland Deutschland während des Großen Krieges nicht wohlgelitten und trotz Protektion von allerhöchster Stelle – vom deutschen Kaiser selbst – immer wieder in Schutzhaft genommen beziehungsweise unter Hausarrest gestellt. In dieser Zeit (1915–17) schrieb er die mit deutlich leichterer Hand gesetzten, filigranen Huit Mélodies op. 19, die Teil der faszinierenden Gruppe von Werken für Streichquartett und Stimme sind – eines erlesenen Genres, zu dem unter anderem auch Schönbergs Zweites Quartett (dem Gründungsmitglied dieser Gattung), Alban Bergs Lyrische Suite in der Originalfassung, Othmar Schoecks alles übertreffendes Notturno, Samuel Barbers Dover Beach, Gerald Finzis By Footpath and Stile, Ottorino Respighis Tramonto und Alberto Ginasteras Drittes Streichquartett zählen.

Marteaus Acht Melodien auf Gedichte des allerersten Literaturnobelpreisträgers Sully Prudhomme haben zwar einen deutlich französischeren Anklang als das im Vergleich geradezu solid-deutsche Streichquartett, aber immer wieder lassen Vokalphrasen an (größtenteils spätere) Richard-Strauss-Lieder denken, und auch die Behandlung der Streicher blickt auf Strauss’ zartes und filigranes Komponieren für Streicher in Werken wie dem Capriccio-Sextett oder den Metamorphosen voraus. Karine Deshayes leiht dem Werk ihren dramatischen, aber nie schweren, mit hohem Timbre ausgestatteten Mezzosopran, was die Huit Mélodies zu einer absoluten Glanznummer macht. Auch das Isasi Quartet, das sich im Zweiten Quartett noch etwas abzukämpfen scheint, kann hier restlos überzeugen. Die besagte Vorfreude auf die nächste Marteau-CD ist groß!

Jens F. Laurson [18.06.2018]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Henri Marteau
1Streichquartett Nr. 2 op. 9 00:34:38
5Pluie op. 19 Nr. 1 (Huit Mélodies) 00:02:19
6À Douarmenez enBretagne op. 19 Nr. 2 (Huit Mélodies) 00:02:42
7Ritournelle op. 19 Nr. 3 (Huit Mélodies) 00:03:25
8Matin d'Octobre op. 19 Nr. 4 (Huit Mélodies) 00:02:35
9Chanson de Mer op. 19 Nr. 5 (Huit Mélodies) 00:02:23
10Vitrail op. 19 Nr. 6 (Huit Mélodies) 00:03:51
11Pitié des choses op. 19 Nr. 7 (Huit Mélodies) 00:03:40
12Dans la rue, le soir op. 19 Nr. 8 (Huit Mélodies) 00:01:52

Interpreten der Einspielung

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