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CD-Besprechung

Kalevi Aho

Concerto • Quintet

BIS 2216

1 CD • 59min • 2017

28.12.2017

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 10
Klangqualität:
Klangqualität: 10
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 10

Klassik Heute
Empfehlung

Die schwedische Firma BIS war jahrzehntelang ein Label der Repertoire-Eroberer. Heute ist es vor allem eine weitere Stärke, mit der man immer glänzte, die nach wie vor hervorzuheben ist: ”original dynamics” und in Zusammenhang damit eine fast alle Produktionen betreffende, herausragende Aufnahmequalität. Was die Vorreiterrolle bezüglich Repertoire betrifft, fallen mir momentan nur noch zwei bedeutende Zeitgenossen ein, denen sich BIS regelmäßig widmet: der äußerst distinguierte, feinsinnig formbewusste und mit kraftvollem Ausdruck fesselnde britische Tondichter John Pickard und – dies nun schon seit Jahrzehnten – der Finne Kalevi Aho, einer der zweifellos bedeutendsten Komponisten seit Sibelius. Aho hat unglaublich viele und unterschiedliche Solokonzerte für fast jedes Instrument (und sowieso für jedes gängige!) geschrieben, und seine Konzerte beispielsweise für Kontrafagott oder Theremin werden gewiss als Klassiker für diese Instrumente in die Geschichte eingehen. Alle seine Konzerte reizen die virtuosen Möglichkeiten in mehrfacher Weise grenzwertig aus, und zugleich sind sie alle – in extremer Mannigfaltigkeit – Wunderwerke nicht nur in handwerklich-technischer Hinsicht, sondern auch hinsichtlich der Inspiration des Augenblicks, einem unerschöpflich scheinenden, im ursprünglichen Wortsinne fantastischen Erfindungsreichtum.

2014-15 hat Aho für den schwedischen Saxophonisten Anders Paulsson, der unlängst die postume Uraufführung der Sopransaxophonfassung von Anders Eliassons großartiger Dritter Symphonie spielte, ein Konzert für Sopransaxophon und Kammerorchester geschrieben. Dieses Konzert glänzt mit intensiven Explorationen strukturell und atmosphärisch stark kontrastierender Episoden. Es beginnt mit einem von liegendem Klang begleiteten, ausdrucksvollen Sologesang in orientalisch anmutender Manier inklusive mikrointervallischer und glissandierender Einfärbungen, um dann in ein wildes Presto umzuschlagen. Dem folgt ein introspektives Largo von ‚Misterioso’-Charakter und ein turbulent-bizarres, auch polytonal humoristisches Finale, das in einen Epilog ausmündet, der den Bogen zum Beginn zurück spannt. Anders Paulsson agiert so makellos wie das Lapland Chamber Orchestra aus Rovanniemi unter seinem langjährigen Leiter John Storgårds.

Das andere Hauptwerk dieser CD ist Ahos Quintett für Oboe, Klarinette, Fagott, Horn und Klavier, also in der äußerst heiklen Besetzung von Mozarts zeitlosem und unübertrefflichem Meisterwerk, für die auch Eliasson mit seinem ‚Pentagramm’ ein mustergültiges Werk geschrieben hat, von dem die Musikwelt bislang noch kaum Notiz genommen hat. Auch Ahos Quintett ist meisterlich geschrieben und umspannt in vier sehr gegensätzlichen Sätzen nicht nur ein weites Ausdrucksspektrum. Es gelingt ihm hier vor allem, ein Empfinden eines zwar logisch nicht erklärbaren, jedoch intuitiv wirksamen Zusammenhangs über die Kontraste hinweg entstehen zu lassen. Für sich genommen, ist der Kopfsatz mit seinem walzernden Schwung (zugleich der längste Satz) am großartigsten gelungen, und es nötig höchste Bewunderung ab, wie es Aho gelingt, die kaum verschmelzbaren Klangfarben zu sinnfälliger Einheit zu formen. Dem folgt eine obsessiv-verrückte Toccata, ein wunderbar verhaltenes Nocturno (ein Genre-Meisterstück erster Güte) und ein recht schlagkräftiges, derbes Burlesca-Finale, bei dem mich lediglich stört, dass der Pianist Väinö Jalkanen die Sforzati allzu unkultiviert schlägt. Ansonsten leisten er und Markku Moilanen (Oboe), Pekka Niskanen (Klarinette), Antal Mojzer (Fagott) und Ilkka Puputti (Horn) allesamt Mitglieder des Lapland Chamber Orchestra, Vorzügliches in diesem herausfordernden Werk, das nicht nur technisch höchste Ansprüche stellt, sondern eben auch in seiner musikalischen ‚Logik’ so durchsichtig ist, dass man von der Komplexität nicht getäuscht werden kann. Zum Schluss gibt es eine Zugabe von 1975: Solo I für Violine, makellos brillant gespielt von Jaakko Kuusisto, ein wahrhaft geigerisches Stück, aus lyrisch kantablem (wiederum orientalisch gesprägtem), fast improvisatorisch anmutendem Beginnen heraus zu kecker Wildheit sich aufspreizend, und dabei doch stets musikalisch. Kalevi Ahos musikalische Reise bleibt faszinierend und unvorhersehbar. Die Produktion ist auch klanglich optimal, den Booklettext steuerte der Komponist selbst für seine 12. BIS-CD bei.

Christoph Schlüren [28.12.2017]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Kalevi Aho
1Konzert für Sopransaxophon und Kammerorchester 00:23:34
4Quintett für Oboe, Klarinette, Fagott, Horn und Klavier 00:24:20
8Solo I für Violine 00:09:46

Interpreten der Einspielung

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