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CD-Besprechung

Felix Woyrsch

Piano Trio • Vier Lieder

cpo 555 122-2

1 CD • 71min • 2016

27.02.2017

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 8
Klangqualität:
Klangqualität: 9
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 9

Mit Felix Woyrsch und Rubin Goldmark kombiniert das Hyperion Trio zwei Komponisten, die man nicht ohne weiteres in Zusammenhang bringen würde. Der Altonaer Felix Woyrsch (1860-1944), exakter Zeitgenosse von Gustav Mahler und Hugo Wolf, doch viel länger aktiv, ist einer der bedeutendsten und eigenständigsten Symphoniker seiner Generation. In der Mentalität ist er Brahms verwandt, mit jener typisch norddeutschen Herbheit und Liebe zur introvertierten Dimension der Harmonik, mit fantasievollem und stringent-lyrischem Kontrapunkt, rhythmisch klar konturiert und kontrastbewusst agierend, doch stilistisch steht er ganz auf der Höhe seiner Epoche. Wyorschs Kammermusik kennen wir noch weit weniger als seine Symphonik, die in den letzten Jahren entdeckt wird. Er ist kein einfacher Komponist, er will in seinen verwinkelten Fakturen entdeckt werden, zeigt stets höchst individuelles Gepräge. Rubin Goldmark (1872-1936) hingegen, der in New York geborene und als begehrter und höchst erfolgreicher Lehrmeister wirkende Neffe von Carl Goldmark und Schüler von Robert Fuchs in Wien, schreibt in vollendeter Meisterschaft eine musikantisch entgegenkommende, sofort verständliche Musik. Er hat hierin seinen Lehrer Dvorák beerbt, und seine eigene schöpferische Elastizität, eklektizistisch im erfrischenden Sinne, ermöglichte ihm, an der Juilliard School so unterschiedlichen Schülern wie George Gershwin oder Aaron Copland sein praktisches Wissen vermitteln zu können. Seinen vollendeten Ausdruck findet Rubin Goldmarks Schule wohl in den meisterlichen Werken des großen Italo-Amerikaners Vittorio Giannini.

Sein Klaviertrio d-moll op. 1 vollendete Rubin Goldmark im Alter von 22 Jahren. Es bezeugt eine Frühreife, die an Mendelssohn oder Bizet erinnert, absolute technische Meisterschaft, blühendes Melos von immenser Schönheit, makellosen Sinn für den Charakter der Instrumente, Beherrschung der traditionellen Formtypen in vollendeter Balance. Ganz besonders ragt das so knappe wie hinreißend spritzige Scherzo mit seinem wunderbar versonnen walzernden Trio hervor, und auch die Ecksätze zeigen vorzügliches Format. In vielem steht er Dvorák hier noch ganz nahe, und die Musik versprüht ungetrübte Lebensfreude und bezaubert auch mit einer stets präsenten Feinheit der Erfindung, die keinen Leerlauf in all der Gefälligkeit einkehren lässt. Dieses Werk wird man jederzeit gerne wieder hören, und das Hyperion Trio scheint sich sehr wohl in dieser Tonsprache zu fühlen.

Woyrschs Klaviertrio in e-moll op. 69 fordert Musiker und Hörer in nicht geringerer, ja vielleicht extremerer Weise heraus als sein großer Vorläufer Brahms. Es ist klanglich nicht verschwenderisch aufgebaut, sondern man hat durchgehend den Eindruck, dass dem Komponisten jede Note wesentlich ist, und es braucht immense Wachsamkeit und Vorausschau in der Gestaltung, um den Linien, harmonischen Wendungen, großen Modulationszügen und machtvoll errichteten Kontrasten jene Natürlichkeit, jenes zusammenhängende ‚Nicht-anders-sein-Können’ zuteil werden zu lassen, das den Komponisten zweifellos beseelt hat. Ein tiefer Ernst, doch nie verbohrt, und eine leidenschaftlich im Innern suchende Lyrik beherrscht das ganze Werk mit Ausnahme des kurzen, „sehr gemächlichen“ Scherzos, das sich ehestens unmittelbar in seinem Wesen eröffnet. Der langsame Satz zählt zu den Höhepunkten in dieser Gattung in der ‚spätromantischen’ Epoche, der Kopfsatz ist gestalterisch besonders anspruchsvoll, das großartige Finale zieht zugleich zyklisch die Stränge zusammen und lässt das gesamte halbstündige Werk als überwältigend geschlossene Einheit erscheinen. Dies alles, für Musiker höchsten Karats eine hohe Anforderung bildend, übersteigt allerdings den Horizont vorliegender Aufnahme – was wahrlich verzeihlich ist: mir würden nicht viele Musiker heute einfallen, die dem wirklich gerecht zu werden vermöchten. Immerhin, der Eindruck von etwas ganz Großem ist geliefert, und weitere dürften kommen, um sich an den Herrlichkeiten dieser Musik die Zähne auszubeißen.

Zwischen den beiden Trios finden sich vier frühe Lieder Woyrschs (op. 2, entstanden in der ersten Hälfte der 1880er Jahre). Diese sind absolut zauberhaft, die ersten beiden sind von Klavier und Cello, die beiden weiteren von Klavier und Violine begleitet. Schon hier hat der Tonsetzer seine eigene, allem billigen Effekt entsagende, erzählerisch mit Innigkeit und Aufrichtigkeit fesselnde Tonsprache gefunden, und Carolina Ullrich tut das ihrige, um diese romantischen Spätblüten im Herzen der Hörer zu verankern. Eine sehr gute Aufnahmetechnik (Michael Morawietz für DeutschlandRadio Köln) und Jürgen Schaarwächters informativer Booklettext sind weitere Pluspunkte dieser hochwertigen Trouvaillensammlung.

Christoph Schlüren [27.02.2017]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Rubin Goldmark
1Trio op. 1 für Violine, Violoncello und Klavier 00:30:03
Felix Woyrsch
5Ein Fichtenbaum steht einsam op. 2 Nr. 1 00:02:21
6Die Lotosblume ängstigt sich vor der Sonne Pracht op. 2 Nr. 2 00:04:58
7Die schlanke Wasserlilie schaut träumend empor aus dem See op. 2 Nr. 3 00:01:42
8Weil auf mir du dunkles Auge op. 2 Nr. 4 00:02:27
9Trio op. 65 für Violine, Violoncello und Klavier 00:28:54

Interpreten der Einspielung

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