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CD-Besprechung

Dora Pejačević

The Complete Piano Works • Nataša Veljković

Dora Pejačević

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 10

Klangqualität:
Klangqualität: 10

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 10

Besprechung: 23.02.16

Klassik Heute
Empfehlung

cpo 555 003-2

2 CD • 2h 37min • 2014

Was für ein Abschluss! Mit der Veröffentlichung des gesamten Klavierwerks der dem kroatisch-ungarischen Adel entstammenden Gräfin Dora Pejačević (1885-1923) hat sich cpo vielleicht den Höhepunkt der Dora-Pejačević-Reihe bis zuletzt aufgespart. Das Klavier stand eindeutig im Zentrum der in Zagreb, Dresden und München ausgebildeten und mit 38 Jahren schon früh verstorbenen Geigerin, Pianistin und Komponistin. Bei dieser Doppel-CD handelt es sich also um nichts weniger, als um das Abbild eines – wie man so schön sagt – musikalischen Reifeprozesses: von Kinder- und Jugendwerken über die Miniaturzyklen einer mittleren bis zu den – teilweise vom Zeitgeschehen (1. Weltkrieg) beeinflussten – Schöpfungen der sogenannten „reifen“ Schaffensphase.

Doch was heißt im Falle Dora Pejačevićs eigentlich Reifeprozess? Das allmähliche Loslösen von Salonhaftem sowie von ihren Vorbildern Mendelssohn, Grieg und Schumann unter Beibehaltung eines unverkennbar slawischen Einschlags? Die permanente Suche nach neuen Ausdrucksmöglichkeiten? Oder der Schritt von einer elegischen, schwelgerischen bis schwärmerischen (Spät-) Romantik hin zu einem immer herberen, bisweilen sperrigen, ja sogar sarkastischen bis grotesken Tonfall im Rahmen einer behutsam erweiterten Tonalität? Etwa die Hinwendung von einem sehr filigranen zu einem machtvoll expressiven Klaviersatz? Auch ist von Vergleichen mit Fanny Mendelssohn und Clara Schuman zu lesen; sogar Rachmaninow und Debussy werden als mögliche Einflüsse genannt. All das mag seine Berechtigung haben, wenn man sich auf rein sprachlich-rationaler Ebene dem Phänomen Dora Pejačević zu nähern versucht. Es sagt aber kaum etwas über das Besondere der eben nicht kategorisierbaren Klaviermusik Dora Pejačevićs aus, geschweige denn über ihren künstlerischen Rang, den man so gerne nur anhand von Einflüssen und Vergleichen mit Vorbildern und/oder Zeitgenossen zu bestimmen trachtet. Wagt man es aber, sich möglichst unvoreingenommen dieser Musik hinzugeben, so erschließt sich eine ständig von neuem aufblühende poetische Bilderwelt, die sich nicht nur einer klaren Einordnung widersetzt, sondern die von der intimen und erhabenen Schlichtheit der Frühwerke über romantisch-impressionistische Tonmalereien, über das bis zur Karikatur reichende Kokettieren mit dem Wiener Walzer bis hin zur herben und monumentalen, an kühnen Modulationen reichen letzten Klavierkomposition, der Fantasie-Sonate op. 57 (1921) von meiner Meinung nach zwei sich zu einem unverkennbaren Personalstil verbindenden Konstanten durchzogen ist: Spontaneität und nie versiegende inspiratorische Kraft anstelle von schulmäßiger Architektur sowie eine vitale Klangrede, innerhalb der fantasievollen Stimmungsmalereien mehr Bedeutung zukommt, als einer Beifall heischenden Virtuosität.

Man möge es mir verzeihen, dass ich nicht konkret auf einzelne Werke eingehe. Doch käme das wahrscheinlich einem meinerseits zum Scheitern verurteilten Versuch gleich, einer Musik gerecht zu werden, die in ihrer melodischen und harmonischen Schönheit einen Zustand des Schwebens vermittelt, dabei aber nie ihre Bodenhaftung verliert. Wie gut, dass die in Wien lebende Pianistin Nataša Veljković sich nicht vordrängt, nie den Blick auf diese attraktive und ohrwurmreiche Musik verstellt, ihr nichts Unnötiges überstülpt. Völlig unprätentiös, mit einem vollendeten Fingerspitzengefühl und einer erlesenen Phrasierung liest die gebürtige Belgraderin zwischen den Zeilen und versteht es, mit instinktsicherem Farben- und Gestenspiel den poetischen Zauber zwischen den Klängen hörbar zu machen – immer beredt, aber nie geschwätzig, hingebungsvoll, aber nie rührselig oder pathetisch. Soll heißen, wie die Klaviermusik Dora Pejačevićs, so die großartige Gestaltungskunst Nataša Veljkovićs: voller einnehmender Fantasie.

Christof Jetzschke [23.02.2016]

Komponisten und Werke der Einspielung

CD 1
Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 D. Pejačević Schneeglöckchen op. 19 Nr. 1 00:01:57
2 Veilchen op. 19 Nr. 2 00:02:34
3 Maiglöckchen op. 19 Nr. 3 00:01:23
4 Vergißmeinnicht op. 19 Nr. 4 00:01:37
5 Rose op. 19 Nr. 5 00:02:31
6 Rote Nelken op. 19 Nr. 6 00:03:04
7 Lilien op. 19 Nr. 7 00:02:23
8 Chrysanthemen op. 19 Nr. 8 00:03:40
9 Sonate As-Dur op. 57 00:11:48
10 Sehnsucht op. 17 Nr. 1 00:03:55
11 Leid op. 17 Nr. 2 00:01:43
12 Frage op. 17 Nr. 3 00:01:29
13 Klage op. 17 Nr. 4 00:04:14
14 Bitte op. 17 Nr. 5 00:01:05
15 Wahn op. 17 Nr. 6 00:02:14
16 Blütenwirbel op. 45 00:02:17
17 Nocturne op. 50 Nr. 1 00:03:26
18 Nocturne op. 50 Nr. 2 00:02:57
19 Libelle op. 32a 00:02:04
20 Papillon op. 32a 00:01:50
21 Abendgedanke op. 32a 00:06:23
22 Impromptu op. 32b 00:06:18
23 Valse de concert op. 21 00:04:14
24 Erinnerung op. 24 00:03:46
CD 2
Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 Moderato op. 28 Nr. 1 00:01:06
2 Grazioso op. 28 Nr. 2 00:01:27
3 Im Ländler-Tempo op. 28 Nr. 3 00:01:31
4 Wiegend op. 28 Nr. 4 00:01:09
5 Lento op. 28 Nr. 5 00:01:17
6 Tempo giusto op. 28 Nr. 6 00:01:42
7 Allegretto op. 28 Nr. 7 00:01:34
8 Grazioso, allegramente op. 28 Nr. 8 00:00:49
9 Moderato op. 28 Nr. 9 00:01:39
10 Berceuse op. 20 00:02:56
11 Sonate b-Moll op. 36 00:24:07
14 Capriccio op. 47 00:03:33
15 An Dich! op. 44 Nr. 1 00:02:52
16 Vor deinem Bild op. 44 Nr. 2 00:02:24
17 Intermezzo op. 38 Nr. 1 00:02:03
18 Intermezzo op. 38 Nr. 2 00:02:45
19 Berceuse op. 2 00:02:34
20 Gondellied op. 4 00:01:06
21 Chanson sans paroles op. 5 00:01:27
22 Papillon op. 6 00:01:31
23 Menuett op. 7 00:01:09
24 Impromptu op. 9a 00:01:17
25 Chanson sans paroles op. 10 00:01:42
26 Trauermarsch op. 14 00:01:34
27 Humoreske op. 54a 00:00:49
28 Caprice op. 54b 00:01:39

Interpreten der Einspielung

Interpret(en)Besetzung
Nataša Veljković Klavier
 
555 003-2;0761203500321

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