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CD-Besprechung

Claude Debussy

Préludes & Children's Corner

Claude Debussy

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 9

Klangqualität:
Klangqualität: 10

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 9

Besprechung: 16.03.18

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Ondine ODE 1304-2D

2 CD • 1h 45min • 2016

Paavali Jumppanens Darbietung beider Bände der Debussy-Préludes strotzt nur so von Souveränität. Zu einer Makellosigkeit des Anschlags mit genauester Artikulation jeder einzelnen Note – befinde sie sich auch in einem noch so raschen Kontext (Beispiele: Sextolen in Le vent dans la plaine; La danse de Puck, Brouillards, Beginn von Feux d’artifice) – gesellt sich ein äußerst kontrollierter und subtiler Pedalgebrauch. Dies ist immer eine schwierige, grundsätzliche Abwägung für jeden Debussy-Pianisten, da der Komponist dafür keinerlei konkrete Vorgaben im Notentext gibt. Der Klang bei Jumppanen bleibt durchgängig extrem durchsichtig, dennoch sonor; Harmonien mischen sich dort, wo es offensichtlich intendiert erscheint (Les sons et les parfums tournent dans l’air du soir). Melodische Linien werden aufs Feinste herausgearbeitet, auch in dichtem Satz. Was für ein tiefes Verständnis gerade der Harmonik Debussys spricht, wirkt dann leider auch manchmal ein wenig bieder: Wenn sich hingegen Maurizio Pollini in seiner brandneuen Aufnahme der Préludes II stellenweise erlaubt, kleinste Noten einer impressionistischen „Klangwolke“ unterzuordnen, ist dies ja nicht etwa Schlampigkeit, sondern stiftet Atmosphäre und meist größeren Zusammenhang; so auch bei Marc-André Hamelin.

Trotzdem gerät Jumppanens extreme Genauigkeit, auch in der weitgespannten Dynamik, keineswegs zur Erbsenzählerei oder erzwingt vom Hörer eine ständige Vergegenwärtigung der diesen wegweisenden Kompositionen zugrunde liegenden Strukturen quasi unter dem Vergrößerungsglas. Obwohl Jumppanen zudem in der Regel auch spürbar langsamere Tempi wählt als ein Großteil der Konkurrenz (neben den oben genannten z.B. Steven Osborne, Krystian Zimerman oder Pierre-Laurent Aimard), hält er in jedem der 24 Stücke die Spannung. Selten hat man manche der langsamen Préludes (Feuilles mortes, Bruyères, …) mit einer derartigen Ruhe und Intensität ausgespielt gehört. Pollini ist hier gut anderthalbmal so schnell (!) und weniger zwingend. Deutlichkeit scheint sich also bei Jumppanen durchaus auszuzahlen. Was jedoch – mit Absicht? – unter den Tisch fällt, sind naturalistische Effekte: Etwa eine Gitarre (la sérénade interrompue – und hier schreibt der Komponist ausdrücklich: quasi guitarra) überzeugend nachzuahmen, wird erst gar nicht versucht. Alles klingt trotz eines breiten Farbspektrums doch nur nach Steinway – also auch kein „echtes“ Feuerwerk am Schluss. Die Assoziationen mit Debussys „Bildern“ – wie durch die nachgestellten Titel angeregt – werden konsequent letztlich vom Zuhörer selbst eingefordert; ein durchaus legitimer Interpretationsansatz. Spiegelt Zimermans Sichtweise eher Debussys Weiterentwicklung romantischer, Lisztscher Tonsprache wider, so blickt Jumppanen von heute durch Postmoderne und Serialismus hundert Jahre zurück und entdeckt bei aller Virtuosität vor allem Unaufgeregtheit im musikalischen Diskurs.

Die sechs Stücke des Children’s Corner – quasi Debussys „Album für die Jugend“ – bleiben verglichen damit etwas unentschieden. Wird hier Brillanz gewissermaßen künstlich auf kindliche Dimensionen zurechtgestutzt? An Walter Giesekings empathische Tiefe des Ausdrucks (Jimbo‘s Lullaby) kommt Jumppanen nicht heran – zugunsten von formaler Klarheit. Insgesamt ein wohldurchdachter und pianistisch überlegener Debussy, stilistisch kohärent und aufnahmetechnisch erstklassig, dabei atmosphärisch leicht unterkühlt. Bahnbrechende neue Einsichten werden allerdings nicht gewährt.

Vergleichseinspielungen Préludes: Krystian Zimerman (DG 435 773-2, 1991), Maurizio Pollini (DG 445 187-2, 1998; DG 479 8490, ©2018), Steven Osborne (Hyperion CDA 67530, 2006), Pierre-Laurent Aimard (DG 477 998-2, 2012), Marc-André Hamelin [Préludes II] (Hyperion CDA 67920, 2011) – Children’s Corner: Walter Gieseking (EMI 5 65855 2, 1951), Arturo Benedetti Michelangeli (DG 415 372-2, 1971)

Martin Blaumeiser [16.03.2018]

Komponisten und Werke der Einspielung

CD 1
Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 C. Debussy Danseuses de Delphes (aus 12 Préludes Livre I) 00:03:48
2 Voiles (aus 12 Préludes Livre I) 00:03:51
3 Le vent dans la plaine (aus 12 Préludes Livre I) 00:02:13
4 Les sons et les parfums tournent dans l'air du soir (aus 12 Préludes Livre I) 00:04:28
5 Les collines d'Anacapri (aus 12 Préludes Livre I) 00:03:30
6 Des pas sur la neige (aus 12 Préludes Livre I) 00:04:16
7 Ce qu'a vu le vent d'ouest (aus 12 Préludes Livre I) 00:03:39
8 La fille aux cheveux de lin (aus 12 Préludes Livre I) 00:02:56
9 La sérénade interrompue (aus 12 Préludes Livre I) 00:02:41
10 La cathédrale engloutie (aus 12 Préludes Livre I) 00:07:17
11 La danse de Puck (aus 12 Préludes Livre I) 00:02:49
12 Minstrels (aus 12 Préludes Livre I) 00:02:29
CD 2
Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 Brouillards (aus Préludes Livre II) 00:03:17
2 Feuilles mortes (aus Préludes Livre II) 00:03:43
3 La puerta del vino (aus Préludes Livre II) 00:03:28
4 Les fées sont d'exquises danseuses (aus Préludes Livre II) 00:03:14
5 Bruyères (aus Préludes Livre II) 00:03:19
6 General Lavine – excentric (aus Préludes Livre II) 00:02:41
7 La terrasse des audiences du clair de lune (aus Préludes Livre II) 00:05:21
8 Ondine (aus Préludes Livre II) 00:03:37
9 Hommage à S. Pickwick Esq. P.P.M.P.C. (aus Préludes Livre II) 00:02:38
10 Canope (aus Préludes Livre II) 00:03:51
11 Les tierces alternées (aus Préludes Livre II) 00:02:32
12 Feux d'artifice (aus Préludes Livre II) 00:04:55
13 Doctor Gradus ad Parnassum (Children's Corner L 113) 00:02:19
14 Jimbo's Lullabye (Children's Corner L 113) 00:03:52
15 Serenade of the Doll (Children's Corner L 113) 00:02:41
16 The Snow is Dancing (Children's Corner L 113) 00:02:51
17 The Little Shepherd (Children's Corner L 113) 00:03:29
18 Golliwogg's Cake-walk (Children's Corner L 113) 00:03:00

Interpreten der Einspielung

Interpret(en)Besetzung
Paavali Jumppanen Klavier
 
ODE 1304-2D;0761195130421

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