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CD-Besprechung

Franz Lehár

Die Juxheirat

Franz Lehár

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 8

Klangqualität:
Klangqualität: 7

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 9

Besprechung: 17.07.17

cpo 555 049-2

2 CD • 2h 03min • 2016

In dieser frühen Operette von Franz Lehár begegnen wir einem amerikanischen Milliardär, der keine anderen Sorgen hat, als seine verwitwete Tochter Selma wieder zu verheiraten. Doch die hat mit einigen Freundinnen den Frauenbund L.V.M. (Los vom Mann) gegründet, der auf Ehe- und Kinderlosigkeit eingeschworen ist. Den Librettisten Julius Bauer hat die 1903 in England ins Leben gerufene „Women’s Social and Political Union“ zu diesem Plot inspiriert, der in drei Akten voll hanebüchener Verwicklungen damit endet, dass Selma den ihr zugedachten Grafen Harold von Reckenburg doch noch nimmt. Auch ihre Freundinnen sind zu diesem Zeitpunkt der Ehe längst nicht mehr abgeneigt.

Dass diese Operette nach einer respektablen Premiere im Theater an der Wien (22. Dezember 1904) nach nur 39 Vorstellungen wieder vom Spielplan verschwand, lag wohl nicht zuletzt an gravierenden dramaturgischen Schwächen. Schon die ziemlich an den Haaren herbeigezogene Intrige – Harold soll angeblich seine Schwester in Männerkleidung sein -, vermag die Handlung nicht wirklich in Gang zu halten, noch größere Probleme schafft das unüberschaubare Personal. Fünf Frauen müssen unter die Haube gebracht werden, was in vier Fällen gelingt, wobei ein Heiratskandidat überhaupt nicht auf der Szene erscheint. Doch für die einzelnen Rollen fällt da nicht genug vom musikalischen Kuchen ab. Die Figuren bleiben schemenhaft, vor allem den „Protagonisten“ Selma und Harold wird vom Buffo-Paar, der Akademikerin Phoebe und dem Chauffeur Philly, deutlich die Show gestohlen.

Sieht man von diesen dramaturgischen Mängeln ab, die einer heutigen Wiederbelebung des Stücks im Wege stehen, amüsiert der Text Bauers (den man seiner sonstigen Komödienproduktion wegen gar den „Wiener Aristophanes“ nannte) als eine Art Zeitgeist-Kabarett, das eine neue Note in die Gattung bringt, die sich nach dem Ende der „Goldenen Ära“ in einer Phase des Umbruchs befand. Zahllos sind die musikalischen, literarischen und philosophischen Anspielungen, das reicht von Wagner-Parodien bis zu Nietzsche- und Schopenhauer-Zitaten. Im Tanzterzett des 2. Aktes, einer der witzigsten Nummern des Stücks, wird das Frauenbild bei großen Dichtern und Denkern durch den Kakao gezogen. Im Grunde handelt es sich bei Die Juxheirat um eine Offenbachiade, die aber für die Erneuerung der Wiener Operette kein gangbarer Weg zu sein schien.

Und Lehárs Musik? Nur ein sehr geübtes Ohr kann aus dieser Partitur den Komponisten der Lustigen Witwe heraushören, die nur wenige Monate darauf ihren beispiellosen Siegeszug antrat. Für große Gefühle, die ja ein Markenzeichen des späteren Lehár wurden, war in diesem Nonsense-Sujet kein Platz. Es gibt hier kaum Arien, sondern eher coupletartige Gebilde, hübsche Duette und Terzette und ergiebige Final-Ensembles. Und die Musik ist mehr vom Geist des Rhythmus als von melodischer Einfallskraft geprägt. Was wäre wohl aus Lehár geworden, hätten neue Offenbachiaden in Wien eine echte Marktchance gehabt?

Beim Lehár-Festival in Bad Ischl hat man Die Juxheirat im vergangenen Jahr erneut zur Diskussion gestellt, halbszenisch zwar nur, aber mit der auch auf der Konserve spürbaren Lust am Theaterspiel. Das Publikum goutiert die Scherze vor allem des Milliardärs, den der erfahrene Gerhard Ernst gibt, und des Chauffeurs, den bei der Uraufführung der legendäre Alexander Girardi gab und den hier der junge Christoph Filler mit gebotener Lockerheit ausstattet. Maya Boog ist als Selma eine Prima inter pares, ihre jungen Kolleginnen Sieglinde Feldhofer (Phoebe) und Ilia Staple (Edith) verstehen es, sich stimmlich ins rechte Licht zu rücken. Der Tenor Jevgenij Taruntsov hat als Harold nur wenig Gelegenheit zu glänzen, sein Fachkollege Alexander Kaimbacher tut sich mit der auch komisch unterfütterten Partie des Milliardärssohns Arthur leichter. Der Dirigent Marius Burkert sorgt auch bei dieser Ausgrabung wieder für einen beschwingten und launigen Sound.

Ekkehard Pluta [17.07.2017]

Bechsteinkonzert

Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 F. Lehár Die Juxheirat (Operette in drei Akten) 02:02:55

Interpreten der Einspielung

Interpret(en)Besetzung
Gerhard Ernst Thomas Brockwiller
Maya Boog Selma, Baronin von Wilfort, Brockwillers Tochter
Alexander Kaimbacher Captain Arthur, Brockwillers Sohn
Sieglinde Feldhofer Miss Phoebe
Ilia Staple Miss Edith
Rita Peterl Miss Euphrasia
Jevgenij Taruntsov Harold von Reckenburg
Anna-Sophie Kostal Juliane von Reckenburg
Christoph Filler Philly Kaps
Tomaz Kovacic Huckland
Matthias Schuppli Haushofmeister
Wolfgang Gerold Oberst Summer
Claudiu Sola Ein alter General
Nikola Basta Sergeant
Chor des Lehár Festivals Bad Ischl Chor
Franz Lehár-Orchester Orchester
Marius Burkert Dirigent
 
555 049-2;0761203504923

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