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CD-Besprechung

Visions

Visions

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 9

Klangqualität:
Klangqualität: 8

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 9

Besprechung: 22.07.15

Quartz Classics 7640103891780

1 CD • 73min • 2014

Es versteht sich von selbst, dass junge Musikerinnen und Musiker auf einer Debüt-CD ihre besonderen Fähigkeiten – und auch ihre Vielseitigkeit – demonstrieren möchten. Beim Duo Christoph Croisé (Cello) / Oxana Shevchenko (Klavier) ist das unverkennbar. Sie präsentieren zwei Sonaten-Schwergewichte aus der Mitte des 19. und 20. Jahrhunderts: die 1. Cellosonate e-Moll op. 38 von Johannes Brahms und die einzige Cellosonate von Sergej Prokofieff – die erstere ein Frühwerk des Romantikers, die letztere eine Spätschöpfung des Komponisten aus unserer Zeit. In beiden Stücken überwiegt das Schwärmerische, beim jungen Brahms als romantisches Bekenntnis, beim reifen Prokofieff im Bemühen, dem Formalismus-Verdacht (dem er damals 1948 in der sowjetischen Kulturdebatte ausgesetzt war) zu entgehen.

Der 22jährige, aus der Schweiz kommende Cellist Christoph Croisé kann bei beiden Werken seine Fähigkeiten voll ausspielen. Er beherrscht das blitzsaubere Spiel souverän, aber das ist ihm nicht genug. Er ist, ich wage das hohe Wort, ein Sensibilist auf seinem Instrument: einer, der das emotionale Auskosten liebt, der gerne empfindsame Töne verströmt – am sinnenfälligsten wohl in den ausladenden Kopfsätzen der beiden Sonaten. Ein Sänger auf den vier Saiten, dem aber auch die tänzerische Eleganz in den späteren Abschnitten bei Brahms und der kapriziöse Plauderton (Prokofieff verarbeitet im zweiten Satz ein russisches Kinderlied) durchaus willkommen sind. Und zum Schluss stellt der effektsichere Künstler in drei Quasi-Zugaben seine virtuosen Fähigkeiten vor – am frappantesten in Pierre Fourniers verwegener Transkription eines Paganini-Geigenstücks über ein Rossini-Thema „auf einer Saite“.

Kein Zweifel, die CD unter dem Titel „Visions“ ist in erster Linie die tönende Visitenkarte eines aufstrebenden Cellisten. Was nicht heißen soll, dass die Pianistin Oxana Shevchenko immer ins zweite Glied zu treten hat. Bei Brahms und fast noch mehr bei Prokofieff fallen dem Klavier – da ist sich die 28jährige Russin ihrer Sache sehr sicher – manch eigenständige und oft sogar gewichtige Aussagen zu (kein Zufall, dass bei der Uraufführung des Prokofieff-Stücks nicht nur Mstislav Rostropovitch am Cello, sondern auch Svjatoslav Richter am Flügel glänzte!). Oxana Shevchenko bewältigt jedenfalls den Balanceakt souverän: anpassungsbereit hier, akzentuierend dort. – Die beiden jungen Künstler treten übrigens am 27. August beim renommierten Lucerne Festival in der Debüt-Reihe auf; auf dem Programm unter anderem die Prokofieff-Sonate sowie Paganinis Rossini-Variationen.

Mario Gerteis † [22.07.2015]

Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 S. Prokofjew Sonate C-Dur op. 119 für Violoncello und Klavier 00:26:20
4 J. Brahms Sonate Nr. 1 e-Moll op. 38 für Violoncello und Klavier 00:28:12
7 P. Tschaikowsky Pezzo capriccioso h-Moll op. 62 00:06:58
8 N. Paganini Variationen über ein Thema aus "Moses in Ägypten" von G. Rossini 00:08:33
9 D. Popper Dance of the Elves op. 39 00:02:35

Interpreten der Einspielung

Interpret(en)Besetzung
Christoph Croisé Violoncello
Oxana Shevchenko Klavier
 
7640103891780;7640103891780

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