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CD-Besprechung

Carl Philipp Emanuel Bach

Bürgercapitainsmusik 1780

Carl Philipp Emanuel Bach

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 8

Klangqualität:
Klangqualität: 7

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 8

Besprechung: 08.06.16

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cpo 555 016-2

1 CD • 63min • 2014

Nach 250 Jahren Streit erkannte Dänemark 1768 im Gottorper Vergleich die Unabhängigkeit Hamburgs als Freie Reichsstadt an. Dieser Status war der Stadt schon 1510 durch Kaiser Maximilian I. verliehen und 1618 durch das Reichskammergericht bestätigt worden; der dänische König weigerte sich indessen standhaft, seinen Anspruch auf die Landesherrlichkeit über die reiche Hansestadt aufzugeben, den er als Herzog von Holstein 1479 durch das Aussterben des Stormarner Grafengeschlechts geerbt hatte. Hamburg empfand sich folglich als Frontstadt und organisierte mit modernsten Befestigungsanlagen und im Jahr 1619 sogar mit der Gründung einer Bürgerwache eine wirkungsvolle Verteidigung.

Die 57 nach französischer Terminologie „Kapitäne“ genannten Hauptleute der Hamburger Bürgerwache wurden für ihren verantwortungsvollen Dienst von der Stadt alljährlich mit einem Fest geehrt, das aus einem Gottesdienst mit anschließendem Bankett bestand. Die musikalische Ausgestaltung dieser Feierlichkeiten gehörte zu den Amtspflichten des Hamburgischen Musikdirektors: Diese so genannten Kapitänsmusiken bestanden üblicherweise in einem „Oratorium“ für den Gottesdienst sowie einer „Serenata“ für das Festmahl. Georg Philipp Telemann schrieb während seiner Amtszeit von 1720 bis zu seinem Tod 1767 ungefähr 30 solcher Musiken.

Sein Nachfolger Carl Philipp Emanuel Bach trat sein Amt 1768 just in jenem Jahr an, als die Bedrohung aus dem Norden fortfiel und der Verteidigungsdruck auf Hamburg sich folglich erheblich verringerte. Damit büßten auch die jährlichen Festlichkeiten zu Ehren der Bürgerkapitäne an Bedeutung ein; gelegentlich wurden sie ohne Musik oder nur mit instrumentaler Begleitung gefeiert. Bach erhielt erstmals 1780 Gelegenheit, eine traditionelle Festmusik für die Bürgerkapitäne zu komponieren; 1783 folgte eine zweite und letzte „Bürgercapitainsmusik“ von seiner Hand.

Das dem Zeitgeschmack entsprechende Libretto von Oratorium und Serenata lag bei Pastor Christian Wilhelm Alers, der schon Telemann mit Texten bedient hatte, in bewährten Händen: Allegorische Figuren wie Hammona als Verkörperung der Stadt, ferner Redlichkeit, Vaterlandsliebe, aber auch Neid und Aufruhr führen in Rezitativen, Ensembleszenen und Arien der exklusiven Hörerschaft vor, wie hamburgische Freiheit und Prosperität nur durch stete Wachsamkeit dauerhaft zu erhalten sind.

Carl Philipp Emanuel Bach liefert zu diesem patriotischen Anlass Musik, die durch abwechslungsreiche und repräsentative Theatralik besticht. Bei der instrumentalen Begleitung wird nicht gespart: Pauken und Trompeten setzen feierliche Akzente, Flöten, Oboen, Fagott und Hörner ergänzen die Streicher zu einem farbigen Orchesterklang.

Die israelische Cembalistin Ira Hochman erweist sich mit ihrem 2007 gegründeten Ensemble barockwerk hamburg als berufene Interpretin dieses Doppelwerks. Mit Schwung, jedoch ohne dramatisierende Übertreibung führt sie ihre Musiker durch dieses facettenreiche Werk, das zwar seinen Charakter als Gebrauchsmusik nicht leugnet, aber immer wieder mit überraschenden melodischen und klangfarblichen Momenten aufwartet. Das aus Solisten und dem mit jeweils zwei Ripienisten besetzten Chor bestehende Vokalensemble agiert in gut abgestimmter Harmonie und mit deutlicher Textverständlichkeit, wobei das Libretto sich allerdings für heutige Ohren als schwer verdaulich erweist.

Detmar Huchting [08.06.2016]

Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 C.Ph.E. Bach Bürgercapitainsmusik H 822a H 822b (Oratorium und Serenate zur Feier des Ehrenmahls der Herren Bürger-Capitains 1780) 01:02:57

Interpreten der Einspielung

Interpret(en)Besetzung
barockwerk hamburg Ensemble
Ira Hochmann Dirigentin
 
555 016-2;0761203501625

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