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CD-Besprechung

Georg Friedrich Händel

The Complete Recorder Sonatas

Vanitas VA-08

1 CD • 61min • 2014

29.01.2016

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 7
Klangqualität:
Klangqualität: 7
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 7

Georg Friedrich Händels sechs originale Sonaten für Blockflöte und Cembalo sind zu Recht Klassiker des Repertoires. Welchen Wert Händel selbst der Qualität einiger der Sätze zumaß, lässt sich beispielsweise daran erkennen, dass er sie in anderen Werken wiederverwendete. So finden wir etwa die F-Dur-Sonate in ihrer Substanz fast unverändert als Orgelkonzert wieder. Zweifellos also Musik von hoher Güte: Spritzige Tanzsätze stehen neben opernhaftem Gestus, innige Melodik neben ausgefeilter Harmonik. Händel war Theatermusiker durch und durch.

Der CD-Markt ist nicht gerade arm an Einspielungen dieser Sonaten. An die zwanzig verschiedene Aufnahmen sind allein in Deutschland derzeit erhältlich, darunter die bekanntesten Namen der internationalen Blockflötenszene: Dan Laurin, Michala Petri, Erik Bosgraaf, Matthias Maute, Pamela Thorby und jüngst Marco Scorticati. Wer also etwas auf sich hält, kommt an diesen Sonaten kaum vorbei. Dies birgt natürlich das Risiko, sich an all den zahlreichen Vorgängern messen lassen zu müssen.

Wenn nun die Schweizer Blockflötistin Muriel Rochat Rienth und ihr spanischer Cembalopartner Andrés Alberto Gómez eine Synopse dieser Werke vorlegen, erfüllte sich damit ein lange gehegter Traum der Flötistin. Fast wirkt es ein wenig apologetisch, wenn Rochat Rienth im Beiheft das nicht auszurottende Klischee von der Blockflöte als Anfängerinstrument zu widerlegen sucht. Das sollte nach dem steilen Siegeszug des Instruments in der Alte-Musik-Welt in den vergangenen drei Jahrzehnten anno 2015 nun wirklich nicht mehr gesagt werden müssen.

Ohne zu sehr ins Detail zu gehen – die vorliegende Aufnahme bietet grundsätzlich nichts Neues. Rochat Rienth spielt musikantisch und wirklich harmonisch mit ihrem Cembalisten zusammen. Gómez steuert einige einleitende bzw. überleitende Präludien hinzu, was zum einen als Praxis historisch belegt ist, zum anderen die Sonaten formal gelungen abrundet. Interessant ist ein Blick auf Rochat Rienths Verzierungspraxis. Wie die meisten ihrer Vorgänger setzt sie im Wesentlichen auf italienische Verzierungen in der Tradition Corellis. Rienths eigene Verzierungen sind durchaus geschmackvoll, im Timing aber nicht immer sonderlich originell. Alternativ sei an dieser Stelle auf die maßstabsetzende Einspielung zweier Musiker aus dem Umfeld der Baseler Schola Cantorum verwiesen (wo Rochat Rienth selbst ihre Ausbildung absolvierte), die nach umfänglicher Recherche zu gänzlich anderen Ergebnissen gelangt sind. Sven Schwannberger und Thomas Leininger haben meines Erachtens überzeugend dargelegt, dass die Blockflöte und ihre Musik im London zur Zeit Händels immer noch sehr stark von französischen Einflüssen dominiert war. Die barocke Blockflöte (und damit auch der französische Verzierungsstil) erreichte London ja über Frankreich, und auch der bekannteste Blockflötenbauer Londons, Pierre Jaillard (er nannte sich dort anglisierend Peter Bressan) war ein Import vom Kontinent. Sämtliche erhaltenen englischen Blockflötenschulen der Zeit verzeichnen zahlreiche (französisch inspirierte) Verzierungen, sogar mikrotonale „Sweetnings“. Eine wichtige Quelle, auf die sich Schwannberger/Leiniger stützen, stammt aus dem direkten Umfeld Händels: eine Orgelwalze mit Verzierungen, eine barocke „Originalaufnahme“, wenn man so will. Rochat Rienth hat diese Quellen vielleicht nicht gekannt oder sie bewusst nicht verwendet. Es gelingen ihr manche sehr persönliche Passagen und Lösungen, die zuweilen überraschen und einer gewissen Überzeugungskraft nicht entbehren: Entgegen der meisten Aufnahmen nimmt sie das erste Allegro der bekannten F-Dur-Sonate relativ langsam, fast zierlich, ebenso den zweiten Satz der C-Dur-Sonate (die zu den gelungensten der CD gehört). Auch mancher Tanzsatz gelingt überzeugend, etwa die Gavotte aus der gleichen Sonate und auch ihre Flattements (mikrotonale Tonbebungen) sind schön entwickelt. Nicht durchweg, aber doch einige Male findet sie sogar zu wirklich „rührendem“ Spiel, wie etwa in den langsamen Sätzen der C-Dur und insbesondere auch der dramatischen d-moll-Sonate.

Weniger überzeugt mich ihre Tongebung insgesamt, die oft nicht wirklich entspannt klingt und sich zuweilen auch negativ auf die Intonation niederschlägt. Das die Blockflöte fast überpräsent in den Vordergrund stellende, sehr hallige Klangbild spiegelt nicht wirklich die reale Balance beider Instrumente wider.

Auch wenn hier viele schöne Detail zu hören sind, wird es diese Aufnahme nicht leicht haben, sich im Umfeld der zahlreichen Konkurrenzeinspielungen behaupten zu können.

Vergleichseinspielung: Georg Friedrich Händel: A flauto e cembalo – Il Vero Modo (Sven Schwannberger / Thomas Leininger). Thorofon CTH 2540

Heinz Braun [29.01.2016]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Georg Friedrich Händel
1Sonata g minor op. 1 No. 2 HWV 360 for Recorder and B.c. 00:08:28
6Sonata C major op. 1 No. 7 HWV 365 for Alto Recorder and B.c. 00:11:47
11Sonata a minor HWV 362 for Recorder and Harpsichord 00:10:34
15Sonata F major op. 1 No. 11 HWV 369 for Recorder and B.c. 00:10:14
20Sonate B flat major HWV 377 for Recorder and B.c. 00:05:41
23Sonata d minor HWV 367a for Recorder and B.c. 00:13:35

Interpreten der Einspielung

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