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CD-Besprechung

Mischa Meyer, Violoncello

J.S. Bach • B.A. Zimmermann

Ambiente ACD-3038

1 CD • 52min • 2014

17.02.2017

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 9
Klangqualität:
Klangqualität: 9
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 9

Sind es der universelle Tonumfang und die daraus resultierenden emotionalen Ausdrucksmöglichkeiten des Cellos, welche Komponisten zu so vielen einzigartigen Solowerken gerade für dieses Streichinstrument inspiriert haben? Dabei ist der Interpret der vorliegenden neuen CD in erster Linie ein leidenschaftlicher Orchestermusiker: Mischa Meyer ist Solocellist im Deutschen Sinfonieorchester – eine beachtliche Karriere für den gerade einmal 23 Jahre jungen Sohn des Klarinettisten Wolfgang Meyer.

Die erste sowie die dritte Solosuite von Johann Sebastian Bach „rahmen“ auf Meyers Solo-Debut ein Schlüsselwerk der Moderne ein: nämlich Bernd Alois Zimmermanns Suite für Cello solo aus dem Jahr 1960. Aber eine solche „Sandwich“-Dramaturgie dient hier wohl kaum dazu, einem Abonnentenpublikum das Anhören einer modernen Komposition schmackhaft zu machen. Vielmehr zeigen die Kompositionen von Bach und Zimmermann verwandte Wege auf, wenn dieses ausdrucksstarke Instrument in einen Dialog mit den eigenen Möglichkeiten (oder denen des Spielers) tritt.

Johann Sebastian Bach löste in seinen Solosuiten zeitgenössische modische Tanzformen aus ihrer Konnotion und erhob sie in den Kontext einer überragenden Komplexität und Kunstfertigkeit. Mischa Meyer musiziert die Suiten Nr. 1 und Nr. 3 so authentisch und selbstverständlich, dass man gar nicht weiter über die hohe Messlatte zahlloser Interpretationsvergleiche nachdenkt. Meyer setzt auf lebendige Artikulation, kleidet also die bewegteren Tonfolgen in den Bach-Sätzen eben nicht in lange Legatobögen, sondern lässt die Musik umso mehr in federnder, manchmal stakkatoartiger Strichart sprechen. Herrlich agil durchstürmt sein Spiel die tänzerischen Parts und vermeidet dementsprechend in den Sarabande-Sätzen jede breit auswalzende Agogik. Das hat manchmal etwas schmuckloses, lässt aber viele klug gesetzte, faszinierende Effekte und Auszierungen umso treffsicher wirken.

Bernd Alois Zimmermann arbeitet in seiner bahnbrechenden Solosuite aus dem Jahr 1960 mit der Gleichzeitigkeit verschiedener alter und neuer Prinzipien. Auch diese Sonate ist ein instrumentaler Monolog, deren Sätze so vielgestaltige Ansätze transportieren, dass Zimmermann dafür sogar eigene Formbegriffe kreiert hat. Zwölftonreihen, aber auch uralte mittelalterliche Formen kommen hier zusammen. Mischa Meyer macht sämtliche konträren, hier unmittelbar aufeinender bezogenen Aspekte erfahrbar, führt sie zu einem rasch geschnittenen Hörfilms zusammen. Da weiten sich Einzeltöne zu sphärischen Klangstudien aus, prallen vertrackte Pizzicato-Figuren aufeinander, folgen Momente der Stille jähe Ausbrüche in raschen Wechseln. Oder es münden breit ausgewaltze Klangmassen in hauchzarte Pianissomo-Figuren, deren Gestus auch manchmal improvisiert anmutet. Mischa Meyer bringt auch dieses herausfordernde Material in einen zeitlosen, sprechenden Fluss.

Wie ein Zurückkommen wirkt danach der abrupte Wechsel zum glasklaren C-Dur des Präludiums der dritten Bach-Suite. Sie nimmt Miascha Meyer jetzt deutlich extravaganter, als die G-Dur-Suite am Anfang. Nicht zuletzt erzeugt er verblüffende Wirkungen, indem er die vertrackten Akkorbrechungen manchmal fast zu Klangflächen verdichtet. Die wache Auseinandersetzung mit zeitgenössischer Musik hat auch immer bereichernde Synergieeffekte für die großen Werke der Musikhistorie, was für Hörer und Interpreten gleichermaßen gilt. Das Finale dieser CD, Mischa Meyers Interpretation der C-Dur Suite profitiert auf jeden Fall davon.

Stefan Pieper [17.02.2017]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Johann Sebastian Bach
1Suite Nr. 1 G-Dur BWV 1007 für Violoncello solo 00:16:11
Bernd-Alois Zimmermann
7Sonate für Violoncello („... et suis spatiis transeunt universa sub caelo ...“ („... und alles Vornehmen unter dem Himmel hat seine Stunde ...“), 1960) 00:15:48
Johann Sebastian Bach
12Suite Nr. 3 C-Dur BWV 1009 für Violoncello solo 00:19:54

Interpreten der Einspielung

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