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CD-Besprechung

Georg Philipp Telemann

Wind Overtures Vol. 1

cpo 555 085-2

1 CD • 61min • 2016

23.07.2018

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 10
Klangqualität:
Klangqualität: 10
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 10

Klassik Heute
Empfehlung

Spezialisiert auf unbekanntes Repertoire, macht die Firma cpo Ernst damit, einen veritablen Schatz zu heben. Die Rede ist von dem schier unüberblickbaren Œuvre Georg Philipp Telemanns, das selbst in der Gesamtausgabe der Partituren bei Bärenreiter, die zudem noch nicht abgeschlossen ist, nur „charakteristische Werke“ umfassen wird – allein für das Verzeichnis der Werke sind mehrere Bände vorgesehen.

Mit dieser sorgfältigen Produktion erscheint die erste Folge der Ouvertüren für Bläser mit dem L'Orfeo Bläserensemble, hervorgegangen aus dem gleichnamigen Barockorchester und geleitet von der ersten Oboistin Carin van Heerden. Die Chance, diesen Werken im Konzert zu begegnen, sind gering; umso höher ist der Repertoirewert des Albums. Musikgeschichtlich ist dieses Genre freilich hochbedeutend: Es handelt sich um Quintette, deren Bassstimme als Generalbass fungiert. Auch, wenn die späteren Epochen die hier gedoppelten Oboen und Hörnern auf jeweils einen Vertreter des Instruments reduzierten und stattdessen Flöte und Klarinette hinzunahmen, findet sich doch in Telemanns Ouvertüren das spätere klassische Bläserquintett vorweggenommen.

Diese historische Anknüpfung verwundert nicht, da in den fünf hier versammelten Werken die Kammerbesetzung, angereichert durch Laute und Cembalo für den Basso Continuo, eine attraktive, überraschend volle und runde Klanglichkeit evoziert, die durch die hervorragende Aufnahmetechnik noch gestützt wird. Hier ergibt auch die Verwendung der historisierenden Instrumente Sinn, was durchaus nicht immer der Fall ist, wenn man an viele in stilistischer Schematik erstarrte oder aber hemmungslos überzeichnete Interpretationen anderer Ensembles denkt. Kein Instrument dominiert hier das andere, die barocken Oboen mischen sich perfekt mit den Naturhörnern, die in der Ouvertüre F-Dur BWV 44:8 herrlich schmettern oder in der Ouvertüre F-Dur TWV 44:10 berückend leise intonieren können; dazu krächzt und knarzt hübsch das Fagott, das vorwitzig und rhythmisch perkussiv grundiert.

Wer hier auf Entdeckungsreise geht, wird eine Fülle von reizvollen Details finden, etwa den hurtigen und leisen Bauerntanz Les Paysans aus der Ouvertüre D-Dur TWV 44:14, die intrikaten Taktwechsel in den Passepieds aus der Ouvertüre F-Dur TWV 44:10 oder die für die Nachahmungsästhetik der Epoche typischen Schilderungen ausgelassenen Lachens in Le Ris aus der Ouvertüre F-Dur TWV 44:16. Ein Sonderlob gebührt dem informativen Begleittext von Wolfgang Hirschmann, der auf dieser kurzweiligen Aufnahme unbekannten Repertoires einen wertvollen Leitfaden bereitstellt.

Dr. Michael B. Weiß [23.07.2018]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Georg Philipp Telemann
1Ouverture F-Dur TWV 44:16 für Bläserensemble 00:13:26
6Concerto à 5 D-Dur TWV 44:2 für Bläserensemble 00:07:40
10Overture F-Dur TWV 44:8 für Bläserensemble 00:13:22
16Overture à 5 D-Dur TWV 44:14 für Bläserensemble 00:11:30
22Overture F-Dur TWV 44:10 für Bläserensemble 00:15:06

Interpreten der Einspielung

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