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CD-Besprechung

Jan van Gilse

Piano Concerto "Drei Tanzskizzen"

Jan van Gilse

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 10

Klangqualität:
Klangqualität: 9

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 10

Besprechung: 23.05.16

Klassik Heute
Empfehlung

cpo 777 934-2

1 CD • 63min • 2014

„Die Stiftung ‚De Vegeten Componist‘ (DeVeCo) wurde 2006 gegründet und will die Musik von Komponisten, die zu Unrecht in Vergessenheit geraten sind, wieder der Aufmerksamkeit von Musikern und Musikliebhabern nahebringen.“ So liest man es im Begleitheft einer cpo-Produktion, die sich dem Schaffen des niederländischen, aus Rotterdam stammenden Komponisten Jan van Gilse (1881 – 1944) zuwendet und mit zwei anspruchsvollen, in jeder Hinsicht interessanten und über weite Strecke auch unterhaltsamen Kompositionen alle Aufmerksamkeit verdient. Sechzehnjährig kam van Gilse nach Köln, wo er beim damaligen Konservatoriumsdirektor Franz Wüllner die Aufnahmeprüfung ablegte. Zu den Studenten des Kölner Instituts gehörte kurz zuvor auch Willem Mengelberg, der ab 1895 das Amsterdamer Concertgebouworkest leitete. Über den weiteren beruflichen und privaten Lebensweg van Gilses unterrichtet der ausgezeichnete Einführungstext von Jon Smit. Auffällig für das musikalische Schicksal des Komponisten bleibt es, wenn Smit erwähnt, dass die Zeit nach dem Ersten Weltkrieg ungünstig war, „denn in den Niederlanden war eine ziemlich antideutsche Stimmung entstanden“. Und van Gilse, der seine erste Stelle an der Städtischen Oper von Bremen als Korrepetitor angetreten hatte, wurde zu guten – oder auch zu schlechten – künstlerischen Teilen mit deutschen Musikgepflogenheiten in Verbindung gebracht.

Zur prägnanten Zeichnung und dementsprechend auch zur überzeugenden Wirkung der beiden eingespielten Werke tragen die Interpreten dieser Dokumentation insofern entscheidend bei, als sie auch über die eine oder andere zähe, musikantisch steife Passage hinweghelfen. Umso mehr aber die gelenkigen, heiteren, historisierend-gewandten und einfallsreich instrumentierten Sequenzen aufmerksam, ja – wie mir scheint – hingebungsvoll ausleuchten und auf hoher Betriebstemperatur halten. So unterbinden Oliver Triendl – der unermüdlich im Verschollenen fahndende Pianist – und das ungemein farbig und präzis „auftretende“ Netherland Symphony Orchestra unter der Leitung von David Porcelijn so gut wie jede Möglichkeit, sich als Hörer in der Weiträumigkeit des Klavierkonzerts zu verirren. Immerhin nehmen diese Drei Tanzskizzen mehr als 40 Minuten in Anspruch! Bei der stilistischen Diagnose der drei Sätze (Tempo di Menuetto, Hommage à Johann Strauss, Quasi Jazz) halte ich mich an kritische Zeitgenossen des Komponisten, die sich eher an „Tanzparaphrasen“ erinnert fühlten.

Die Menuetto-Eröffnung darf man durchaus in Nachbarschaft etwa zu Richard Straussens raffiniert rückspiegelnden Bürger als Edelmann hören: Tänzeleien und artige Gesellschaftsakrobatik im ästhetischen Grenzgebiet zwischen französischer Grazie und deutscher Robustheit in Vorahnung der Tanzmodalitäten etwa im Œuvre von Paul Hindemith. Die musikalische Johann Strauss-Verbeugung eröffnet van Gilse mit bulligen, dunkel gefärbten Akkordpakten. Somit liegt es nahe, an Ravels düstere La Valse-Konzeption zu denken. Indes, die klanglichen Gewitterwolken verziehen sich schon bald. Sie weichen einer amüsanten Folge von bald wienerischen, bald überregionalen An- und Zuspielungen in tänzerischer Instrumentalmundart, in deren Verlauf der zweifellos anspruchsvolle, aber nicht unbedingt „dankbare“ Klavierpart eine überwiegend rhythmisierende Rolle einnimmt.

Was den Jazz anbelangt, so sollten sich Verehrer dieser musikalischen Sparte von van Gilses dritter Tanzskizze nicht allzu viel erwarten. Ravel, Strawinsky oder auch Gershwin bleiben im Rahmen dieser speziellen Stil-Inhalation die besseren Adressen. Gleichwohl tut sich was in diesen 13 Minuten. Der Solist und das Orchester können einige Register ihrer koloristischen und mobilen Möglichkeiten ziehen. Vorzüge, die auch in den kunstvoll-artigen Orchester-Variationen über ein holländisches St. Nikolaasliedje den Hörer bei Laune halten.

Peter Cossé [23.05.2016]

Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 J. van Gilse Klavierkonzert (Drei Tanzskizzen) 00:41:46
4 Variations on a Saint-Nicolas Song 00:21:37

Interpreten der Einspielung

Interpret(en)Besetzung
Oliver Triendl Klavier
Carla Leurs Violine
René Geesing Violoncello
Netherlands Symphony Orchestra Orchester
David Porcelijn Dirigent
 
777 934-2;0761203793426

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