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CD-Besprechung

Agostino Steffani

Duets of Love and Passion

cpo 555 135-2

1 CD • 71min • 2017

25.10.2017

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 7
Klangqualität:
Klangqualität: 7
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 7

Nachdem er über Jahrhunderte hinweg fast vergessen war, kam in den letzten Jahren wieder Bewegung in die Sache Agostino Steffanis, jenes aus Italien gebürtigen Komponisten (1653–1728), der den größten Teil seines Lebens in Deutschland und dort unter anderem am bayerischen Hof verbracht hatte. Dass seine Musik die Begeisterung einer so berühmten Sängerin wie Cecilia Bartolis wecken konnte (Klassik Heute berichtete), war dieser Sache wohl noch ungleich dienlicher als das doch eher akademische Engagement gut hundert Jahre zuvor, als moderne Editionen einiger Werke Steffanis innerhalb der ehrwürdigen Reihe der „Denkmäler der Tonkunst in Bayern“ vorgelegt wurden. Mittlerweile scheint Steffanis Name selbst wieder zu tragen und die guten Musiker dieser Produktion einer Auswahl von Kammerduetten bemühen nur den etwas reißerischen Titel „Duets of Love and Passion“, um Aufmerksamkeit auf ihr Repertoire zu lenken.

Die insgesamt acht hier gebotenen Stücke selbst sind denkbar schlicht gehalten: Nur eine Stimme des Basso Continuo stützt den ansonsten unbegleiteten Gesang. Unabhängig davon, ob es nun historischbelegbar ist, so scheint es doch angesichts dieser Sparsamkeit, rein musikalisch gesehen, eine sehr sinnvolle Entscheidung des Boston Early Music Festival Chamber Ensembles zu sein, den Continuo mit Theorbe, Gitarre, Harfe, Cembalo und zwei Streichinstrumenten reich zu besetzen; ansonsten wäre es wohl zu gewissen Durststrecken gekommen, obwohl die Sänger, die beiden Sopranistinnen Amanda Forsythe und Emöke Baráth sowie der Tenor Colin Balzer und der Bariton Christian Immler, sämtlich mit angenehmen Stimmen und fühlbarer Präsenz sehr lebhaft und kurzweilig auftreten. Sieht man sich einmal die Noten an, ist es schon bemerkenswert, was da vom Ensemble alles an Tremoli, Verzierungen und Effekten veranstaltet wird, wenn doch eigentlich nur ein einziger Ton vorgeschrieben ist.

Nicht immer jedoch ist die Aggressivität, mit der die Instrumente traktiert werden, so passend wie etwa in dem Solorezitativ im Kammerduett „Lilla mia“ des Baritons. So ganz wird man als Hörer den Eindruck nicht los, dass seitens der Spieler, weniger der Sänger, ab und an mit einem gewissen Übereifer, der Hektik des Musizierens etwa, ein möglicher Zweifel an der melodischen Tragfähigkeit Steffanis übertüncht wird. Kaum einmal wird bei einem Klang oder einem Einfall auch nur kurz verweilt, immer drängt die Entwicklung rastlos nach vorne. Schwerer wiegt, dass auf der Suche nach dem ständigen Effekt in der Gestaltung der Bassstimme immer wieder kleine motivische Einheiten zerstört werden, die genau jene Kohärenz herstellen könnten, welche die Musik formal binden und so stärker und letztlich wirksamer machen würde. Vielleicht braucht man mehr noch als Begeisterung für Steffani ein tiefes Vertrauen in seine Musik – und nicht zuletzt auch eine erst noch wiederzugewinnende Vertrautheit –, um ihn voll und ganz wieder zu entdecken.

Dr. Michael B. Weiß [25.10.2017]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Agostino Steffani
1Su, ferisci, alato arciero 00:09:03
2Tengo per infallibile 00:07:19
3E perché non m'uccidete 00:09:20
4Lilla mia 00:12:42
5Occhi belli, non più 00:10:31
6Fulminate, saettate 00:07:13
7Quanto care al cor 00:07:13
8Gelosia 00:07:37

Interpreten der Einspielung

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