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CD-Besprechung

Evgenia Rubinova

An die ferne Geliebte
Beethoven • Liszt

Telos Music TLS 217

1 CD • 65min • 2015

22.02.2017

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 9
Klangqualität:
Klangqualität: 10
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 10

Klassik Heute
Empfehlung

Evgenia Rubinova beweist auf ihrer neuen CD konzeptionelle Durchdachtheit und bezügereiche Zusammenstellung. Die CD des Labels telos Music heißt „An die ferne Geliebte“ und stellt weniger bekannte bzw. gespielte Werke von Beethoven und Liszt in einen spannungsreichen Diskurs.

Evgenia Rubinova ist in Taschkent geboren und lehrt jetzt am Leopold-Mozart-Zentrum in Augsburg. Das ist als eine künstlerische Abteilung in die Philosophisch-Sozialwissenschaftliche Fakultät der Universität Augsburg integriert. So ist es nicht verwunderlich, dass sich diese philosophische Nachbarschaft in der Programm-Konzeption, aber auch im Spiel der hervorragenden Pianistin niederschlägt. Dazu passt auch, dass Frau Rubinova die Booklet-Texte selber verfasst hat.

Zwei Beethoven-Bearbeitungen durch Franz Liszt umrahmen das CD-Programm: Am Anfang steht der Liederzyklus An die ferne Geliebte. Evgenia Rubinova erzählt hier mit blühendem Lyrismus, zarter Poesie und sehnsüchtiger Versunkenheit, vor allem aber mit singendem Anschlag und leuchtendem Klang eine romantische Geschichte voller Liebe und Sehnsucht. Das abschließende „Capriccio all turca (über Themen aus Beethovens Die Ruinen von Athen) präsentiert Frau Rubinova mit illustrem Pomp, blitzendem Witz und flimmerndem Glanz, zwischendurch mit leicht ironischem Zwinkern über so viel „äußerliche“ Musik.

Demselben Türkischen Marsch hat Beethoven in seinem op. 76 Sechs Variationen in D-Dur verpasst. Hier erfreut Evgenia Rubinova mit Silberfiligran und weich schimmerndem Klang in den Terzen- und Dezimenketten. Allenfalls der lärmende Schluss hätte noch ingrimmig-humoristischer ausfallen können. Relativ unbekannt sind Beethovens 12 Variationen über den Russischen Tanz aus Wranitzkys Ballett „Das Waldmädchen in A-Dur“ WoO 71. Mit höchst variablem Anschlag spielt Evgenia Rubinova die vielen klanglichen Reize aus und lässt immer wieder die schwingende Pendelbewegung entstehen, die diese Variationen durchgehend prägt.

Konzeptionelle Geschlossenheit und fast philosophische Durchdringung der Form sind die Stärken der – auch im Konzertsaal nicht oft gespielten – Beethoven-Sonaten op. 10,1 und 2. Bezwingend dabei ist insbesondere, wie Evgenia Rubinova im Kopfsatz von op. 10/1 brausend voranstürmt und gleichzeitig alles aus einem Guss gestaltet: Philosophie mit Feuer. Nicht umsonst hat Siegfried Mauser in seinem musikalischen Werkführer gerade bei dieser Sonate die Nachbarschaft zu dem Philosophen Hegel ins Spiel gebracht – immerhin ein Zeitgenosse Beethovens.

Das Klangbild der CD ist hochfrequenzig hell, plastisch deutlich und doch angenehm rund. Diese CD zu hören und immer wieder zu hören ist ein Genuss.

Rainer W. Janka [22.02.2017]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Ludwig van Beethoven
1Auf dem Hügel sitz ich spähend op. 98 No. 1 00:02:17
2Wo die Berge so blau op. 98 No. 2 00:01:30
3Leichte Segler in den Höhen op. 98 No. 3 00:01:31
4Diese Wolken in den Höhen op. 98 No. 4 00:00:46
5Es kehret der Maien, es blühet die Au op. 98 No. 5 00:01:52
6Nimm sie hin denn diese Lieder op. 98 No. 6 00:03:30
76 Variationen D-Dur op. 76 00:06:23
8Klaviersonate Nr. 5 c-Moll op. 10 Nr. 1 00:16:36
11Klaviersonate Nr. 6 F-Dur op. 10 Nr. 2 00:12:14
1412 Variationen über den russischen Tanz a. d. Ballett Das Waldmädchen v. Wranitzky A-Dur WoO 71 WoO 71 00:10:31
Franz Liszt
15Capriccio alla Turca S 388 R. 121 (über Themen aus Beethovens "Die Ruinen von Athen") 00:08:12

Interpreten der Einspielung

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