Anzeige

Teilen auf Facebook RSS-Feed Klassik Heute
Klassik Heute - Ihr Klassik-Portal im Internet

CD • SACD • DVD-Audio • DVD Video

CD-Besprechung

Saint-Saëns

Works for Violin and Orchestra

Naxos 8.551392

1 CD • 67min • 2014, 2016

24.11.2017

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 9
Klangqualität:
Klangqualität: 9
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 9

Marc Soustrot und das Symphonieorchester Malmö legen mit dieser CD die mittlerweile siebte Folge ihrer Saint-Saëns-Einspielungen für Naxos vor. Nach den Symphonien, den Cellokonzerten und den ersten drei Klavierkonzerten widmen sie sich nun den kleineren Kompositionen für Violine und Orchester, ergänzt durch das Duo-Konzertstück La Muse et le Poète für Violine und Violoncello.

Der Anteil des Orchesters an der Gesamtwirkung der Stücke sollte nicht unterschätzt werden, doch handelt es sich hierbei um Musik, die die Solostimme eindeutig in den Mittelpunkt stellt. Das Orchester bietet eine glanzvolle Bühne, auf der die Geige mit Kantilenen und virtuosem Feuerwerk die Szene beherrschen darf. Die Interpretation dieser Werke steht und fällt mit dem Solisten. Letzteres war bei der vorliegenden Produktion nicht zu befürchten, denn mit Tianwa Yang wurde eine Violinistin gewonnen, die den Anforderungen ihrer Partie vollends gewachsen ist und sich in der Musik des französischen Meisters hörbar daheim fühlt. Die virtuosen Abschnitte der Kompositionen bewältigt sie mühelos, und es spricht für den Geschmack der Interpretin, dass sie die Brillanz, mit der der Komponist ihre Stimme ausstattet, als ein selbstverständliches Element seines Stiles hinnimmt, das gar nicht besonders herausgestellt werden muß. Sie weiß mit ihren Kräften hauszuhalten und konzentriert sich auf die Gestaltung der Feinheiten. Ihr Rubato wirkt nie übertrieben und passt, ebenso wie ihr maßvoll eingesetztes Portamento, gut zu den Stellen, an denen es Anwendung findet. Es sind vor allem die leiseren Passagen, etwa der Mittelteil des Caprice andalou op. 122 (1, ab 3:40), die in Yangs Lesart aufhorchen lassen. Saint-Saëns klingt unter ihren Händen nicht nur agil, elegant und leichtfüßig, sondern auch ein wenig introvertiert. Akzente setzt sie je nach Charakter des jeweiligen Stückes. So spielt sie die beiden Romanzen opp. 37 und 48 mit viel Vibrato. Das Rondo capriccioso op. 28 wird beim Namen genommen, sein Refrainthema über der straff im Takt bleibenden Orchesterbegleitung mit minimalen Verlangsamungen und Beschleunigungen ausgestattet. Etwas weniger geglückt wirkt die Interpretation der Havanaise op. 83, deren Hauptrhythmus ich mir von Solo und Orchester markanter vorgetragen gewünscht hätte – hier ist der Zurückhaltung etwas zu viel. Dafür gelingt Yang und Soustrot im Konzertstück op. 62 (das nicht, wie Rückseite, Beiheft und CD-Aufdruck hartnäckig behaupten, in G-Dur, sondern in e-Moll steht) eine Glanzleistung, die man getrost als Referenzeinspielung bezeichnen darf. Diesem Meisterwerk – einem Kabinettstück Saint-Saënsscher Formungskunst, dem man gern häufiger in Konzerten begegnen würde – bleiben die fein aufeinander abgestimmten Interpreten nichts schuldig. Die dramatische Konzeption wird erfasst und und adäquat zum Klingen gebracht. Die Eröffnung wirkt tatsächlich so, als würde sich das Werk allmählich aus einer Improvisation entspinnen. Und wenn nach der expansiven Exposition die weiteren Verlaufsabschnitte immer gedrängter werden, fehlt es bis zum Schluß nicht an Spannung.

In La Muse et le Poète op. 132 vergrößert sich das Ensemble um den Cellisten Gabriel Schwabe. Sein verglichen mit Tianwa Yang reicherer Gebrauch des Vibrato erscheint hier durchaus am Platze, heben sich doch dadurch die zwei Solostimmen gut voneinander ab. Der dialogische Charakter des Werkes, worin Geige und Cello über weite Strecken getrennt eingesetzt und erst nach und nach zusammengeführt werden, tritt deutlicher hervor.

Die CD klingt gut, die Aufnahme konzentriert sich verständlicherweise auf die Solostimme(n). An wenigen Stellen gerät dabei das Orchester zu sehr in den Hintergrund, wodurch Effekte abgeschwächt werden: So hätten in der Havanaise die Orchesterviolinen präsenter sein können. Den prächtigen Gesamteindruck der Veröffentlichung trübt dies angesichts der qualitativ sehr hoch stehenden Interpretationen aber kaum.

Norbert Florian Schuck [24.11.2017]

Anzeige

Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Camille Saint-Saëns
1Caprice andalous op. 122 for Violin and Orchestra 00:09:50
2Romance C-Dur op. 48 00:06:44
3La Muse et le Poète op. 132 00:16:37
4Morceau de concert G-Dur op. 62 00:10:40
5Havanaise E major op. 83 for Violin and Orchestra 00:08:24
6Romance D flat major op. 37 for Flute and Orchestra 00:05:41
7Introduction et Rondo capriccioso a-Moll op. 28 00:09:10

Interpreten der Einspielung

Vorherige ⬌ nächste Rezension

19.03.2019
»zur Besprechung«

The Golden Violin, Music of the 20s / Berlin Classics
"The Golden Violin, Music of the 20s / Berlin Classics"

Das könnte Sie auch interessieren

13.10.2020
»zur Besprechung«

Kodály • Ligeti, Duo • Solo Cello Sonata
"Kodály • Ligeti, Duo • Solo Cello Sonata"

06.10.2020
»zur Besprechung«

Beethoven, The 9 Symphonies
"Beethoven, The 9 Symphonies"

13.08.2019
»zur Besprechung«

Rolf Martinsson, Into Eternity / BIS
"Rolf Martinsson, Into Eternity / BIS"

29.05.2019
»zur Besprechung«

Wolfgang Rihm, Music for Violin and Orchestra • 2 / Naxos
"Wolfgang Rihm, Music for Violin and Orchestra • 2 / Naxos"

Anzeige

Klassik Heute - Ihr Klassik-Portal im Internet

Anzeige