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CD/SACD stereo/surround-Besprechung

4 x Anders Eliasson

Notturno | Senza Risposte | Fogliame | Notturno

BIS 2270

1 CD/SACD stereo/surround • 68min • 2016

08.05.2017

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 10
Klangqualität:
Klangqualität: 10
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 10

Klassik Heute
Empfehlung

Vier zwischen 1981 und 2010 entstandene, durchweg einsätzige Trios und Quartette für unterschiedliche Besetzungen von Anders Eliasson (1947-2013), dem überragenden schwedischen Klassiker der Jahrtausendwende, hat das Ensemble Norbotten Neo im Mai 2016 eingespielt. Dass das Programm mit dem ‚Notturno’ für Bassklarinette, Cello und Klavier von 1981 eröffnet wird, ist zwar chronologisch logisch, jedoch insofern ungünstig, als es sich hier um das rhythmisch am schwersten zugängliche und daher selbst für den interessierten und mit Eliasson vertrauten Hörer am ehesten unverständlich bleibende Werk handelt, zumal die extremen dynamischen Kontraste kaum verwirklicht werden. Umso fesselnder gerät der Rest. Senza risposte, ein Quartett für Flöte, Violine, Cello und Klavier von 1983, erinnert in seinen Obsessionen, seinem flackernden Kampfgeist an Desert Point, das zwei Jahre zuvor entstandene erste Meisterwerk Eliassons für Streichorchester. Fogliame für Streichtrio und Klavier von 1990 ist mit knapp 22 Minuten die umfangreichste Komposition. Hier wird die alte, bei Caprice Records erhältliche Aufnahme hinsichtlich Klarheit, Präzision und Flexibilität des Ausdrucks weit übertroffen, die gigantische Architektur erscheint nunmehr weit greifbarer als Gesamtgestalt. Den Schluss bildet das in den Stilmitteln, ähnlich den anderen reifen Werken wie der Sinfonia per archi, der Vierten Symphonie, dem Violinkonzert Einsame Fahrt, der Monolog-Oper Karolinas Schlaf oder dem finalen Streichtrio, viel purere, auf das absolut Wesentliche reduzierte Trio für Violine, Vibraphon und Klavier, das mit einem Quasi-Choralsatz endet, der wie eine Essenz der singulären Eliasson’schen Tonsprache mit ihrer ‚fliegenden’ freien Tonalität (und eben nicht harmonisch fragmentierten ‚Atonalität’!) anmutet – eine Art Reverenz an Johann Sebastian Bach aus einer anderen, transzendenten neuen Welt.

Diese Werke stellen nicht nur technisch hohe Anforderungen an die Musiker, die mit ihrem weitgehend makellosen Spiel beweisen, wie intensiv sie sich um die Erarbeitung gekümmert haben. Gerade auch bezüglich der musikalischen Gestaltung ist die Herausforderung immens, denn im Gegensatz zu den Strömungen der sogenannten Avantgarde ist Eliassons Musik stets bezwingend zusammenhängend geformt, ohne dass es auch nur irgendeine Schablone gäbe, auf die zur Orientierung zurückgegriffen werden könnte. Mit korrekter Wiedergabe der Noten alleine ist dieser Musik nicht beizukommen, sie stellt gestalterische Aufgaben, wie sie uns die Klassiker präsentieren, und der Rhythmus verlangt Groove und Swing, der große Verlauf Momentum und subtilste Biegsamkeit, ohne – außer an den seltenen Fermaten – auch nur für einen Moment mit dem klaren Pulsieren des Metrums auszusetzen. Mit der serialistisch geprägten Mentalität des kalten Exekutierens ist hier gar nichts auszurichten. Das scheinen die Musiker auf vorliegendem Album zumindest ansatzweise verstanden zu haben, und sie bewegen sich damit als Pioniere in kaum erschlossenem Land auf den Spuren so verwegener Vorgänger wie dem Dirigenten Juha Kangas oder dem amerikanischen Saxophonisten und Dirigenten John-Edward Kelly, um die zwei bedeutendsten und verdienstvollsten Botschafter Eliassons zu dessen Lebzeiten zu nennen. Eine hoch anspruchsvolle Zusammenstellung, die zeigt, was wirklich substanzielle Musik unserer Zeit, die eine absolute Ausnahme darstellt, sein kann. Vorzügliches Klangbild und ein kompetenter Booklettext des Biographen Tony Lundman runden das exzellente Gesamtbild ab.

Christoph Schlüren [08.05.2017]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Anders Eliasson
1Notturno für Bassklarinette, Violoncello und Klavier 00:12:32
2Senza Risposte für Flöte, Violine, Violoncello und Klavier 00:13:40
3Fogliame für Violine, Viola, Violoncello und Klavier 00:21:54
4Trio für Violine, Vibraphon und Klavier 00:18:30

Interpreten der Einspielung

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