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CD-Besprechung

Frescobaldi · Buxtehude
Works for Organ & Harpsichord

Frescobaldi · Buxtehude<br />Works for Organ & Harpsichord

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 10

Klangqualität:
Klangqualität: 9

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 10

Besprechung: 26.03.15

cpo 777 930-2

1 CD • 60min • 2008

Mit dieser CD ehrt der italienische Organist und Cembalist Luca Guglielmi zwei von den Lebensdaten zwei Generationen auseinander liegende Komponisten: Girolamo Frescobaldi (1583-1643) und Dieterich Buxtehude (1637-1707). In seinem Begleittext charakterisiert Guglielmi sie als „zwei Gestalten von höchster Bedeutung für die westliche Musikgeschichte“. Frescobaldi scheint ihm besonders als „Erfinder vieler instrumentaler Stile, genialer Erneuerer der Formen und außerordentlicher Meister in der Kunst der Variation“ erwähnenswert, während ihn an Buxtehude sein „ausgeprägter Sinn für die neuesten Entwicklungen in Italien“ und das begeisterte Engagement für die berühmte stilistische Synthese aus italienischen, französischen und deutschen Elementen fesselt.

Frescobaldis Cento partite sopra passacagli für Cembalo eröffnen die CD: In hundert Veränderungen wird ein nur wenige Takte langer Passacaglia-Bass auf eine phantastische Reise durch die ganze Kunst der Variation geschickt. „Wir bewegen uns auf dem Niveau, [das wir] aus den Goldberg Variationen oder dem dritten Teil der Bachschen Clavierübung kennen“, merkt Guglielmi im Beiheft an. Dem Secondo Libro di Toccate von 1627 sind Frescobaldis weitere vier, auf der Orgel gespielten Werke entnommen, sie demonstrieren eindrucksvoll seine Vielfalt als Komponist. Beim Hymnus Ave Maris Stella alternieren die vier Orgelversetten nicht mit dem sonst üblichen gregorianischem Gesang, Guglielmi hat sich dafür entschieden, die vokalen Alternationen Claudio Monteverdis Marienvesper zu entnehmen. Mit der Sopranistin Jenny Campanella verpflichtete er eine stilsichere Interpretin dieser Einschübe aus dem Werk des 16 Jahre älteren Kollegen, der wie auch Frescobaldi im Jahr 1643 gestorben ist.

Buxtehudes Canzone in C-Dur, auf der Orgel gespielt, schlägt die Brücke zum norddeutschen Meister, von dem weitere vier Werke auf dem Cembalo erklingen. Mit dem Praeludium in g-Moll BuxWV 163, der Toccata in G-Dur BuxWV 165, der Suite in A-Dur BuxWV 243 und der drei Variationen umfassenden Aria in a-Moll BuxWV 249 wird Dieterich Buxtehudes gegenüber dem Orgelwerk sonst eher vernachlässigtes Cembalowerk in seiner ganzen Mannigfaltigkeit präsent; ebenso der Komponist selbst mit seinen vielfältigen Wurzeln in der reichen Tradition der Cembalomusik des 17. Jahrhunderts. Zur Darstellung dieser Fülle bedient Guglielmi sich eines beeindruckenden Instruments, der Kopie eines zweimanualigen Ruckers-Cembalos von 1738, dessen unteres Manual dieselben 8- und 4-Fuß-Saiten bedient wie das obere, allerdings um eine Quarte nach unten versetzt. Möglicherweise war das ein Angebot der erfolgreichen Instrumentenbauerfamilie Ruckers an musikalische Amateure, durch einfachen Manualwechsel die seinerzeit üblichste Transposition um eine Quarte nach unten problemlos vorzunehmen. Für Luca Guglielmi bietet dieses Transpositionsmanual beim Praeludium, der Aria und der Toccata die Möglichkeit, den Stücken durch die Versetzung um vier Töne in die Tiefe eine zusätzliche Aura von Würde und Grandezza zu verleihen; das zeigt sich deutlich im Vergleich mit den jeweils vorzüglichen Interpretationen von Lars Ulrik Mortensen und Rinaldo Alessandrini.

Luca Guglielmis Wahl ausgezeichneter Instrumente – auch das Cembalo für Frescobaldis Cento partite und die sorgfältig restaurierten italienischen Orgeln aus dem späten 17. und der Mitte des 18. Jahrhunderts klingen vorzüglich – sind schon ein starkes Argument, diese CD mit Höchstbewertung zu versehen. Die stilgerechte, dabei überaus fantasievolle und geradezu „sprechende“ Art, mit der Guglielmi jedes Stück vorträgt und jedem Instrument eine Seele gibt, macht die mit dem Anhören dieser CD verbrachte Stunde darüber hinaus zu einer faszinierenden Reise in eine Zeit, die mit dem Reichtum ihrer Ideen und Emotionen auch heute, dreihundert Jahre später, noch unmittelbare Begeisterung auslösen kann.

Vergleichseinspielungen: Buxtehude - Lars-Ulrik Mortensen, Naxos 8.570579 (Aria BuxWV 249 & Toccata BuxWV 165, AD: 1998) u. 8.570581 (Suite BuxWV 243, AD: 1998), Rinaldo Alessandrini, naïve E8354 (Praeludium BuxWV 163, AD: 1994, nur als download erhältlich)

Detmar Huchting [26.03.2015]

Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 G. Frescobaldi Cento Partite sopra Passacagli 00:09:41
2 Toccata Prima 00:03:50
3 Canzona prima 00:03:54
4 Hinno Ave Maris Stella 00:05:36
11 Aria detta Balletto 00:06:46
19 D. Buxtehude Canzona in C BuxWV 166 00:04:27
20 Praeludium und Fuge g-Moll BuxWV 163 00:06:41
21 Suite A-Dur BuxWV 243 00:08:11
25 Aria in a BuxWV 249 00:10:46
28 Toccata in G BuxWV 165 00:04:31

Interpreten der Einspielung

Interpret(en)Besetzung
Luca Guglielmi Cembalo
Jenny Campanella Sopran
 
777 930-2;0761203793020

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