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CD/SACD stereo/surround-Besprechung

Franz Schreker

Orchestral Music from the Operas

BIS 2212

1 CD/SACD stereo/surround • 69min • 2015

02.11.2016

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 8
Klangqualität:
Klangqualität: 10
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 9

Auf ein Schreker-Orchesteralbum bei BIS haben wir gewartet, denn der ungeheure Reichtum und die dynamischen Extreme seiner Orchestration verdienen eine hohe audiophile Qualität, wie sie mit dieser Konstanz gerade im Bereich großorchestraler Aufnahmen außer dem schwedischen Label nur wenige aufweisen können. So machen denn auch Engineer Thore Brinkmann und Produzent Ingo Petry wieder einmal verdammt gute Arbeit in der ihnen bestens bekannten Berwald-Halle des Schwedischen Rundfunks in Stockholm. Es spielt die Königlich Schwedische Hofkapelle (Royal Swedish Orchestra), also das 1526 gegründete Orchester der Stockholmer Oper, unter seinem Chefdirigenten Lawrence Renes.

Franz Schreker war ein Genie, daran kann schon lange kein Zweifel mehr bestehen, weit origineller als die meisten seiner teilweise auch mehr gespielten Zeitgenossen. Vier der hier zusammengestellten fünf Orchesterstücke entstammen aus Opern Schrekers, eines – das Vorspiel zu einer großen Oper, sein krönendes, letztes vollendetes Werk – einem exotischen Opernprojekt Memnon, das ihn lange beschäftigte, jedoch nicht mehr zur Ausführung. Nachdem er, dessen Berliner Schule in der Weimarer Republik legendär ist, von den Nazis aller Ämter enthoben und gedemütigt worden war, starb er gebrochen nach mehreren Schlaganfällen. Ich finde, wir haben einiges an ihm gutzumachen.

Das Programm der CD ist gerahmt von zwei Zwischenspielen (zu Beginn das sehr abwechslungsreiche, dramatische ‚Symphonische Zwischenspiel’ aus Der Schatzgräber, zum Schluss das von Schreker für den Konzertvortrag erweiterte, verführerisch vielfarbig schillernde ‚Nachtstück’ aus Der ferne Klang. Dazwischen drei Vorspiele: zu Die Gezeichneten (das berühmteste, jedoch leider in der kurzen Opernfassung anstatt in der großen symphonischen Fassung als ‚Vorspiel zu einem Drama’), zu Das Spielwerk (wunderbar feine, auch höchst bizarre Musik, für die Schreker sicher den Schluss expandiert und umgestaltet hätte, um sie konzerttauglich zu machen), und das gigantische ‚Vorspiel zu einer großen Oper’, mit 22 Minuten auch das deutlich umfangreichste Werk dieser Zusammenstellung.

Die Aufführung sind ernsthaft und engagiert, aber ich möchte doch einmal fragen, wie viel Zeit man letztlich hatte, diese drei sehr anspruchsvollen Partituren umzusetzen. Am selbstverständlichsten scheint mir das Orchester im ‚Nachtstück’ aus dem Fernen Klang, dem frühesten und unmittelbar fesselndsten Werk, zuhause zu sein. Die wirklich organisch bezwingende Folgerichtigkeit will sich, bei allem leidenschaftlichen Bemühen, nicht einstellen. Das subtile Rubato, nach dem diese Musik außer in den streng rhythmisierten Abschnitten (die am bestechendsten in den tänzerischen Passagen im ‚Vorspiel zu einer großen Oper’ vorkommen) stets in ihrer naturgegebenen Flexibilität des Ausdrucks verlangt, darf man heute nicht erwarten – es ist uns auch bei Brahms abhanden gekommen. Aber es fällt schon auf, wenn dann plötzlich ein Ritardando so ungeschmeidig das Tempo continuo bricht, anstatt Resultat einer gewissen unterschwellig bewussten Vorbereitung zu sein.

Wie es im Saal geklungen hat, wissen wir natürlich nicht, aber was die BIS-Tontechnik da an Differenzierung aus den Lautsprechern zaubert, ist schon erstaunlich, und so möchte diese – auch mit einem sehr soliden Booklettext von Horst Scholz versehene – Neueinspielung einstweilen an der Spitze der von Schreker verfügbaren Orchesteraufnahmen ansiedeln. Möge sie dazu anregen, diese großartige Musik mehr und mehr in unseren Konzertsälen erklingen zu lassen.

Christoph Schlüren [02.11.2016]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Franz Schreker
1Der Schatzgräber 00:13:25
2Die Gezeichneten 00:09:24
3Das Spielwerk und die Prinzessin 00:06:46
4Vorspiel zu einer großen Oper 00:22:02
5Nachtstück (aus: Der ferne Klang) 00:15:19

Interpreten der Einspielung

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