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CD-Besprechung

Chopin • Schumann • Atavistic Music

TYXart TXA 15050

1 CD • 78min • 2015

12.01.2016

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 7
Klangqualität:
Klangqualität: 8
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 7

Der deutsch-amerikanische Cellist Alexander Suleiman und die kanadische Pianistin Patricia Hoy bilden ein ebenso differenziert wie energisch musizierendes Duo. In den Fantasiestücken von Schumann (op.73) und in der Polonaise von Chopin wirkt der Cellist mit seiner im musikalischen Ernstfall äußerst selbstbewusst eingesetzten Tongebung für mein Empfinden räumlich bevorzugt. Es mag aber auch darin liegen, dass die Pianistin im Verlauf der Chopin-Sonate in konzertanter Hinsicht ganz automatisch heftiger aus dem Schatten tritt. Und sie zeigt auch ausreichend Wendigkeit in den schnellen, geläufigen Passagen. Suleiman setzt das Vibrato sehr dosiert ein, vermeidet es, den schwellenden Ton als „romantisierenden“ Dauerzustand zu diskreditieren. So zögere ich nicht, von einem kantabel-sprechenden Vortrag zu berichten, mithin von einem günstigen Grundkapital, die Werke von Schumann und Chopin in den verschiedensten Ausdrucksregionen immer auch in ihrer dialogischen Wertigkeit zu erfassen und auszudeuten. Im Vergleich zu den zahlreich vorliegenden Einspielungen der Sonate nimmt die vorliegende Version in meiner imaginären Bestenliste einen Platz im oberen Viertel ein, wobei jenen Interpretationen der Vorzug zu geben wäre, in denen Pianistinnen wie Martha Argerich, Sylvia Kersenbaum und Maria João Pires oder Pianisten wie Nikolai Lugansky und Aldo Ciccolini ihrem Part noch manche Nuance mehr an Brillanz abgewinnen.

Ein knappe halbe Stunde der CD ist einer so genannten „Atavistic Music“ gewidmet. Der Begriff ist mehrdeutig, zumindest wird er unterschiedlich verwendet. Rein fachsprachlich geht es um erneut auftretende anatomische Merkmale oder Verhaltensweisen, die der vorhergehenden Genration fehlen. Abwertend verwendet, beschreibt der Atavismus Handlungen und Gefühle, die einem früheren, primitiven Zustand des Menschen, bzw. der Gesellschaft entsprechen. Suleiman und Hoy beschreiben ihre „Atavistic Music“ als „eine von aller Form befreite Kollaboration, (als) ein Medium, das es Klavier und Cello erlaubt, auf sich kreuzenden musikalischen Ebenen nebeneinander zu bestehen und dabei erstaunliche Klangfolgen und -fragmente zu erschaffen, die schließlich in höhere abstrakte Formen zusammenfließen. Es ist ein intuitiver und dabei doch zutiefst geistiger Prozess.“

Die zehn Stücke mit gewissermaßen rückständigen, um nicht zu sagen „primitiven“ Titeln wie „Aufschwung“, „Unter Wasser“, „Orient-Express“, „Kernfusion“ oder „con vandalismo“ bieten krasse, an aufgebauschte Webern-Vereinzelungen erinnernde Passagen. Sie bieten eine Fülle von instrumentalen und musikantischen Zartheiten, Verrenkungen, Beschwörungen, Verdichtungen und Entspannungen. Ob die genannten Titel dem improvisatorischen „Aufeinanderhören“ vorausgegangen sind oder unter dem Eindruck des jeweils Geleisteten erdacht wurden, geht aus dem Begleittext nicht hervor. Das letzte Stück ertönt unter dem Motto „Tanzattacken“ – es handelt sich zweifellos auch um eine auf die Geduld des Hörers.

Vergleichseinspielungen: Chopin op. 65: Rostropovich – Argerich (DG 463 - 069-2), Maisky – Argerich (DG 471346-2), Fournier – Fonda (DG 459021-2 1971), Stefan und Johannes Jess-Kropfitsch (Gramola 98769), Webber – McCabe (Philips 422 345-2 4.1988), Gregor-Smith – Vrigley (ASV DCA 672), Ma – Ax (CBS MK 44980), Brendstrup –Edwards (Kontrapunkt 32026), Deplace –Plaine (Ophelia OP 67109), Gutman – Wirssaladaze (LCL 206), Kniazev – Lugansky (Warner 2564 63946-2), Arp – Frantz (Genuin 87093), Gomziakov – Pires (DG 477 7483), Ciccolini – Tortelier (EMI 50999 685824 2 5), K. Wilkomirski – M. Wilkomirska (Polskie Nagrania LP SX 0081), James – Rosen (Globe 5026), Noras –Kersenbaum (EMI LP C 181-53246/7), Hoffman – J.–Ph. Collard (EMI CDC 7 54819 2), Hornoy – Katsaris (RCA 09026 61818 2), E. Klein – von Arnim (Arte Nova 74321 34017 2), Kliegel – B. Glemser (Naxos 8.553159), P. Szabó - Várjon (Hungaroton HCD 31651), J. Moser – Kupiec (Hänssler 93.321), Arte und Florian Arnicans (Solo Musica SM 226), Pergamenschikow – Varsi (Genuin 15353) 23

Peter Cossé † [12.01.2016]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Robert Schumann
1Drei Fantasiestücke op. 73 für Violoncello und Klavier 00:09:48
Frédéric Chopin
4Introduktion und Polonaise C major op. 3 for Violoncello and Piano 00:09:00
5Sonate g-Moll op. 65 für Violoncello und Klavier 00:31:18
trad.
9Atavistic Music 00:27:33

Interpreten der Einspielung

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